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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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Zwei Richtun- 
gen machen 
sich bemerk* 
bar: Männer 
wie, Byron, 
Vaerst, Stend- 
hat Balzac, 
Barbcy d'Au- 
revilly u. a. 
sind theoreti- 
sehe Dandys 
gewesen.denen 
gegenüber das 
praktische 
Dandytum nur 
wenige Ver- 
treter aufzu» 
weisen hat. 
George Brum 
mei war das 
Urbild des 
praktischen 
Dandytums, 
Nach ihm sind 
vielleicht nur 
noch Fürst Pückler, Eduard VH. und Oskar Wilde zu 
nennen, die aber bei weitem nicht an Brummei, den 
König der Dandys, heranreichen. 
Und lebt der Typ des Dandys auch noch in unserer 
Epoche fort? Vielleicht — vielleicht auch nicht. Jeden 
falls hat dieser Menschentyp eine ganz neue, uns nicht 
erkennbare Nuance angenommen, und zum allergrößten 
Teil schuld daran ist — der Sport. — — 
Die Dandys der Vergangenheit waren 
zum großen Teil Gegner aller Leibes 
übungen, »bei denen man sich«, wie Beau 
Brummei sagt, »heftigen Bewegungen 
aussetzt, die die Kleider in Unord 
nung bringen«. Die Zurschaustel 
lung von Boxern und Ringern 
wurde von den führenden Männern 
der Gesellschaft als sehr gewöhn 
lich und nur für die rohe 
breite Masse des Volkes ge 
eignet angesehen. Es er 
regte sogar großes Befrem 
den, als Lord Seymour 
sich einen eigenen Fecht- 
und Turnsaal einrichtete. 
Seltsam ist es, daß ge 
rade von England, das 
die größten Vertreter 
des Dandytums auf 
weist, auch der Sport 
ausging, den ursprüng 
lich der Dandysmus ver 
neinte. 
Das Ideal der Elegants 
von heute ist 
nicht mehr die 
distingierte 
Erscheinung in 
Vatermördern 
mit dem blei 
chen gelang- 
weiltenGesicht 
und in der un 
geheuren Kra 
watte, unter 
der Hals und 
Kinn ver 
schwinden.Das 
gerade Gegen 
teil : braunge 
branntes Ant 
litz, breite 
Schultern, 
straffe, aber 
doch elegante 
Haltung sind 
das Ideal des 
elegantenMan- 
nes up to date. 
Vielleicht könnte man sagen, daß sich das Dandy 
tum überlebt hat, vielleicht aber auch, daß der Sport 
den Dandysmus veredelt hat und somit eine ganz 
neue Nuance des Dandytyps — den Gentleman — 
gesdiaffen hat. Die meisten Regeln über Kleidung und 
Lebensführung jedenfalls hat der Gentleman von heute 
von dem Dandy von gestern übernommen. So gelten 
noch heute Beau Brummeis Worte: »Ein 
gutgekleideter Mann darf nie auffallend 
wirken.« Die Kleidung des Mannes von 
Welt ist einfach, sogar sehr einfach ge 
worden. Am Tage der bunte Sakko, 
am Abend der Smoking oder auch der 
schwarze Sakko. Daneben der Sport 
anzug, der die Ästhetik des 
Zweckmäßigen betont und dem 
Mann von Welt eine gewisse 
ungezwungene Note verleiht. 
Im Sattel, im Flugzeug, 
im Boot, im Automobil, 
auf dem Tennisplatz, bei 
der Jagd, beim Ringen, 
Boxen, Schwimmen oder 
auf der Aschenbahn 
stählt der Lebenskünstler 
unserer Tage seine Ener 
gie, die ihn befähigt, sich 
über den Rhythmus des 
Alltagslebens hinauszu 
heben und mit Haltung 
eine Zeit zu ertragen, 
deren Moral jede Ele 
ganz verneint.
        
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