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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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ANGST 
Eine Tragigrotesße non T r a n h G ii n t h e r. 
I n der Stadt brennen schon die Laternen. Aber 
draußen in der Vorstadt liegen die Straßen im 
Halbdunkel des späten Abends. Einen einsamen 
Weg zwischen Laubenkolonien 
entlang kommt ein Herr, eine 
brennende Zigarre im Munde. 
Er ist in Gedanken und achtet 
nur flüchtig auf den Weg, um 
nicht zu stolpern. 
Plöjjlich sieht er auf. Ein 
Mensch kommt ihm entgegen, 
mit einem tiefen Hut und 
hochgeschlagenem Mantel 
kragen. Der Herr versucht, 
während er an ihm vorbei 
geht, ihm ins Gesicht zu sehen. 
Aber es ist zu dunkel. Er 
horcht mißtrauisch. Die Schritte 1 ? 
des andern verlieren sich in 
der Ferne. — — — Halt! 
Der andere ist stehen 
geblieben. Der*.Herr schreitet 
aus und lauscht dabei hinter 
sich, jetzt wieder Schritte in 
der Ferne. Aber sie kommen 
wieder näher. Trab, trab, 
trab. Der Herr faßt in die 
Tasche. Er nimmt die Schlaufe 
von dem Totschläger um die 
Hand (ein prima Lederknüp 
pel mit Bleieinlage von Berg- 
son & Co.) Man kann nie 
wissen: in dieser abgelegenen Gegend undv.im 
Dunkeln — —! Es lohnte sich zwar nicht. Er hat 
nur dreißig Mark und etwas Kleingeld bei sidi. 
Aber kann der andere das wissen?! Und dreißig 
Mark sind schließlich dreißig Mark. 
Die Schritte hinter ihm werden schneller. Der 
andere versucht ihn einzu 
holen! Der Herr dreht sich 
im Gehen um. Aber schnell 
wendet er sich zurück und 
reißt dieZigarre aus demMund. 
Um dem hinter ihm nicht durch 
ihr Glühen zu zeigen, wo er 
ist. Aber er hat doch in der 
Eile gesehen, daß der andere 
etwas Kurzes, Spitzes in der 
Hand hatte. Er nimmt den 
Totschläger aus der l asche 
und setzt sich in leichten Trab. 
Der hinter ihm auch! Trab 
trab, trabtrab, trabtrab. 
»Heda, Sie!« 
Der Herr rennt in großen 
Sprüngen, ohne sich umzu 
drehen. Er kennt diese Rufe. 
Angeblich hat er dann irgend 
etwas verloren, und wahrend 
er in den Taschen nachsieht, 
hat er das Messer im Leib. 
So leicht ist er aber doch nicht 
zu bluffen! Er rast die Straße 
entlang, immer überlegend, 
wie er am nächsten in belebte 
Gegenden kommt. 
Der andere hinter ihm keucht, 
aber er kommt näher, — näher, — er kann nur 
noch zehn Schritte hinter ihm sein. 
Da bleibt der Herr mit einem Ruck stehen, daß 
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rrud cichder' 
öouu. de Ccdogrte, TTZarfae: 
tffege/mher' 
dem dUogiusplatz/ 
Erhähtfich in aiTen einschhägigcn Geschäften, 
wo nicht vorhanden, weisen Bezngscjneifen nach. 
ihm der 
Wind den 
Mantel 
aufreißt. 
Er dreht 
sich um, 
schwingt 
den Schlä 
ger weit aus. 
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Überall zu haben I 
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