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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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sie; ja, wenn man niemand aus der Branche kennt, 
— sage ich, und dann erzähle ich ihr von meinem 
großen Sensationsfilm ,Der Teufel im Weib* . . . und 
als sie hört, daß da sieben 
Hauptdarstellerinnen nötig 
sind, die alle vom Teufel 
besessen sind, da träumt sie 
schon von Ruhm, Plakaten, 
Bildern und — Verehrern. 
Ja, was ist denn das für ein 
Teufel?“ — möchte sie gerne 
wissen. Na, der Tanzteufel, 
— ja, mein liebes Fräulein, 
die Darstellerinnen müssen 
leidenschaftlich tanzen 
Und ob sie leidenschaftlich’ 
gern tanzt Und dann 
plaudern wir harmlos weiter, 
bis der richtige Zeitpunkt 
gekommen ist, d. h. bis ich 
sic so weit habe, um ihr 
sagen zu können; ,Um Ihre 
Fähigkeiten genauer kennen- 
zulcrncn, muß ich Sie selbst 
verständlich prüfen, denn cs 
sind viele Bewerberinnen 
vorgemerkt“, na und dann 
bestelle ich sie eben zu mir. 
Wenn du dir nun ver 
gegenwärtigen könntest, was 
im Kopfe eines solchen Mäd 
chens vorgeht, bis sic vor 
meiner Tür steht, dann könn 
test du auch verstehen, wie 
die Prüfung schließlich endet; 
aber nicht etwa gleich die 
erste, denn dann würde das 
Kind zu leicht kopfscheu. 
Erst muß sie Vertrauen fassen 
und gern wiederkommen. 
Zuerst prüfe ich ganz sach 
lich die Mimik; — lasse mir 
eine Liebeserklärung machen und so weiter. Dann 
kommt die Rhythmik dran; ich setze mich an den 
Flügel und sie muß tanzen. Dabei aber stören die 
Kleider. Ich bitte sie also, das nächste Mal ihren 
Badetrikot mitzubringen, um die Bewegungen der 
Glieder genauer beobachten zu können. Das gibt dann 
eine prächtige Gelegenheit zur Einstudierung einer 
Entkleidungsszene, die auch in dem Film vorkommt. 
Und dcrTeufcl lacht dazu ... 
ja, und dann, — na, Junge, 
eigentlich dürfte ich dir wohl 
nicht mehr verraten, aber, 
. . . weil du cs bist. Wir 
plaudern dann, — sic im 
Trikot vertrauend auf mei 
nem Schoß über Atelier 
geheimnisse, z. B. wie Pia 
Pey „gemacht“ wurde, und 
dann ist die Zeit gekommen, 
um sie zu fragen, welches 
Opfer denn wohl die meisten 
der Anfängerinnen bringen 
müßten, um eine Rolle zu 
bekommen. Glaube mir, sie 
ist dann so leinwandreif, 
um auch dieses „Opfer“ im 
Interesse der Kunst zu 
bringen . . . 
Und dann opfert sie gern 
und oft, da sie sich doch 
über den Fortgang der Vor 
bereitungsarbeiten unter 
richten muß. 
Schließlich aber finde ich, 
daß sich ein anderer, neu 
entdeckter ,Sfar“ doch wohl 
besser für die Rolle eignet 
und dann bringt ihr der 
Postbote eines schönen 
Tages einen Brief, der lau 
tet meist: 
Sehr geehrtes Fräulein! 
Infolge anderer Disposi 
tionen mußte der Sensations 
film ,Der Teufel im Weibe“ 
Icidervorläufig zurückgestellt 
werden. Sobald die Aufnahmen beginnen, erhalten 
Sie wieder Nachricht. Hochachtungsvoll 
Beelzebub-Film 
(Unterschrift unleserlich) 
Siehst du, Junge, so wird es gemacht.“ 
äfußhcdL / Zerheulh, 'ver* 
schwitzt, zerschunden u. dennoch voller 
£ebenstenx€t. , -&les Wunder hewtehen 
einige Ufopten ächten ICöhzI/efy&jm. 
Er hält lief) in affen einschlägigen Geschäften, 
wo nicht vorhanden, weisen Bezugsquelfen nach. 
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