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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

SPORTLICHE SOMMERTREUDEN 
~\ya 
Wsi 
Von Ha 
n n s 
enn die gefürchteten Hundstage bevorstelicn, und die Queck 
silbersäule in unserem Thermometer liöher und höher zu steigen 
beginnt, lechzt auch der widerstandsfähigste Sportsmann nach 
Kühle und Erfrischung. Wenn sein Geldbeutel es ihm gestattet, 
fährt er auf einige Wochen an die See, um vielleicht an einem 
der Bäderturniere in Swinemünde, Heringsdorf oder Heiligendamm 
teilznnehmen; ist er Segler, so kommt ihm die Pommernwoche 
gerade recht oder, ein wenig später, die Regatten vor Travemünde. 
Auf der blauen See, an Bord einer flinken Kreuzerjacht, kann man’s 
in diesen heißen Tagen schon aushalten. 
Aber auch im Binnenlande hilft uns der Sport über die Hunds- 
tagshitje hinweg. Dem Wanderruderer zum Beispiel kann es 
gar nicht heiß genug sein. Brennt die Sonne hernieder, als wolle 
sie auch die Rinde unseres Planeten zum Schmelzen bringen, dann 
ist er schnell mit kühnem Sprunge im Wasser und kann sich im 
kühlen Element tummeln, bis die Temperatur wieder erträgliche 
Grade angenommen hat. Zwischendurch wird er sogar noch ein 
Sonnenbad nehmen, damit sein Körper die prächtige, von den 
blassen Städtern so bewunderte Patina erhält. So sieht man denn 
gerade in diesen Tagen die Flußläufe und Seen in der Umgebung 
Berlins von zahllosen Tourenbooten belebt, darunter auch vielen 
Kanus, die mit ihrer schlanken, schnittigen Form dem Landschafts 
bilde ein malerisches Ge 
präge geben. 
In der Großen Krampe 
bei Schmöckwitz fanden 
dieser Tage sogar die 
Berliner Kanu-Meister 
schaften statt, die zahl 
reiche Teilnehmer und 
ein ebenso zahlreiches 
Publikum herbeige- 
löckt hatten. Nun 
liegt aber der eigent 
liche Wert des Kanu 
sports nicht im 
Wettkampf, wenn 
gleich dessen wer 
bende Kraft keines 
wegs unterschätzt 
werden soll, son 
dern in der 
\ Wanderruderei. 
Das kanadische 
Kanu, das ja 
nun auch in 
Deutschland 
V 
in mancherlei 
Spielarten 
hergestellt 
wird, bietet 
Phot.: P. Scnm'ihc. ' ' dem, der 
unser herr 
liches 
Ström 
end Seengebiet darin befährt, geradezu idealen Sport. Für den 
Wissenden bedeutet der Begriff »Sport« ja nicht nur Wettkampf, 
sondern auch Genießen der Natur. Und wo könnte man sidi 
an den unvergänglichen, immer wieder frischen Reizen der Natur 
besser erfreuen als auf einer beschaulichen Wanderfahrt im Ruder 
boot oder im Kanu. Da steht man mit den Hühnern auf und 
gleitet auf dem schlanken Fahrzeug in den lachenden Sommer 
morgen hinaus, das rauchende Häusermeer der Stadt und die 
Sorgen des Alltagslebens hinter sich lassend. Golden scheint die 
Sonne hernieder und bräunt Arme und Antlitz; von flacher Ufcr- 
stclle aus wird schnell ein erfrischendes Bad genommen, dann geht 
die Fahrt weiter. Für die Mahlzeiten sorgt der Inhalt des Proviant 
korbes, der im Boot verstaut ist; ein einfaches Gericht sowie Thee 
oder Kaffee sind schnell auf dem Spirituskocher zubereitet und 
munden köstlich. Die Abendstunden sind der Rast vor dem 
mitgenommenen, in wenigen Minuten abgeschlagenen Zelt ge 
widmet; bei fröhlichem Plaudern vergeht die Zeit im Fluge; das 
gefiederte Völkchen im nahen Walde und die Frösche auf dem 
See, dessen Wellen leise plätschernd auf den üferrand schlagen, 
sorgen für stimmungsvolles Nachtkonzert. Gern geht man dann 
zur Ruhe, ist doch morgen auch noch ein Tag. 
Schon heute zählt der deutsche Kanusport Zehntansende von 
Anhängern, und täglich wird ihre Schar größer, war doch die 
Sehnsucht nach der freien Natur nie größer, als in unseren Tagen, 
G o t e n i n s. 
P. SctVU'CKC. 
in denen der zermürbende Kampf ums Dasein schärfere Formen 
angenommen hat, als je zuvor. 
Die Weltmeisterschaften im Tennis sind kürzlich entschieden 
worden. Bekanntlich gibt es zwei solcher Meisterschaften, solche 
auf Hartplätzen, wie sie 
auf dem Festlande all 
gemein üblich sind, 
und solche auf 
Grasplätzen, wie 
sie seit alters 
her in Eng 
land verwen 
det werden. 
Nadi dem 
»Lawn« 
(Rasen' 
hat ja das 
Lawn- 
Tennis 
auch sei 
nen Na 
men. Die 
Weltmeis 
terschaft 
auf Hart 
plätzen kam 
Ende Mai bis 
Anfang Juni in 
St. Cloud bei Pa 
ris zur Entscheidung, 
diejenige auf Gras 
plätzen Anfang Juli in 
Wimbledon bei London. Die Sieger in der Kamtregatta 
Beide wurden von dem bei Scümöcfuvitz. 
Amerikaner W. T. Tilden ge 
wonnen. Während dieser aber 
in St. Cloud keinen ernstlichen Gegner fand und leicht ge 
wann, stieß er in Wimbledon auf den jugendlichen Süd 
afrikaner B. J. C. Norton, der ihm einen unglaublich zähen 
Kampf lieferte, ans dem Tilden erst nach fünf Sätzen als 
Sieger hervorging. Der Kampf, der auf dem berühmten 
»centre-court« stattfand, erregte gradezu Sensation, denn Norton 
gewann die beiden ersten Sätze ziemlich glatt mit 6:4, 6:2; 
dann raffte Tilden sich zusammen und sicherte sich die beiden 
nächsten Sätze mit 6:0, 6:1. Der fünfte Satz sah einmal Norton 
schon mit 5: 4 in Front, dann riß Tilden 
sich aber zusammen und gewann 
schließlich mit 7; 5. Tilden, ein 
großer, breitschultriger, aber 
schlanker Mensch, beherrscht das 
Spiel bis zur Vollkommenheit; 
er spielt mit großer Kraft, 
schneidet seine Bälle aber 
fast stets und ist dabei 
am Netz ebenso gut 
wie auf der Grund 
linie. Es ist be 
dauerlich, daß un 
sere deutschen 
Meister wie 
Froitzheim 
und Kreuzer, 
die gerade 
in diesem 
Jahre 
PhOt.; 
P. Scnttccfte. 
Der Weftmeister W. 7. Tifden.
        
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