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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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Der engfische Botschafter LorchD’Ahcrnon in Heringstforf. 
all diese Menschlein dem feuchtfröhlichen Zauber der 
Gegenwart hin. Ob alt, ob jung, alle sind wieder 
Kinder,alletollenundkat5balgensich,ergeben sich in 
lustigen Spielen in diesem großen Reiche Neptuns, 
das von einem zartblauen Himmel gekrönt wird. 
Ich lege mich auf den Rücken und lasse midi 
von den Wellen treiben, weit hinaus, und die 
Wellen tragen mich zärtlich wie Mutterarme. 
Inzwischen liegt ein Teil der Badegäste 
ausgestreckt im Sande und 
läßt den Körper von der 
Sonne braun braten, wäh 
rend andere promenieren 
und kokett die Schönheit 
und Grazie ihrer Körper 
leuchten lassen. Welch eine 
Modeschau hier an Bade 
anzügen, Mänteln, Kappen 
und Pyjamas. Damen tragen 
vorwiegend das Trikot, nur 
wenig sind die vielgeprie 
senen Badeanzügezusehen. 
Vereinzelt tauchen welche 
aus Rohseide oder I aft mit 
kurzem Röckchen oder 
langer Bluse, bänderbese^t, 
oder mit breiter Sdiärpe 
umgürtet auf. Im allge 
meinen triumphiert dasSei- 
dentrikot, das sich wie eine 
Schlangenhaut an sdilanke, 
ebenmäßig gebaute Körper 
schmiegt. Dazu wird der 
Badeschuh mit hoher Ver 
schnürung und eine passen 
de Badekappe aus imprä- 
gniertemStoff oderGummi 
getragen.Frauenjedoch,die Na:f dem B(](fe _ 
von der Natur mit einer übermäßigen Fülle gesegnet sind, 
sei der komplette Badeanzug auf jeden Fall angeraten. 
Ein weites Feld für die Betätigung von Eleganz und 
modisdier Laune bieten in diesem fahre die Bademäntel 
resp. das ärmellose Cape. Da sieht man große leuchtende 
Blumen oder exotische Vögel in den seltsamsten Farben 
spielen. Vielfach zeigen die Mäntel breite Streifenbahnen, 
die von der diesjährigen Kostümmode übernommen 
worden sind. Entzückend wirken die bunten, japanischen 
Schirme, die der Dame die letjte Folie geben. 
Die Herren haben vorwiegend schwarze Trikots und 
weite, flauschige Frotte-Mäntel mit buntem Besatj. Hie 
und da sitjt der Herr der Schöpfung im seidenen bunten 
Pyjama Zigaretten rauchend im Strandkorb. - Es ist sehr 
heiß geworden, träge und apathisch schieben sich die 
Wellen an den Strand und auch die Menschen dämmern 
leise dahin, wohlig ausgestreckt geben sie sich sonnen 
hungrig einer göttlichen Faulheit hin. Kinder spielen am 
Ufer und suchen Muscheln und bunte Quallen, bauen 
Burgen, die das Wasser bei stärkerem Anstoß niederreißt. 
Nebenan erschallt ein leises Kichern: Ein junger sonnen 
verbrannter Mann ist bemüht, ein kleines neben ihm lie 
gendes Mädel im Sande zu vergraben, so daß der schwel 
lende Körper einer Mumie gleicht,—ein Zucken der Glieder, 
und die körnigen Massen kommen in rieselnde Bewegung. 
Leise neigt sich die Sonne tiefer und läßt das Wasser 
in rotgoldenem Glanze erleuchten. Die Luft ist etwas 
kühler geworden. Männlein und Weiblein ziehen 
sich in ihre Hotels zurück, um sich für den Abend 
umzukleiden. 
Langsam glänzen die Hotel- 
fassaden auf. An kleinen 
Photos: A tfantic. 
runden Tischen der Kasino 
terrasse sit>en die Bade 
gäste in breiten Korb 
sesseln im Evening-Dreß 
und soupieren. Kleine 
bunte Lampen stehen auf 
den Tischen und geben 
dem Gesamtbild einen 
eigenen Zauber. Die Da 
men tragen vorwiegend helle 
Abendkleider und leichte 
Seidencapes, die sie lose 
um die Schultern gelegt 
haben. Brillanten funkeln 
und blitzen. Die Herren 
bewegen sich im dunklen 
bakko, vereinzelt auch im 
Smoking oder Frack und dazu 
den sommerlichen, festen 
Strohhut. An den Tischen vor 
bei wogt die Abendpromenade 
in den extravagantesten Toi 
letten. Viele Ausländer, kleine 
Pariserinnen, hochgewachsene 
Amerikanerinnen, die die günstige 
Valuta in deutsche Seebäder 
gelockt hat. Gedämpft ziehen 
orientalische Klänge über das 
Wasser. Auch in den kleinen 
Gärten der Strand-Cafes 
spielen Kapellen, deren 
Töne die klare Luft aufs 
Meer hinausträgt, in dem 
sich die hellen Lichter der 
Terrassen und Gärten 
widerspiegeln. 
Liffy P.
        
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