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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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Tanz der Vogelfänger 
Photos von Zander & Labisch. 
S a [fett 
fpfarefi 
/^Trazie allein tuts nicht 
Cmehr. Die Zeiten sind 
vorbei, da die Spitzen - 
pirouette das Höchste der 
Ballettkunst bedeutete. Wir 
Menschen des 20. Jahrhun 
derts verlangen die körper 
liche Technik als moralische 
Selbstverständlichkeit und 
werten als künstlerischen 
Gewinn erst, was uns an 
Phantasie und bunter Augen 
weide geboten wird. Dieser 
schönen Dinge hatte man 
im Wintergarten die Fülle. 
Schnackenbergs Meister - 
schaft hat hier ein Ballett ge 
schaffen von einer Eigenart, 
wie sie in Berlin noch nicht 
gesehen wurde. Völlig los- 
Käfer und Blume 
in Ansei und Erik Charell) 
gelöst von allem 
Wirklichen hier — 
und tief im banalen 
Alltag da — holt er 
heraus, was irgend 
zu erreichen ist. 
DerTanz derSchul- 
mädchen zur Dreh 
orgel hat Begei 
sterungsstürme er 
regt — mir aber 
will scheinen, als 
bedeute „dasWet- 
terhäuschen“ oder 
„Blume und Käfer“ 
wesentlich mehr. 
Erik Charell selbst 
besitzt jene gro 
teske männliche 
Grazie, die um so 
entzückenderwirkt, 
je sparsamer sie 
gespendet wird. 
Und Lena Ansei 
braucht nicht ein 
mal grotesk zu 
werden, um jenes 
Gefühl der künst 
lerischen Erlöstheit 
zu bieten, das uns 
vor allen großen 
Tänzerinnen über 
kommt. 
Ist es nicht schön, 
in trüben Zeiten 
solchen Trost im 
Lande zu haben? 
V. C.
        
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