Path:

Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

14 
'eeßte, Elli, det war schon ne Sache! 
Also mein Maxe, der wo Knorrbremser 
is, der sacht Sonnabend abend zu mir; „weeßte, 
Elliken, wozu brauchen bloß die reichen Äster von 
’n Kurfürstendamm reiten? Det können wa ooch, 
Jott sei Dank! Wir jehn heut abend hinten an 
Jesundbrunnen zu Mulickes Rummel, da is so ne 
Keitbude, wat se Hippodrom nennen! Da reitste 
ebensojut wie ne Kommerzienratstochta!“ 
Also wir hinjetijert. Na ick hatte mir jut aus 
staffiert mit de neuen seidenen Strümp'e von Jan- 
dorffen von der Ecke Brunnenstraße (ür 32 und 
die Strumpfbänder, blau mit jelb, wo mir Maxe jeschoben halte. 
Also wir kommen da rinn, Maxe kooft Billetten, Stück für eenen 
Meter, und gleich rinn in de Menage oder Manege oder wie det 
Luder heißt! Da stehen de Zossen immer eener neben den andern. 
Mein Maxe — er is doch bein Train jewesen in Spandau — ruff 
uff eenen und los. Zu mir sacht son Schieber mit nen roten Frack 
und ner Peitsche in der la maing: „Na Freilein, Sie wollen wol 
ooch mal ruff und wieder runter“, packt mir ans linke Been und 
wirft mir uff so nen Zossen ruff. Na Jott, ick hab doch sowat noch 
nich jemacht — also ick uff de andre Seite wieder runter. Det 
Jejohle von den Pöbel hättste hören müssen! Na mein Maxe ritt 
jrade vorbei und brüllte eenen an, der am lautsten jewiehert hat. 
„Dir is wol lange keen linket Ooge übert Schemiset gerollt, wat?“ 
Da wurdet stille, und ick wieder rinn in den Sattel. Also zu anfang 
jing et ja, et schunkelte so anjenehm und mir wurde so wohl, 
ick weeß jarnich. Is doch wat janz nettes, det Reiten l Also da 
hörte die Musike schon wieder uff — sie spielte immerzu „wem Jott 
will rechte Junst erweisen“ — und man mußte neu berappen. Na 
mein Maxe is ja Kavalier. Also nochmal. Et jefiel mir jroßartig. 
Da seh ick wie de andern ihre Jaule mit den Hacken treten, da- 
mits een bisken flotter jeht. Ick denke, det kannsle doch ooch. 
Und sichste, da kam det Malheur. Mein Zosse vasteht mir falsch, 
wie ick ihn een bisken mit de Hacken am Bauch kitzle, jeht hoch 
mit beede Vorderbeene und ick flieje in Dreck. Wenn det noch 
allens jewesen war! Aber ick war een bisken knapp anjezogen, 
und wie ick da so hinrassele — riitsch, reißt mir wat mitten drinn 
kaputt — na da kannste dir ja denken! Det Jejohle! Na ick uff, 
bedecke meine Blöße — aber mein Maxe war schon von Jaul 
runter und hatte eenen von de Brüllaffen in de Zähne jehauen! 
Wat denn kam weeß ick nich mehr so jenau — et packte mir 
eener ans Schlawiltchen und ick befand mir an de kühle Atmosfäre 
— jleich druff Maxe neben mir! Da ham wa denn unsre Knochen 
zusammenjeklaubt und sind schwoofen jegangen! Mil der Reiterei 
— det is doch bloß wal für feine Leute! Vigo
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.