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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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Pudelmützen und am Abend ebenda bunte Lederhütchen zu seidenen 
Kleidern. 
Sicher sind nur wenig Frauen in der Lage, zu jeder Toilette den 
passenden Hut anschaffen zu können. Weil dem so ist, deshalb sollten 
sie sich an das Neutrale halten. Das Nichtneutrale hat zweifellos mehr 
Charakter und verhilft in bestimmten Fällen zu erhöhter Wirkung — 
dennoch ist das zwischen mehreren Eventualitäten geschickt hin und her 
Gondelnde meist das Wertvollere. Nur eine Kategorie der Even» 
tualitäten läßt sich mit keiner andern unter einen Hut bringen: Es gibt 
keinen Hut, der eine ausgesprochene Abendtoilette harmonisch vervoll» 
sfändigt und zugleich 
die elegante Beigabe 
eines Straßenanzuges 
wäre. 
Im übrigen — nur 
in wenigen Fällen 
wird heute zum ganz 
dekolletierten und 
ausgesprochenen 
Abendkleid der Hut 
getragen. Man bat zu 
diesem Zweck bis» 
her immer die den 
Kopf engu inspannen 
den turbanartigen 
Hüte aus Goldbroka» 
ten oder Metall- Trotteurhut aus grauem über Schnur 
spitzen, oderausSamt abgenähtem Velvet mit Flügelgarnitur. 
mit bunten Steinen, 
Metallfäden, Füttern 
und allerhand glitzerndem Material bestickt, oft mit Pelzstreifen kombiniert 
und fast immer mit Reihern geputzt. Man hat weiter die großen Tüll» 
und Spitzenhüte, die in diesem Jahr schöner sind denn je. Ich sah einen 
solchen, dessen aus hauchdünner schwarzer Spitze bestehende Krempe 
reich eingekräuselt war, und einen anderen, an dem sie gleichsam zwei 
mächtige Schwingen bildete, die den Kopf entzückend einrahmten, und 
noch, einen anderen, an dem die große, vollkommen transparente Krempe 
vorn aufgebogen war und begrenzt von einer Reihe blitzender Strahl» 
rteine. Zugänglicher für die Allgemeinheit ist der große Samt- oder 
Pannehut mit halbweicher Krempe und weichem Kopf. Auf einem Hut 
dieser Art sah ich eine schöne Ungarin als einzigen Schmuck eine 
Straßsteinkette tragen, abschließend unter einem langen, quastenartigen 
Gehänge aus den gleichen Steinchen. - Der Effekt war blendend in des 
Wortes vollster Bedeutung. 
Der gebräuchlichste Schmuck für Abend» und elegante Nachmittags 
hüte ist der Reiher, der trotz seines hohen Preises geradezu verschwen 
derisch angewendet wird, sei es in Gestalt voller Pinsel aus Kronen 
reihern, sei es in der von Paradiesfianken, sei es, daß einzelne Paradies 
reiher oder Stangenreiher über den Hutrand herabwehen, man könnte 
sagen fransengleich, denn Franseneffekte gehören zu den typischen 
Merkmalen der Hutmode. 
Nicht nur die Reiher, auch Fransen aus Seide, Affenpelz oder Strauß 
federn hängen über die Hutkrempen herab. Die Straußfeder ist ja nun 
wieder in Gnaden aufgenommen, sei es im Naturzustand, sei es ge 
knüpft, sei es glyzeriniert. ln dieser Gestalt gefällt sie mir am besten — 
weil am sinnvollsten — fransengleieh verarbeitet. Das ist mehr oder 
weniger formlos im Verein mit den nun wieder modernen weit aus 
ladenden Hutkrempen, aber auf die den Kopf eng umschließenden Hüte 
angewendet, ist diesem Hutschmuck gegenüber Vorsicht angebracht, 
denn nicht jedes Gesicht verträgt den Rahmen der wirr und unruhig 
oft bis über die Augen flatternden Halme. 
Die Straußfeder wird auch in ganz neuartiger Weise aufgesteckt, 
und zwar an Hüten mit ganz leicht biedermeierlichen Anklängen, das 
R egeln 
sind be 
kanntlich dazu 
da, umgangen 
zu werden. 
Auch diese 
teilt dasselbe 
Schicksal: 
»Beim Ankauf 
eines Hutes 
sollte 
stets 
Kleid 
das 
man 
das 
tragen, 
zu vcr- 
Dunkelblauer Samthut mit großer, flacher, 
gleichfarbiger Samtrosette und roter Agraffe. 
vollständigen 
er berufen ist«. Man würde dann nicht all die zahllosen Farbenun 
stimmigkeiten erleben, und nicht im Seebad bei Wind und Wetter Reiher 
und Tüllhüte sehen, und in der Stadt in den großen Hotels wollene 
Großer schwarzer Lederhut mit weißem Leder gefüttert, garniert 
mit einem Perlmotiv.
        
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