Path:

Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

8 
Theater 
D ie sommerliche Lethargie, die über dem 
Theater gelegen hat und durch die unge 
heure Hi^welle nicht gerade abgeschwächt wurde, 
beginnt sich zu lösen. Hier und da regt sich schon 
wieder ein Streben, das auf beginnende Saison 
arbeit hindeutet. Die Exl-Bühne, die gottlob 
endlich bewiesen hat, daß Bauerntheater nicht 
roher Ulk und nicht sentimentale Kitscherci zu 
sein braucht, sondern Kunst sein kann, bricht 
ihre Zelte ab. In den Kammerspielen ist Leonid 
Andrejews Drama »Der Herr, der die Maulschellen 
kriegt« zu Anfang vor leeren, dann vor immer 
volleren Häusern gespielt worden. Ein Bajazzo 
drama, wie es viele gibt, aber von fcinziselierender 
Dichterhand gemodelt. Eugen Klopfer hat es 
wohl nicht für nötig befunden, hier sein Bestes 
zu geben, aber auch, wenn er sich nicht anstrengt, 
überragt er den Durchschnitt seiner Kollegen um 
Haupteslänge. Wunderbar wie immer war die 
Hermine Sterter in „Der Herr, der die Maufsdielten kriegt". 
Phot.: Zanefer & La Bisch. 
- R e v u e 
Hifde Lampe afs „ Diefenhcxe 
Leistung des Fräulein Hermine Sterler. 
Hoffentlich hatnachdieser schauspielerischen 
Tat — ich weiß, das ist ein großes Wort und 
spreche es doch gelassen aus — endlich 
einer unserer verehrten Herren Direktoren 
den Mut, diese Frau, das stärkste Theater 
talent der lebten fahre, fest an sich zu 
ketten. Wenn ich sage: das stärkste 
Theatertalent, so ist das cum grano salis 
zu verstehen. Denn Hermine Sterler kann 
eines nicht, und das ist das Wichtigste am 
Theater: die Reklametrommel schlagen. 
Vielleicht ereignet sich das Wunder, daß 
sie trotzdem durchdringt. Vielleicht. 
Audi Rotters regen sich. Wie immer 
mit Halbliteratur. Arno Holz’»Traumulus« 
aufzuführen, ist aber sdion deshalb ver 
dienstlich, weil damit einem der stärksten 
deutschen Dichter, dem es elend geht.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.