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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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um 
Der Retter in der Not. 
E s ist falsch, wenn behauptet wird, daß man die 
Dummheiten, die man gemacht hat, immer am 
aufrichtigsten bereut! Im Gegenteil, man gedenkt 
ihrer am längsten — besonders wenn es sich 
solche handelt, die im 
»Panne« - Zustande 
gemacht werden,näm- 
lieh dann, wenn ir 
gend etwas im Bereich 
des Motors, dessen 
Rasseln unsere Zeit 
beherrscht, streikt! 
Und wie off das vor 
kommt! Da heißt es 
immer, ein Gummi 
reifen darferst planen, 
wenn er 15 000 garan 
tierte Kilometer hinter 
sich hat. Er platjt aber, 
wenn es ihm und nicht 
uns oder derGarantie 
beliebt! Mit rasender 
Schnelligkeit geht es 
durch die sonnige 
Landschaff. Befriedigt 
lassen sich dielnsassen 
des Autos den Wind, der durch die Geschwindigkeits 
bewegung erzeugt wird,um die Naseu wehen,während 
die Fußgänger die dick aufwirbelnden Staubwolken, 
deren Spuren sie errö 
tend (vor Wut) folgen, 
herunterschlucken. Da 
. . . ein wahnsinniger 
Knall... man denkt an 
einen Kommunisten 
angriff . . . auf Glas 
scherben gefahren... 
Gummireifen kaputt. 
Panne! 
ln einem Nu liegt 
alle Welt bäuchlings 
auf dem Boden, und 
das idyllische Leben 
unter und neben dem 
Auto beginnt. Mit der 
Flinkheit von Heinzel 
männchen wird nun 
gearbeitet, und wenn 
hier Sachverständige 
ausgegangene Luff 
wieder einpumpen 
wollen, so geht wäh 
rend dieser Panne dort 
anderen Sachverstän^ 
digen, die sich von der 
Unglücksstätte etwas 
zurückgezogen haben, 
ebenfalls die Luff aus 
— nur aus anderen 
Gründen! Denn war 
um soll man nicht das 
wogende, gelbe Rog- Kußpjnne. 
gen-, Gerste- und Weizenmeer, das sich, wohin das 
Auge blickt, ausbreitet und dessen zusammenschlagende 
Wellen der Mohn benutzt, um mit den Kornblumen zu 
klatschen, ebenfalls für ein Schäferstündchen verwen 
den, wenn Amor nun 
einmal mit dem Auto 
mobilsport in Ver 
bindung steht? 
Denn daß er dies tut, 
unterliegt gar keinem 
Zweifel. Es ist schon 
mehrdenn einmal vor 
gekommen, daß der 
ungezogene Sohn der 
Venus selber in den 
Motor hineinkriecht 
und ihn, ungeachtet 
seiner hübschen wei- 
ßenFlügeI,die er mitöl 
beschmiert, mitten im 
rasenden Lauf zum 
Stehen bringt. Die 
dummen Menschen 
sagen dann: »DerMo- 
tor bockt wiedermal!« 
und fangen an zu dre 
hen und zu kurbeln und zu schmieren und den Motor 
kasten auf- und wieder zuzumachen, und sehen doch 
den kleinen Gott nicht, der im Räderwerk sitjt und sich 
insFäustchen lacht und 
die Panne gerade so 
lange währen laßt, da 
mit das junge Pärchen, 
das in seiner Obhut 
steht, Zeit genug hat: 
»Um alsobald mit einem 
süßen. 
Langwierigen Kusse sich 
zu begrüßen!« 
Panne! Das Wort 
hat für den modernen 
Automobilisten keine 
Schrecken mehr,denn 
er ist Herr über Zeit 
und Raum! Der Motor 
hat dieZeit der Kinder 
krankheiten überwun 
den, und wenn hier 
und da mal ein Rückfall 
kommt, so stehen 
genügende Hilfsmittel 
zurVerfügung,um sich 
von einer Panne we 
der die Laune verder 
ben, noch das Nach 
hausefahren verweh 
ren zu lassen. 
Aber es gibt auch 
Pannen, die gar nichts 
mit einem Motorde 
fekt zu tun haben und 
die regelmäßig dann 
Photosi Senneche.
        
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