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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

Phot. Rosenhcrg 
Phot. Rosenhere 
achlung, die man Deutschlands 
größtem Dichter schuldet. Aber 
eine tiefgehende Wirkung wurde 
auch diesmal nicht erreicht. Klop 
fer, Dieterle, Raoul Lange — im 
einzelnen, um mit Goethe zu 
reden, sentierten sie kräftig und 
herrlich, aber das Ganze ging 
in ihren Kopf so wenig wie in 
unseren,— Hofmannsthals „Aben 
teurer und Sängerin“ ist unge 
fähr ebenso alt wie der Florian. 
Ein nachdenksames, feinziseliertes 
Werk von einer Sprachkunst, die 
wie geredeter Watteau oder 
Canaletto wirkt. Moissi alsaltern- 
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Tforian und Casanova 
r wei Welten der Seele: Florian Geyer, der absolute Altruist, dessen Lebensziel die Befreiung der 
Unterdrückten ist — und Casanova, der Nur-Genießer, der die Erde egozentrisch betrachtet und 
genießt. Sind sie nicht zwei Typen, die in unserer Zeit lebendiger und wichtiger sind denn je? 
Der Kampf der Regie um Hauptmanns tiefstes Werk geht nun seit fünfundzwanzig Jahren. 1896 
niedcrgepöbelt, 1906 begeistert begrüßt, fand das Werk diesmal jene stille Aufnahme warmer Hoch- 
der Lebenskünstler, der zum 
tiefsten Erfassen der Dinge gegen 
seinen Willen gezwungen wird; 
es war schon etwas wert, ihn ge 
sehen — und gehört zu haben. 
Im Kleinen Theater „Casano 
vas Sohn“ von Gebrüder Rotter 
(denn der „Dichter“ Rudolf Lo 
thar hat doch nur das Textbuch 
skizzieren dürfen.) Nun, wie 
immer. Daß Mady Christians 
eine bildschöne Frau mit einigem 
Talent ist, daß Eugen Burg noch 
in Sterbekleidern hochelegant 
wirken wird, war bekannt. 
Hans Müller warf sein Quartals 
drama wie üblich mit kaninchen- 
hafter Leichtigkeit und nannte es 
die „Sterne“. Man würde auch 
diese Sterne nicht begehren — 
wenn Kraußneck und Bassermann 
nicht so herrliche Künstler wären! 
Vi 
Links oben: 
Moissi als Casanova {Kammerspiele) in 
Hofmannsthals „Abenteurer und Sängerin“ 
Rechts oben: 
Dieterle, Raoul Lange und Klopfer in 
„Florian Geyer“ 
ln der Milte: 
Szene aus Florian Geyer {GroßesSchauspielhaus) 
Links' unten: 
Kraußneck und Bassermann in den „Sternen“ 
von H. Müller {Staatstheater) 
Rechts unten: 
Mady Christians und Eugen Burg 
in „Casanovas Sohn“ von Rudolf Lothar 
(Kleines Theater) 
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Vißcr den besonders bcreichncten alle Photos von garnier & Lahisch 
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