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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

PREMIERENSTURM 
Ticlit gtinz einfach, aus der Fülle der Geschichte Bleibendes 
jL zu sondern oder auch nur das Amüsanteste festzunageln. 
Fast scheint es, als bestehe ein geheimes Abkommen mit der 
Entente, die nächste 
Goldmilliarde in 
Theaterstücken zu 
zahlen. Da ihrer dem 
innern Werte nach 
auf eine Million 
immer ungefähr 
ebensoviel Novitäten 
kommen, durfte die 
Sache ein wenig 
lange dauern. 
Zunächst das 
Amüsanteste: Der 
Hühnerhof von 
TristanBernard. Audi 
der begeistertste 
Chauvinist mul! zu 
geben: das kann kein 
Deutsdrer. So viel 
graziöse Ungezogen 
heit ohne alles 
Plumpe, so viel Paprika - Erotik ohne alle Indezenz — das gibt-s 
nur in der Heimat solcher hübschen Dinge. Allerdings vermag man 
sich kaum vorzustellen, dal! es im Grand Guignol bessere oder 
„Die 
Erika Glässner. 
audi nur ebenso gute Schauspieler gibt, wie im Kammerspielhaus. 
Edthofer ist köstlidi und Thirnig als erotischer Sdilemihl einfadi 
unbezahlbar. Daß Frau Dcncra, an sidi gewiß eine tüchtige Kraft, 
hier nidit ganz mit 
halten konnte — sver 
wollte cs ihr ver 
argen ? 
Dieses überlustige 
Stückdien erlöste uns 
gott'ob von Ger 
hard Hauptmanns 
»Jungfern vom 
Bisdiofsberg«. War 
um muß ein Theafer- 
direktor durchaus 
nach dem Ruhm eines 
Sdiliemann geizen ? 
Ausgrabungen sind 
eine hübsche Sadic 
— in Mykene oder 
am oberen Nil. 
Glaubt man, dem 
Diditer des Florian 
Geyer und des 
Midiael Kramer einen Gefallen zu tun, wenn man seine Dramen 
gewordenen Schwächezustände immer wieder aus wohlverdienter 
Versunkenheit hervorholt? — Davor hüte man sich überhaupt, auch 
Fahrt ins Blaue 
Heinz Stieda, 
Phot.: Natgc-Vita. 
Frieda Richard. 
Szene aus dem 3. Akt von Herbert Eulenbergs „Alles um Geld“ im Schloßparktheater in Steglitz. 
Phot.: Zander & Labisch. 
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