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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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Modische Momentaufnahmen 
1 I nd nun bitte recht freund- 
V—4. lieh, gnädige Frau!« . , Ej n 
Knips . . und der Kodak hat die 
neue Modesilhouette der gnädi 
gen pM« auf der Platte festge 
halten und überliefert sie hier den 
Augen der entzückten Beschauer. 
Unsere Damen in Deutschland 
haben das Lächeln, wie man sieht 
Gott sei Dank, noch nicht ver 
loren, bei den Pariserinnen da 
gegen soll es so völlig abhanden 
gekommen sein, daß es sogar 
einen französischen Arzt zu be 
unruhigen beginnt. Der Schüler 
Aeskulaps wollte sich von der 
Wahrheit des Gerüchts über 
zeugen, ob die Französinnen 
wirklich von einer Lachkrisis be 
droht seien, ging verschiedenen 
von ihnen auf der Straße nach 
und blieb mit ihnen vor den 
Schaufenstern der schönsten Läden 
stehen. Aber tatsächlich ent 
lockte der Anblick der wunder 
baren Krinolinen, der mehrreihi 
gen Perlenketten, der schmalen, 
spitzen Schuhe, der schwarzen 
Handschuhe mit den weißen 
Nähten, der größten und der 
Frau Lissy Arna, Berlin. 
Abendkleid aus schwarzem Tüll mit 
Metallstickerei, Tüll-Kopfschmuck. 
Frau Alice Kaufmann, Wien 
in einem Abendkleid aus schwarzem Samt mit 
Goldbrokat und schwarzer Tüllschleppe. 
kleinsten Hüte keiner 
einzigen auch nur das 
leiseste Lächeln! Und 
der weise Arzt schiebt 
das auf die Preise, die 
auf kleinen, weißen 
neben besagten Herr 
lichkeiten liegenden 
Etiketten standen! 
»Ce n’est que le 
Premier pas qui coiite«, 
sagt ein französisches 
Sprichwort, und diesen 
ersten Schritt macht 
unsere Modedame mit 
einem halb und einem 
dreiviertel bedeckten 
Bein. Denn der Ent 
schluß, diese Beine, 
die Helden des Tages 
und des Abends, die 
über ein lahr lang sämt 
liche Hauptrollen auf 
sämtlichen Bühnen des 
Modetheaters gespielt 
haben, plötzlich zu 
verdecken, ist sehr 
schwer. Deshalb bringt 
man auch in dem 
duftigen Vorhang, den 
das Kleid bildet, wie 
Übergang zu dem oft 
unbekleideten Röcken 
bilden. 
Der abendliche 
Kopfputz, der fast ganz 
verschwunden war, 
spielt bei den dies 
maligen Roben wieder 
eine große Rolle. Viele 
Frauen hatten sich die 
Haare kurz abschnei 
den lassen und die un 
angenehme Über 
gangsperiode, in der 
die Haare, wenn man 
so sagen kann, zu lang 
für kurze und zu kurz 
für lange sind, wird 
oft durch den wieder 
kehrenden Tüll- oder 
Paillettenturban erfolg 
reich überbrückt. Man 
drückt ihn gewöhnlich 
tief in die Stirn hinein 
und läßt nur eine kleine 
Locke über dem Ohr 
sehen. Aber man muß 
für diese Art Kopf 
schmuck ein sehr reines 
Profil und regelmäßi 
ges Gesicht haben und 
in jedem Vorhang, hier und da 
ein Guckloch an, di rh das 
die schlanken Schauspieler im 
Seidenfutteral hindurchblinzeln 
und nach einer Gelegenheit zum 
»Wiederauftreten« Ausschau 
halten. 
Die seitliche, ungleiche Raffung 
der Gesellschaftskleider ist an der 
Tages- oder vielmehr Abend 
ordnung, und der Anblick einer 
solchen schwarzsamtnen Robe mit 
goldbestickter Taille und Tüll 
schleppe, bei der das eine Bein 
je nach Bewegung seiner schönen 
Besitzerin ganz und das andere 
nur ein kleines Stück zum Vor 
schein kommt, ist ein neuer und 
origineller. 
Gold-, silber- und metall- 
durchwirkter Tüll steht in hoher 
Gunst und ist im Schein elektri 
scher Glühbirnen auch besonders 
wirkungsvoll. Wir leben augen 
blicklich in einer ärmellosen, aber 
nicht schrecklichen Zeit, denn es 
gibt viele herrliche weiße Fraucn- 
arme zu bewundern, die, von 
einem schmalen Tüllstreifen be 
deckt, oder ganz hüllenlos den 
Frau Ullholm, Stockholm. 
Türkisfarbenes Abendkleid mit Silber 
stickerei.
        
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