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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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heißt ihre glockigen Krempen 
sind vorn bedeutend breiter 
als hinten, und hier manchmal 
gar ein wenig aufgebogen. 
Hier nun schmiegt sich eine 
Straußfeder flach an, und ihr 
Kopf bängt bis auf dieSchul- 
terherab. Odereinfacher: An 
Stelle der Feder tritt eine aus 
Bandschlupfen bestehende 
Garnitur, von der einige 
Enden herabfallen. Wir ha 
ben also eine Variante des 
im Frühjahr beliebten Motivs 
der lang herabwehenden 
Bandenden vor uns. Ich sah 
kürzlich an einer schönen 
Frau einen tiefdunkellila 
Samthut in der beschriebenen 
Weise mit einer dunkellila 
Straußfeder garniert, deren 
Kopf den bloßen Nacken, 
umrahmt von schwarzen 
Jettketten und Stickereien, 
streichelte. 
Lila wurde ja schon in Samt in zarten Tönen protegiert, 
und gilt nun als ausgesprochene Modefarbe. Jedenfalls sah 
man in den kürzlich in Paris gezeigten Kollektionen, wie 
man mir schreibt, auffallend viel lila Nuancen. Ich möchte 
das als einen glücklichen Wurf bezeichnen, denn meinem 
persönlichen Geschmack nach fügt sich dunkellila feiner 
als irgendein anderer Farbton in das winterliche 
Straßenbild einer Großstadt ein, auch kann man 
den dunkellila Hut fast neutral nennen, er paßt 
zu den meisten Kostümen und zu jedem 
Pelzmantel. 
Ein weiterer neuer Farbton ist »violine«, 
das heißt ein zwischen braun und lila 
schwankender Ton, für den ich mich nicht 
sonderlich begeistern kann, weil ich ihn im 
allgemeinen nicht für sehr kleidsam halte. Sehr neugierig bin ich, mit Winters 
anfang zu hören, ob die Pariserin und neben ihr die elegante Ausländerin, nach 
Jahren der »schwarzen Hutmode« zur bunten übergehen wird. Was immer 
man mir von der Farbenpracht der Kollektionen auch erzählen mag — ich glaube 
vorläufig nicht daran, daß die große »Elegante« eine Änderung in ihren lieb 
gewordenen Bräuchen wird eintreten lassen, und in der Großstadt — zum 
Unterschied.von den Badeorten diverser Art — grelle und helleHüte tragen wird. 
Sicher entstand aus dem Wunsch, den schwarzen und tiefdunklen Hut zu be 
leben und zu variieren, der reiche Jett- und Glasperlenschmuck auf Hüten jeg 
licher Gestalt. Dieser ist ganz neu, jenen sah man schon oft, aber geradezu 
kleinlich, dürftig erscheint alles Ähnliche früher Gesehene neben dem Neuen. 
Nur weil diese Perlen heute an sich so außerordentlich leicht sind, ist ihre Ver 
wendung in solcher Größe und Fülle, ja, das Bedecken ganzer 
Hutköpfe und-krempen möglich. BaldsinddiePerlen schwarz, 
bald bronzefarben, bald grau, kantig oder rund, immer 
aber hochglänzend, so daß sie in des Wortes wahrster 
Bedeutung einen höchst glanzvollen Hutschmuck ab 
geben, der sich denkbar wirkungsvoll von dem matten 
Untergrund der Hüte abhebt. Vollendet geschmack 
voll fand ich einen großen, ein wenig rembrandtartigen 
Hut, bedeckt mit dunkelgrauem Filz und umsäumt mit 
großen, kantigen, grauen Perlen, eine Riesenagraffe 
aus ihnen diente als weiterer Aufputz. 
In gleicher Weise wird Jett verwendet, der 
in diesem Winter auch zu Kleidgarniturzwek- 
ken hochbegehrt ist,- wie denn zu Aufputz 
zwecken alles Glänzende im Vordergrund des 
Interesses steht. Dieser Liebhaberei verdankt 
man die lackierten Federposen und Phantasie 
gestecke, die lackierten und gewachsten Bänder und neuerdings sogar 
Spitzen und Samt, sowie die nie in gleichem Maße beobachtete Vorliebe 
fürZylindersamt und gewachstes, hoehglänzendesLeder, für Metallbän 
der, und die absonderliche, aber sehr hübsche Neuheit in Gestalt von 
Bändern und Blumen, deren Ränder mit schmalen Metallbeschlägen ver 
sehen sind. In der Verwendung des Leders vollzog sich eine bemerkens 
werte Wandlung; es ergibt nicht länger nur einzig und allein die 
kleinen, anspruchslosen Laufhütchen, aus ihm sieht man nun auch große 
und viel anspruchsvollere Hüte ausgeführt, Blumen, Fransen und 
andern Zierat. 
Endlich möchte ich noch auf ein typisches Beiwerk aufmerksam 
machen. Wir werden in diesem Winter auf unsern Hüten die Rosette 
in allen nur erdenklichen Gestalten sehen. Aus feinplissiertem Band, aus 
Straußfedern, aus Pelz und Blümchen gebildet, aus Federn geklebt und 
lackiert, aus Stoff gedreht, aus Perlen und großen Gelatinepailletten zu 
sammengestellt, die im übrigen viel Verwendung finden — sie liegen 
bald flach an dem Kopf an, bald legt man zwei aneinander und sie 
stehen in der vorderen Hutmitte steil empor, denn wir können ja nun 
wieder, worüber sich viele Frauen freuen werden, den mit hochstehen 
der Garnitur versehenen Hut tragen. 
Zeichnungen von 
Lilian v. Suttner. 
Paradiesreihern. 
Forn hochaufgeschlagener Mat aas 
dunkelgrauem Zylindersamt mit 
Perleneinfassung. 
Glockenhut aus Zylindersamt mit Ripsbandeinfassung garniert, mit 
Sämtliche Modelle von Regina Friedländer.
        
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