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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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Die Komödie der Eine 
Von Frank Günther. 
S ie Stand am Fenster 
und weinte. 
Er wühlte in einem Stoß 
Briefe, unterschrieb in der 
Luft ein par Aktenbogen, 
drückte den Stempel auf 
etliche leere Bogen und las 
die letzte Gasrechnung mit 
einer Miene, als handle 
es sich um eine hoch» 
wichtige und Verhängnis» 
volle Staatsaktion. 
Sie sah es und war 
empört. Sie ging hinaus. 
Endlich! Er lachte 
hinter ihr, warf den Feder» 
halter fort und stand auf. 
Er nahm Hut und Mantel 
und ging. — 
Leise ging die Tür auf. 
Das Zimmer war leer. 
Sie war enttäuscht erst, 
dann stutzte sie. 
»Fedor!« rief sie und 
horchte. 
Kein Laut. 
Sie suchte dieWohnung 
ab; er war fort. 
Sie fing wieder an zu 
weinen. 
Seine Ruhe vorhin war 
nur gemacht, dachte sie, 
nun ist er auf und da» 
von. 
Sie ging zum Schreib» 
tisch. Das Schubfach war 
abgeschlossen. Man wür» 
de es erbrechen müssen. 
Sehr unangenehm! 
Plötzlich dachte sic: 
Wenn er nun plötzlich 
ins Wasser gegangen ist?! 
Sie wollte wieder wei» 
nen, aber sie zögerte. 
Er wird nicht die Kraft 
dazu haben! Ja, — i^ 1 
kenne ihn ja, er hat nicht 
die Kraft dazu. Er ist 
zu schlapp! 
Sie wollte bitter lachen, 
aber es gelang nicht. — 
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Schlüssel klirrten. 
Die Wohnungstür ging. 
Sie erwartete ihn: »Wo 
warst du?« 
»Ich habe mir nur ein 
paar Zigaretten geholt«, 
sagte er und warf sich in 
den Lehnstuhl. 
Er hat also nicht ein» 
mal versucht, ins Wasser 
zu gehen! dachte sie. 
Welch eine Gemeinheit, 
sich jetzt Zigaretten zu 
kaufen! 
Sie weinte wieder. 
»Wie roh du bist!« 
sagte sie und stürzte zur 
Tür. »Diese Roheiten 
ertrage ich nicht länger. 
Ich gehe ins Wasser!« 
Sie schlug die Tür hinter 
sich zu. 
Er lachte und steckte 
sich eine Zigarette an. 
Sie machte draußen die 
Wohnungstür laut und um» 
ständlich auf und schlug 
sie wieder zu. 
Dann stand sie ganz 
still. 
Wenn er jetzt aus der 
Stube gestürzt kam, wollte 
sie ihm um den Hals fallen. 
Aber er kam nicht. 
Sie lauschte. 
Nichts regte sich. — 
Er saß immer noch und 
lachte. 
Dann ging er zur Tür 
und machte sie langsam 
auf. Sie starrte ihn groß an. 
»Ich denke, es ist nun 
Zeit zum essen!« sagte 
er und ging in die Stube 
zurück. 
Am Abend waren sie 
beide im Metropoltheater. 
Es war sehr lustig. 
Hirtners waren auch da, 
und man ging hinterher 
gemeinsam ins Cafe.
        
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