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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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^ chöneres wählen, denn gerade sie vereint sich mit schwär» 
n e ours de laine oder Ratine—derneuerdings auftauchte 
~ ZUm / dea,en Winter kostüm der großen »Elegante«. 
yp.sch moderner wäre ein mit Affenpelz verbrämtes 
A-ostum, denn das Fell des Scheitelaffen, das viele, viele 
Jahre gänzlich vom Schauplatz verschwunden gewesen 
jar, erfreut sich seit zwei Jahren so großer Beliebtheit, 
aß man nun sogar zum Muff aus Affenpelz zurückkehrt. 
Der Muff - unter all den Pelzgegenständen, die sich 
vor begehrlichen Frauenaugen ausbreiten, ist er der am 
wenigsten heiß ersehnte. Alles andere meinen wir heute 
dringender besitzen zu müssen als einen Muff. Frieren 
wir nicht mehr an den Händen? Nein — genau wie 
wir nicht an den Füßen frieren. Nur daß es den Hän- 
den besser ergeht als den Füßen, denn in Jadcen und 
und Mänteln befinden sich große Taschen, die Untere 
schlupf gewähren, oder die Ärmel sind lang und weit 
und daher genügend Schutz vor der Kälte bietend, auch 
gilt es als schick, »totschick«, die Hände vorn zu kreuzen 
und in den Ärmeln zu vergraben. Daher kommt, erst 
wenn alle andern dringenden Wünsche 
erfüllt sind, der Muff an die Reihe, um 
dem Anzug die letzte Note winterlicher 
Eleganz zu verleihen. Hier ist er tonnen- 
förmig, dort flach gehalten, oder mehr 
langgezogen und ganz rund wie die 
Muffe anno 1860, oder er zeigt irgend- 
eine Phantasieform und ist dann meist 
ziemlich »klein und niedlich« und eben- 
solchen Persönchen auf den Leib, oder 
sagen wir, auf die Hände gedichtet. 
Anschließend an dieses Kapitel sei 
erwähnt, daß sich die \Iode, den hduff 
mit in den Salon zu nehmen, voll 
kommen überlebt hat, aber daß 
man davon spricht, sie neu zu be 
leben — was Gott verhüte. 
In tatsächlich nie dagewesener 
Pracht leuchten uns die Abendpelze 
entgegen. Wenn man sich ver 
gegenwärtigt, daß. die vornehmen 
und eleganten Damen des II. Kai 
serreichs — unter ihnen eine Für 
stin Pauline Metternich, eine Gräfin 
Castiglione, die für ihre Eleganz 
bekannt waren — keinen besseren 
Abendmantel kannten, als den pelz 
gefütterten dunklen Radmantel, 
dann muß man sich fragen, wo 
soll das hinaus? Welche Üppigkeit 
des Materials, welcher Formen 
reichtum, welche unbegrenzte Mög 
lichkeit, sich mit künstlerischem Fal 
tenwurf zu umgeben, zeichnet den 
heutigen Abendmantel aui 
wie armselig 
war ein Ver 
gleich mit ihm. 
Der »Radmantel«, der gar nichts 
mit einem Rad, aber um so mehr 
mit einer Ofenröhre gemein hatte, 
der so knapp bemessen war, daß 
er der Frau jede Bewegungsfreiheit 
nahm und trotz seines Gewichtes 
so geringe Wärmekraft hatte, daß 
erdenschönenBeinamen »Lungen 
entzündungsmantel« genoß. 
In den Annalen der Mode 
stehen keine ähnlich prächtigen 
Mäntel verzeichnet, wie die 
heutigen Abendhüllen aus 
Hermelin, Zobel, Bro 
kat, Velours-Chiffon oder 
schimmernder Seide. Bald ist 
der Schnitt derart kompliziert, 
daß man kaum noch von einem 
solchen reden kann, bald aber 
führt das gegenteilige Prinzip zu 
nicht minder blen 
denden Effekten. Wir 
sehen hier das ganz ein 
fache, wirklich fast radmäßig geformte 
Cape aus Hermelin oder auch streifen 
weise je aus Hermelin und Breitschwanz 
geformt und dort das große Pelztuch, das 
entweder vollkommen willkürlich drapiert 
wird, oder aber durch das Verbinden 
einigergeheimnisvolIerKnöpfeundKnopf- 
löcher in einen äußerst weich und natür 
lich fallenden Umhang verwandelt wird. 
Als Randabschluß dient Seiden- oder 
Chenillefranse oder, neuer als das, 
Franse aus Pelzschwänzchen, denn 
dieser kostbare aber zugleich sinn 
volle Aufputz, dessen Entdeckung 
kaum fünfundzwanzig Jahre zurück 
liegt und seither nie ganz ver 
schwand, ist nun wieder »haute 
\ nouveaute«. 
Daß für Sportpaletots die diver 
sen Katzenfelle sowie Seehundsfell 
mit oder ohne abstechende Ver 
brämung modern sind, ist bekannt, 
bleibt nur übrig, ein recht ori 
ginelles, neues Detail zu nennen. 
Man stellt diese Felle, die ausge 
sprochen sportlichen Charakter ha 
ben, mit Leder zusammen, und zwar 
derart,daß der ausLeder bestehende 
Paletot auf der Brust und dem Rücken 
eine Art von breitem Pelzlatz erhält. 
Das Ganze sieht fesch und gut aus, 
wenn es sich am richtigen Ort 
zeigt, — vor allem nicht 
den Straßen der 
Zeichnungen von Li [tan v. Suttner. 
Großstadt.
        
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