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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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und 
<3 trandamaz on e. 
Herbstritt. 
ihrem Schimmel 
steigt, schlüpft in 
einen schmiegsamen 
und weichen Mantel 
aus steingrauem Tapir 
leder und an Stelle des 
glänzenden breitrandigen 
Pannehutes tritt jetzt oft die 
flache Lederkappe, die in allen 
Farben hergestellt, kleidsam 
praktisch ist. 
ln letzter Zeit hat der Reitsport, 
der während des Krieges ja ganz darniederliegen 
mußte, wieder einen großen Aufschwung genommen, 
und die Zahl der Reiterinnen, die wir des Morgens 
den Tiergarten durchstreifen sehen, ist in ständiger 
Zunahme begriffen. Gewiß, es ist heutzutage sehr 
teuer, sich diesen elegantesten Sport leisten zu 
können, aber er gilt der Gesundheit für so zuträg 
lich, daß man vielleicht auf anderer Seite Arzt 
kosten spart. 
Die Frage, ob eine Dame im Herrensitz reiten 
soll, darf überhaupt nur von einer jungen gestellt 
werden. Der Anblick, ein »älteres Semester« mit 
gespreizten Beinen, fliegenden Rockschößen, hoch 
rotem Gesicht und fliehender Locke dahinstieben 
zu sehen, ist nicht schön. Dagegen kann es recht 
erfreulich sein, wenn ein junges, frisches, sattel 
festes Ding im Herrensitz mit dem Kavalier, dem 
es im elegant geteilten Rock, eine Perle in der Kra 
watte, an Eleganz nichts nachgibt, über die Felder 
galoppiert. — Frauen und Pferde verstehen ein 
ander. Seitdem wir Republik geworden sind, und 
keine Hof jagden mehr angesagt, werden, hat auch 
das für das weibliche Geschlecht nicht gerade 
Sympathie erweckende jagen hinter dem gehetzten 
Hirsch auf gehört. Aber wenn Frauen auch das Hohe- 
Schule-Reiten gut ansteht, das Waidwerk sollten 
sie den Männern überlassen. Es gibt gewisse 
Organe, die trotz Herrensitz durchaus weiblich 
bleiben müssen, und dazu gehört das Herz. Die 
Frau, die vom Pferd herabspringt und dem noch 
zuckenden Hirsch mit dem Jagdmesser die Ein 
geweide herausschneidet, um sie als blutige Tro 
phäe mit nach Hause zu bringen, erinnert zu sehr 
an die streitbaren Amazonen in Asien. 
»Sattelfest« kann eine moderne Frau ja sein, 
aber wenn sie doch einmal »aus dem Sattel rutscht«, 
dann muß sie auch in zwei Arme zu fallen ver 
stehen, die s;e festhalten und nicht wieder loslassen. 
Und dann . . ., ja dann wird 
sie zur Prinzessin Pantra aus 
Tausendundeiner Nacht, 
die mit dem Liebsten 
ihres Herzens auf be 
flügeltem Zauber- 
pferde durch die 
Lüfte reitet und 
alles um sich her 
um vergißt außer 
dem, der hinter ihr 
im . . . Sattel sitzt! 
Reitüostüm für Herrensitz aus Covertcoat. 
Photos: R. Snwecfie.
        
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