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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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DIE TITTI MIT DEM TOTO 
Von Ha n n s L o o s e r. 
S eit Wodien spradi man im Klub von keiner anderen 
Frau. DieTitti aus der Wunder-Bar war dasThema, 
bei dem man sdion nach wenigen Minuten landete, 
gleichgültig, wovon man vor 
her sprach. Sie war auch 
phänomenal. Blendend schön, 
rassig, geistreich und korrekt 
elegant. Und dabei liebens 
würdig zu jedem! D. h. um 
Mißverständnissen vorzu- 
beugen — sie war eine an 
ständige Frau. Keiner konnte 
ihr etwas nachsagen. Dieser 
oder jener wollte sie zwar 
schon in Begleitung da und 
dort gesehen haben, aber 
was will das schon sagen/ man kann doch trotzdem 
anständig sein. Wie das nun einmal so ist. Und 
schließlich — na, also sie war eben eine an 
ständige Frau. Neulich abends sprachen sie wieder von 
ihr und jeder der Herren 
enthüllte neue Vorzüge von 
ihr, die er aus einer 
näheren, ja sogar sehr 
nahen Bekanntschaft fest 
stellen konnte. Und dabei 
machte jeder ein geheimnis 
volles Gesicht. — Als der 
Klub geschlossen wurde, 
verabschiedeten sie sich von 
einander mit dem Bemerken, 
sie gingen nach Hause, 
Und nach einer halben 
Stunde — trafen sich die 
beiden wieder wohlbehalten 
in der Wunder-Bar. Titti 
war, wie üblich, schon lange 
da und saß auf ihrem Vor 
zugsplatz, dem hohen Stuhl 
an der Theke. Dort thronte 
sie wie eine Königin und 
kokettierte wie unabsichtlich 
mit ihren königlichen Beinen. 
Sie war seit einigen Tagen 
in schlechter Laune. Es 
war auch ein schweres 
Rechenexempel, den guten 
Ruf, den sie nun einmal 
hatte, auf eine gesunde 
Basis mit ihrem derzeitigen 
etwas sehr »geplatzten« 
Dasein zu bringen. Und 
während jeder der Herren 
sich bemühte, sich ihre Gunst besonders zu erringen, 
suchte sie eine Lösung aus dem Dilemma, Da plötzlich 
hatte sie sie gefunden, und mit einem verführerischen 
Lächeln wandte sie sich an 
die Schar ihrer Verehrer: 
»Meine Herren, ich habe es 
bisher immer abgelehnt, mich 
von einem von Ihnen nach 
Haus bringen zu lassen. Ich 
bin in guter Stimmung, das 
soll jetzt anders werden. 
Aber wir wollen die Sache 
recht lustig machen. Sie 
sollen jeden Abend wetten, 
wer an der Reihe ist. Sie 
schreiben den Namen auf 
einen Zettel und geben die Zettel einzeln mit dem 
Wettbetrag dem Portier, als Unparteiischem. Ich schreibe 
auch einen Namen, und wer richtig geraten hat, be 
kommt das Geld der anderen.« Freudig griffen die 
fünfzehn Herren zu, und 
wetteten nun regelmäßig 
auf — sich selbst. Und 
jeden Abend hatte nun 
einer das Glück, Titti nach 
Haus begleiten zu dürfen 
und noch Geld zu ge 
winnen. 
Daß regelmäßig, wenn 
Titti mit einem der Kavaliere 
zu Haus ankam, irgend 
jemand von der Portier 
familie, die das Haus be- 
treute,einen Hund spazieren 
führte, das erzählte keiner 
dem anderen. Denn nicht 
einer wollte eingestehen, 
daß gerade seine Begleitung 
ein so vorzeitiges Ende 
nehmen mußte. Und wurde 
er gefragt, wie es war, so 
kniff er ein Auge zu 
und sagte orakelhaft: Ein 
Gent genießt und schweigt! 
Bis einem von ihnen 
eines Tages auffiel, daß 
die ausgezahlte Quote in 
keinem Verhältnis zu der 
mutmaßlichen Wettsumme 
stand. Und als er selbst 
an einem der nächsten 
Abende Favorit des Tages 
<oder der Nacht?) war 
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