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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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eintreten, wenn zwei Wesen, die verschiedenen Ge 
schlechtern angehören, eine Autofahrt antreten. 
Man denke doch, was für viele Wünsche so eine 
fesche kleine Autodame unterwegs an ihren 
Begleiter stellt! Einmal will sie aussteigen und sich 
am See niederlegen, ein anderes Mal 
in einem Wirtshaus einkehren, 
wo es schönen dunkelroten 
Wein zu trinken gibt: 
»Weißt du, den von 
damals, der so hübsch 
zu Kopf steigt und 
so lustig macht!« 
Beim Nachhause 
fahren sieht der un 
glückselige Wagen 
lenker dann alles 
doppelt und drei 
fach und kann nur 
noch mit genauer 
NotdenSteg erkun 
den. Panne! Panne! 
Ein weiser franzö 
sischer Arzt behauptet, 
daßsämtlichen Männern 
das Lachen vergangen ist, 
seitdem sich die Frau per 
sönlich ans Autosteuerrad gese^t 
hat! Wenn sie sich überhaupt noch D,e an ff et >e/jmen 
zu einem Lächeln bequemten, so geschähe 
das nur noch vor dem Photographen! Wir wollen 
hoffen, daß das etwas übertrieben ist. Das weibliche 
Wesen als Lenkerin des Autos ist eine Erscheinung im 
Großstadtbilde, der wir seit dem Kriege, wo viele 
Frauen ihre Männer im Autolenken ersehen mußten, 
nicht mehr fremd gegenüberstehen. Aber der Fran 
zose, der aus dieser Tatsache auf eine Abnahme 
der Menschheit schließt, nämlich auf ein unausbleib 
liches Totgefahrenwerden, wenn man in die Nähe 
eines von weiblicher Hand gelenk 
ten Autos kommt, scheint doch 
ein griesgrämiger Nörgler 
zu sein ! 
Panne! O du reizend 
ste aller erzwungenen 
Ruhepausen ! Du 
Zwischenakt auf der 
Freilichtbühne des 
Naturtheaters, wo 
richtige Bäume, 
Wiesen und Häu 
ser einen maleri 
schen Hintergrund 
bilden, wo das 
Rasseln des Motors 
plöbhch verstummt 
und zwei Herzen 
dafür zu klopfen be 
ginnen. Du Auto 
panne, die du oft den 
Anfang zu einem Lebens- 
r _ roman bildest, der auf glatter 
et en er anne. Straße beginnt und auf steiniger 
endet — sei tro^dem begrüßt! Denn es ist 
falsch, wenn behauptet wird, daß man die Dumm 
heiten, die man gemacht hat, immer am aufrichtigsten 
bereut. Im Gegenteil, man gedenkt ihrer am längsten. 
Danke . . . Panne * 
Phot.: Senne che. 
Pneu. 
Eine gemütliche Panne. 
oben: Valetta I a'mt, T. W. Koebner, Prinz Henry Reuß. Unten; Trau v. Hoff, Herr Werner G. Schiefer.
        
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