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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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Phot.: 
Sandau, 
Madame empfängt. 
stehender Fächer 
lasche legen. 
Denkt doch 
einmal, wie 
reizenddas 
für euch 
sein wird, 
wenn so 
ein ge- 
bausch - 
ter Rock 
euchbei 
jedem 
Schritt 
Kühlung 
zufächelt 
und euch 
allerlieb - 
ste Dinge 
erzählen 
wird. Die 
Verständigung 
zwischen euch 
kleinen Füßen und 
dem Rocksaum wird 
jetjt, da ihr euch ein 
ander wieder nähert, 
viel leichter sein als früher. Was werdet ihr da 
alles von scharmanten, längst vergangenen Zeiten zu 
hören bekommen! Wie sich die weißen Atlasröcke 
von früher über und über mit goldenen Schmetter 
lingen bedeckten, um die Liebhaber ihrer Trägerinnen 
zu warnen, sich ihrem Feuer allzusehr zu nähern, 
damit ihnen nicht das Schicksal des Falters zuteil 
werde, der dem Licht zu nahe kommt, und wie 
galant und tolerant sich die betrogenen Ehemänner 
früherer Zeiten zeigten, die der durchgebrannten 
Frau und ihrem Freunde oft einen herrschaftlichen 
Wagen nachschickten, wenn sie es für unpassend 
hielten, daß sie in einer 
Mietskutsche davonfuhren. 
Die Beine; Und was 
werden uns die modernen 
Röcke erzählen? 
Die Dame: Daß es 
für ihre Trägerin nichts 
Schwereres gibt, 
als sich richtig 
anzuziehen, aber 
auch nichts Befrie 
digenderes als das 
Gefühl: es ist ge 
glückt. Immer das 
Kleid zu tragen, das 
das angemessene des 
Augenblicks ist, weder 
zu einfach noch zu 
auffallend zu sein, überall 
bewundert zuwerden,ohne 
sich bemerkbar zu machen, 
muß das Ziel einer wirk 
lich eleganten Frau sein. 
Der wahre Schick se^t 
sich aus tausend 
kleinen Nuancen 
zusammen, die zu 
suchen und zu fin 
den eine moderne 
Dame verstehen 
neue 
muß. Jede 
Mode hat i 
Reize und il 
werdet se 
hen, wie 
hübsch ihr 
euch un 
ter den 
Spitjen 
machen 
werdet, 
die, wie 
durch 
kleine 
Guck- 
fenster- 
chen 
hindurch, 
schöne 
Aussichten 
auf euch er 
öffnen werden. 
Die Beine: 
(höhnisch) Schöne 
Aussichten! 
Die Dame: Ihr 
seid bloß auf euer 
Gegenüber, die Arme, eifersüchtig, die nun auch 
einmal zu Worte kommen sollen. Schöne weiße 
Frauenarme werden sich in ihrer vollendeten 
Rundung von dem weichen Schultergelenk bis zu 
den rosigen Fingernägeln zeigen, sie werden, oben 
mit einem goldenen Reifen bedeckt, aus winzigen 
hauchfeinen Ärmeln hervorstreben, oder sich nur 
von einem schmalen, mit Steinen besetzen Schulter- 
träger Halt gebieten lassen, sie werden sich weich 
und sehr liebkosend um einen Männernacken legen. 
Phot.: 
Sandau. 
Die Jöftre kippe ft. 
Die Beine: 
(unterbrechend) Pst . . . nicht aus 
der Schule plaudern . . . auch 
unsere Zeit kommt wieder . . . 
und dann . . . 
Die Dame: Dann werdet 
auch ihr wieder zu eurem 
Recht kommen, ihr schönen 
schlanken Beine. Doch 
vorläufig müßt ihr zu 
gunsten eurer weniger 
schönen Kameraden das 
verschleierte Bild von 
Sai's spielen und stets 
daran denken, daß 
die äußerst launi 
sche Frau Mode 
ewig wandel- 
und unbere 
chenbar ist. 
Trude John. 
Die Preisträgerinnen einer amerikanischen Bein •.Konkurrenz. 
Phot..- Setwecfte.
        
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