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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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wieder in hervorragender Form sind, keine Möglichkeit haben, 
sich mit den führenden Ausländern zu messen. 
Unter den Damen ist die Französin Mlle. Suzanne Lenglen 
ohne ebenbürtige Gegnerin. Seit Jahren schlägt sie alles, was sich 
Jockei O. Scfmu'dt auf Ossian. 
Pßot.: A. Groß. 
ihr entgegenstellt, mit grober Überlegenheit. Sie ist die Schöpferin 
des neuen Stils im Damen-Tennis, der sich dadurch von der alten, 
vorzugsweise englischen Methode unterscheidet, daß er die großen 
Möglichkeiten des Spiels durch Laufen und Kraftaufwand viel mehr 
ausschöpft, als es bisher bei Damen üblich war und auch als ge 
schmackvoll galt. Sie spielt sozusagen wie ein Mann, ln den 
beiden Weltmeisterschaften für Damen erfocht Mlle. Lenglen denn 
auch leichte Siege. Es müßte ein großer sportlicher Genuß sein, 
sie einmal gegen unsere deutsche Meisterspielerin Frau Dr. Fried 
leben kämpfen zu sehen. 
ln der Reichshauptstadt hat dieser l äge die Große Spiel- und 
Sport-Woche mit Erfolg für den sportlichen Gedanken Propaganda 
gemacht. Ruderer, Schwimmer und Leichtathleten, Radfahrer und 
Schwerathleten stellten sich in den Dienst der Idee und zeigten 
wieder einmal, welch gewaltigen Aufschwung der Sport jeder Art 
bei uns in den lebten Jahren genommen hat. Gelegentlich dieser 
Sportwochc haben übrigens auch Amateur-Boxkämpfe stattge 
funden, die eine ausgezeichnete Demonstration dieses männlichen 
Sports darstellten, der neuerdings immer mehr festen Fuß bei uns 
faßt. Sogar Jugendliche haben sich in der edlen Kunst der Selbst 
verteidigung gemessen. Vielleicht mögen nun hier und da Stimmen 
laut werden, die gegen das Boxen von Jugendlichen, deren Körper 
noch in der Entwicklung begriffen sind, Einspruch erheben. Man 
wird die Berechtigung dieses Einspruchs anerkennen müssen, soweit 
Kämpfe bis zur 
Kampfunfähigkeit in 
Frage kommen. Der 
Organismus junger 
Leute unter 18 Jah 
ren ist in den mei 
sten Fällen noch nicht 
so gefestigt, um harte 
Schlage, vor allem ge 
gen Brust und Kopf, 
wie sie ja im ernsten 
Treffen unvermeid 
lich sind, ohne Scha 
den für die Gesund 
heit vertragen zu 
können. Deshalb wer 
den die Verantwort 
lichen sicherlich da 
für Sorge tragen, daß 
die Jüngeren ledig 
lich solche Kämpfe 
ausfechten,bei denen 
nicht der entschei 
dende Niederschlag, 
sondern einzig und 
allein dieTechnik ge 
wertet wird. Ge 
schieht dies, so ist 
gegen das Boxen 
Jugendlicher nichts 
einzuwenden. Der 
Faustkampf ist eine 
so feine, vollendete, 
für die Entwicklung 
männlicher Eigen 
schaften so wichtige 
Kunst, daß man bei 
der Ausbildung des heranwachscnden Geschlechts nicht auf ihn 
verzichten sollte. Wir brauchen harte, selbstbewußte, fest im 
Leben stehende Männer mehr denn je zuvor; sie zu schaffen, ist 
der Boxsport ein vorzügliches Mittel. Die Kämpfe bis zum Nieder 
schlag, in denen es hart auf hart geht, überlasse man der älteren 
und stärkeren Jugend, die mit kräftig entwickeltem, ausgereiftem 
Körper über die nötige Widerstandsfähigkeit verfügt und die 
Grenzen ihrer Kraft besser zu beurteilen vermag, als der physisch 
und psychisch noch unreife »Junge«. 
if 
i 
t. 
Ein efeganter Rückfmmfschfag 
des bekannten Tennisspiefers Taihe. 
Phot.: R. Sennecfie. 
Ein JugendBoxhampf. 
Phot.: W. Girdte. 
Im Rennsport ist trotj der sommerlichen Hitje 
kein Stillstand eingetreten. Im Derby begann der 
Siegeszug des Stalles Weinberg. Mit Omen und 
Ossian belegten die Frankfurter Züchter die ersten 
Pläf^e, während Graf Fcrry für das dritte Geld von 
Perikies geschlagen wurde. Omen wurde dann nach 
Dortmund zum Großen Preis von Westfalen ge 
schickt, wo er die Überlegenheit des Oppenheimers 
Wallenstein anzuerkennen hatte. Allerdings ent 
sprach die Strecke von 1800 m durchaus nicht den 
Fähigkeiten Omens, der als großer Steher längere 
Wege braucht. 
Im Großen Preis von Berlin im Grunewald trat 
der Stall mit Ossian und Laland an; beide Pferde 
endeten vor Nubier auf den ersten Plätzen. Nubiers 
bestes Laufen kann dies allerdings nicht gewesen 
sein, da dieser im Vorjahre noch turmhoch über 
Laland stand. Immerhin haben Derby und Großer 
Preis das Urteil über unsere Dreijährigen nach der 
guten Seite hin korrigiert. So ganz schlecht können 
Pferde, die Rennen vom Range dieser beiden in 
Rekordzeiten gewinnen, denn doch nicht sein. 
Zudem steht noch der ungesdilagene Ordensjäger 
in Reserve. Dieser Lewinsche Hengst hat jetjt als 
Hauptaufgabe die Ende August stattfindenden 
Rennen in Iffezheim vor sich. Dort kann er zeigen, 
ob er wirklich unser bester Dreijähriger ist. Iffez 
heim voraus gehen die Reimen in Köln a. Rhein 
und in Frankfurt a. M. und vor allem Anfang 
August die Große Hannoversche Sportwoche mit 
ihrer Fülle hochwertiger Entscheidungen.
        
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