Path:

Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

7 
in grellen Farben, knallrot, zitronengelb, rasengrün? Und 
der kleine Knabe? Wenn inan ihm nicht den Sw>-atei 
über sein dickes Körperchen zieht, so sind winzige Höschen, 
die mittels großer, hübscher, 
sichtbar angebrachter 
Knöpfe an weiche 
Blusen angeknöpft 
werden, aller 
liebst. Sie wer 
den auch in 
ganzkrassen 
Farben ge 
wählt, die 
se Blusen, 
genau wie 
die Klei 
der seiner 
Fräulein 
Schwester. 
Wenn die 
Mutter sich 
allmählich auf 
das Tragen von 
längeren Röcken 
vorbereitet, so 
werden die ihrerToch- 
Eme Dame von Weft. ter vorläufig noch immer 
kürzer. Sie finden weit ober 
halb des Knies ihren Abschluß. Dafür bekommt die junge 
Dame aber auch eine genau so ungarnierte, glatte, lange 
Taille, wie die ältere, und der winzige Rock steht als 
kleiner luftiger Ballon weit von den schmalen Hüften ab. 
Für das Haus ist der japanische Zwergkimono mit 
großen seidenen Blumen ein allerliebstes Gewand, und 
der junge Herr geht in einem gestreiften Pyjama einher, 
der den Neid 
des alten er 
regen würde, 
wenn er nicht 
denselben be 
säße. 
Cape und 
ein weiter, 
bauschiger 
Mantel mit 
Raglanärmeln 
ist die vor 
schriftsmäßige 
Straßenklei 
dung für ju 
gendliche 
Herrschaften, 
die Anspruch 
auf Eleganz 
erheben. Das 
Cape, dessen 
rundgeschnit 
tener Sattel 
dieselbe Farbe aufweist, wie die breiten Streifen des dar 
unter befindlichen Kleides, muß auch mit der Kopfbedeckung 
in Einklang gebracht werden, die gewöhnlich eine Mü^e 
oder eine einfache 
Glockenform mit 
schmalem Bande 
ist. Bei einem 
kleinen Jungen 
sicht eine tief in 
die Stirn gedrückte 
Jockeimütje, die 
aus demselben 
Stoff hergestellt 
ist wie der weite 
Mantel, außeror 
dentlich drollig 
und niedlich aus. 
Eins müßten die 
Mütter jedoch bei 
der Kleidung ihrer 
Kinder immer im 
Auge behalten : An der Lenkstange. 
sie dürfen sie nicht 
von ihr abhängig machen. Es ist furchtbar für so ein 
kleines Geschöpf, durch beständige warnende Rufe wie: 
»Sich dich vor, daß dein Kleid nicht schmutzig wird!« 
Oder: »Paß doch auf deinen Anzug auf!« im Spielen 
gestört und dadurch um den ganzen Genuß gebracht zu 
werden. 
Die großen Menschen spielen ja auch, nur andere, 
weniger harmlose Spiele! Und wenn da immer einer 
dazwischenkäme und riefe: »Sieh dich vor, daß du dich 
nicht schmutzig machst!« so wäre ihnen das genau so un 
angenehm, wie es den Kleinen ist. Jedes Alter hat seine 
Vergnügen und seine Schmerzen, und da in der Jugend 
die Vergnü 
gen — Gott 
sei Dank! — 
noch im 
Übergewicht 
sind, sollen 
die Eltern 
ihren Kindern 
die Schmer 
zen, soweit 
ihnen das 
möglich ist, 
aus dem 
Wege räu 
men. Das Le 
ben ruft ihnen 
ja später noch 
genügend oft: 
»Sieh dich 
vor, daß du 
dich nicht 
schmutzig 
machst!« zu. 
Im Kinderzimmer. 
Photos: P. Semtecfie.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.