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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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moderne Frau auch das Recht auf Sport erlangt; jeder vernünftig 
denkende Mann wird sie auf diesem Gebiete freudig als Mit 
kämpferin begrüßen. — Nicht überall allerdings wollen wir die Frau 
sportlidi tätig sehen, z. B. dort nicht, 
wo ästhetische Bedenken dagegen 
sprechen. Schon in früheren 
Jahren sind Versuche gemacht 
worden, den Frauensport 
der Sensation dienstbar 
zu machen, indem man 
|-rauen ringen, boxen 
oder auf dem Rade 
um die Wette fahren 
ließ. Audi heute sieht 
man nodi hier und da 
einige derartige Aus 
wüchse. Das sind Ge 
schmacklosigkeiten, die 
mit Sport nichts zu tun 
haben. Es gibt sportliche 
Gebiete, für die sich die Frau 
nidit eignet, und eine ringende, 
boxende oder auf dem Rade 
strampelnde Frau ist ein Anblick, den 
sidi jeder ersparen möchte, der Freude 
an ruhiger wciblidier Schönheit hat. 
Der Radrennsport bleibe also dem 
starken Gcsdilecht Vorbehalten! Leider 
haben wir hier, was unseren deutsdien 
Sport anbetrifft, im lebten Jahrzehnt keine Fortschritte ge 
macht, vor allem im Fliegersport. Der beste Beweis dafür 
ist die Tatsache, daß ein Senior wie Willy Arend heute 
immer noch mit an der Spitze unserer Flieger steht. Arend 
hat im Jahre 1894, also vor 27 Jahren, mit dem Rennfahren 
liegonnen; 1897 gewann er in Glasgow die Weltmeister- 
sdiaft für Berufsfahrer gegen Barden nnd Nossam, 1898 in 
Berlin den Großen Preis von Deutschland gegen Bourillon 
und Jacquelin, 1901 in Paris den Großen Preis der Republik 
gegen Ellegaard und Jacquelin — nnd heute fährt er mit 
beinahe noch demselben Schneid wie vor 20 Jahren. Als vor 
kurzem 40000 Zuschauer im Stadion der Entscheidung des 
Ein Meistersprung. 
CErf. Th eien.) 
Phot.; G. Rieh täte. 
Stabhochsprung. 
Phot.; G. Riehicke. 
Großen Preises von Berlin beiwohnten, gelangte Arend mit dem 
Schweizer Kaufmann, sowie den Deutschen Lorenz und Münzer 
in den Endlauf und beseite einen guten dritten Plalj. Kaufmann 
gewann mit großer Überlegenheit und liewies, daß er eine Klasse 
über den ünsrigen steht. Daß ihn auch Rütt, der jef^t mit wechseln 
dem Erfolge in den Vereinigten Staaten fährt, nicht geschlagen 
hätte, kann ohne weiteres als sicher angenommen werden, 
denn Kaufmann ist augenblicklich einer der schnellsten 
Flieger der Welt. Daß der Radrennsport noch nichts von 
seiner alten Anziehungskraft eingebüßt hat, wenn nur 
das richtige Ereignis dargeboten wird, hat der Kampf 
um den Großen Preis von Berlin auf das schlagend 
ste bewiesen. 
Große Tage stehen übrigens auch dem deutsdien 
Automobilsport bevor: Ende September wird in der 
riesigen Halle am Kaiserdamm in Berlin - Charlottenburg die 
Deuts di e Automobil-Ausstellung Berlin 1921 
eröffnet werden. Trotj der gewaltigen Dimensionen dieser 
Halle ist der für Aussteller verfügbare Raum weit überzeichnet 
worden, und so wird die Ausstellung dann allem Anschein 
nach einen ersdiöpfenden Überblick über die deutsdie Kraft- 
wagenindustric mit all ihren Nebenzweigen darbieten nnd dem 
Ausland zeigen, daß audi auf diesem Gebiete deutsdie 
Schaffenskraft und deutscher Unternehmungsgeist nicht brach- 
gelegen haben. 
Im Ansdiluß an die Ausstellung wird auch die neue Auto- 
mobil-Obungs - und Verkehrsstraß ei m Grün ewald 
cingeweiht werden, die sich, alles in allem 20 km lang, von 
Eidikamp bis Nikolassee hinzieht. Es ist eine Doppelbahn mit 
je einer großen Sdileife an den Enden. Die Rennen, die am 
24. und 25. September statttinden werden, sind zwar nur für 
kleinere Wagen bestimmt, am Sdilusse dieser Rennen sollen aber 
Rekordversudie mit Rennwagen unbeschränkter Zylinderabmessungen 
vorgenommeu werden. Diese Rekordversudie werden über 3 km mit 
fliegendem Start vonstatten gehen, und da Meldungen von unseren 
größten Firmen vorliegen, wird man sicherlich allerhand an Sdmellig- 
keit zu sehen bekommen. 
Die Rennen im Grunewald werden uns zeigen, was deutsdie 
Rennwagen licute leisten können, und ob wir auf diesem Gebiet 
in der Zwischenzeit mit dem Auslände gleichen Schritt gehalten 
haben.
        
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