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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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Das Q Cä ck in der ß o s e 
I n der Hose habe ich ent- 
schiedenGlück!« sagte Viktor 
zu sich selbst, als er am 
Morgen des lages, an dem er 
die neuen Unaussprechlichen 
zum ersten Male trug, auf der 
Straße einen herrenlosen Fünf 
markschein fand. Als er aber 
am Abend des gleichen Tages 
gar die lange ersehnte Be 
kanntschaft der reizenden Milli 
vom Ballett machte, wurde der 
Glaube an sein »Glück in der 
Hose« felsenfest. Milli war so ganz 
sein Typ, das, wonach er sich schon 
lange gesehnt hatte, denn Viktor war 
ein Gourmet, besonders in seinen An 
sprüchen an weibliche Reize. Das hatte 
er auch bewiesen, als er vor drei Jahren 
die kleine Margot zu seiner Frau 
machte. Margot war ein entzückendes 
kleines Weibchen und Viktor war nicht 
wenig stolz auf ihren Besitz* Milli aber 
hatte doch auch verschiedenes, das 
Margot abging und wofür Viktor trotz 
dem schwärmte. — Und dann — drei 
Jahre war er Margot schon ziemlich 
treu . . . Lieber Gott, man kann doch 
nicht immer . . . Da hatte er neulich 
einen sehr guten Aufsa^ gelesen über 
das Variationsbedürfnis, das gerade 
beim Manne besonders stark ent 
wickelt sei. — Der Verfasser dieses 
Artikels war ein Mann nach Viktors 
Herzen; der verstand doch was! Ein 
kluger Mensch! Jawohl: Variation, 
Veränderung, Abwechslung, das war 
es, wonach Viktors Natur gebieterisch 
verlangte. Und jetzt hatte er ja gewisser 
art ein Recht darauf; es war wissen 
schaftlich bewiesen. — 
So hatte Viktor denn auch an jenem 
Abend, der ihm die Bekanntschaft 
Millis vermittelte, keinen Augenblick 
geschwankt, sich die gebotene kleine 
»Variation« nachdrücklich zunutze zu 
machen. Nach und nach war dann 
/ Stetste \Sache, 
TZer&en&icirteung, £7ches-u-&oririe. , ~ 
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Erhält (ich in allen einschlägigen Geschäften, 
wo nicht vorhanden, weisen Bezugsquellen nach. 
Zur Messe In rranhlurt 25. 9.- I. io. 21: 
Haus Oilenbadi. Stand 3321. 
eine liebe Gewohnheit daraus 
geworden und Viktor hatte 
schon öfter Gelegenheit ge 
funden, in seinem Innern Ver 
gleiche zwischen den Nei 
gungen Margots und Millis 
anzustellen. Und merkwürdig: 
beide zeigten in ihren Wün 
schen und in ihrerGeschmacks- 
richtung seltsame Überein 
stimmung. So bczeichnete 
es Margot als ihr »höchstes 
Glück«, einen Ring mit einem 
von Brillanten umgebenen Türkis zu 
besitzen, und Milli hatte vor ein paar 
Tagen "plötzlich behauptet, sie müsse 
sich das l.eben nehmen, wenn sie nicht 
»so einen schicken Türkisring mit 
Brillanten« bekäme. — 
Viktor lächelte bei dem Bekenntnis 
Millis etwas betreten; nicht wegen 
der zufälligen Gleichheit der Wünsche, 
aber zwei kostbare Ringe auf einmal — 
— Schließlich fand Viktor einen Aus 
weg. Er sagte sich sehr richtig, daß 
der Mensch gewöhnlich auf sein 
»Glück« eine Weile warten müsse, 
dagegen schien es ihm doch nicht rat 
sam, die Verantwortung für einen 
eventuellen Selbstmord auf sich zu 
laden, und er beschloß daher, einst 
weilen Milli einen Türkisring zu 
schenken. Als er auf dem Nachhause 
wege zum Mittagessen bei einem 
Juwelier einen Ring sah, der geeignet 
schien, Millis Selbstmordabsichten zu 
verscheudien, erstand er das Schmuck 
stück. Am Nachmittag beabsichtigte 
er sowieso eine Tasse Tee bei Milli zu 
nehmen, und gestern hatte sie schon 
so merkwürdige Andeutungen ge 
macht, daß das Schlimmste zu be- 
fürditen war,wenn er ohne Ring kam . . . 
Als Viktor nach Hause kam, stand das 
Essen noch nicht wie sonst immer auf 
demTisdie. Die kleine Frau Margot war 
ganz aufgeregt darüber und eilte selbst 
mckenvferd
        
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