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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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Zwischen der 
Geisterstunde 
letztem Schlag und 
des neuen Tages 
erstem Atemzug, 
in den allerver- 
schiedensten Le 
benslagen, ist er 
ein sicherer Protek* 
tor ihrer Hand, 
dieses Körper- 
teiles,der mehr als 
irgendein anderer 
durch das Auf 
und Ab des täg- 
c liehen Lebens in 
x Anspruch genom 
men wird, dem 
entsprechend lei 
det und der Pflege 
bedarf,unddasins s 
besondere dann, 
wenn eine Frau 
ihre Tage nicht in tatenlosem Dämmerzustände verbringt — 
sei es aus Muß, sei es aus Neigung — wie eine orientalische 
Haremsdame. 
Es gibt Frauen, die ziemlich viel Hausarbeit verrichten 
und uns trotzdem durch den Anblick durchaus »damen 
hafter« Hände erfreuen, während andere trotz sehr geringer 
Leistungen das Gegenteil fertigbringen. Das ist ein 
Mangel an innerer Kultur, ein Beweis von Nach 
lässigkeit und Energiemanget. Sicherlich gibt es Hände, 
die von Natur sehr empfindlich sind und keine Strapaze 
vertragen, während sich andere sozusagen einer 
unverwüstlichen Konstitution, vielleicht gar Schönheit, 
erfreuen. Im ersten Fall muß doppelte Sorgfalt das Übel 
bekämpfen und der Handschuh ist bei jeder Hausarbeit 
unentbehrlich. Ich kannte eine geradezu fabelhaft elegante 
Frau mit selten schönen Händen. Sie liebte es, sich in 
ihrem Garten zu beschäftigen und auch den reichen Blumen 
schmuck auf ihrer großen Veranda persönlich zu besorgen. 
Sie konnte Rosen beschneiden und binden ohne jegliche Ge 
fahr für ihre herrlichen Hände — denn nie tat sie es ohne 
Handschuhe, sie saß überhaupt nie ohne Handschuhe im 
Garten,denn sie war auf die Weißheit und 
Weichheit der Haut ihrer Hand ängstlich 
bedacht, und erhielt sie bis ins hohe Älter. 
Ein Kapitel für sich ist der Sport 
handschuh. Es scheint unmöglich zu 
sein, das Tennisrakett mit behandschuhter 
Hand zu gebrauchen - wenigstens sah 
ich es noch nie, mit andern Sportarten 
ist der Handschuh um so unzertrennlicher 
verwachsen, und dann in seiner Klein 
heit ein Kriterium für die Eleganz des 
Sporttreibenden. Geradezu mit Wehmut 
sieht man es, wenn eine Reiterin Baum- 
wollhandschuhe oder verzogene, ver 
waschene Waschledcrhandschuhe trägt,- 
dafür gibt es keine Entschuldigung, 
Wenn es die pekuniären Verhältnisse 
gestatten, sich der edelsten aller Sport 
arten hinzugeben, dann müssen sie auch 
den Ankauf angemessener Handbeklei 
dung gestatten. Der Einwurf, »diese 
Kleinigkeiten verteuern den Sport allzu 
sehr und würden seine Ausübung un 
möglich machen« — ist keiner Antwort 
wert, er ist übergeschmacklos. 
Zeichnungen von Lilian v. Suttner. 
Zum Kos 
tüm jeglicher 
Art, ausge 
nommen, wenn 
es aus Seide 
ist oder reich 
mit Seide kom 
biniert, passen 
am besten die 
derben Hand 
schuhe mit ge 
laschten Näh 
ten, gleichviel, 
aus welcher 
Lederart, 
gleichviel, ob 
weiß oder in 
irgendeiner 
grauen oder 
bräunlichen Nuance <es steht hier eine reiche Nuancen 
wahl zu Gebot,' von den hellsten bis zu den dunkelsten 
Tönen), gleichviel,ob farblich zum Handschuhleder passend, 
oder abstechend gesteppt. Zum Kostüm, zum Kittelkleid 
und auch zum straßenmäßig gehaltenen Cape — das die 
Kostümjadce ersetzt — passen auch die diversen neuartigen 
Stulpenhandschuhe mit und ohne Fransen, mit Inkrusta 
tionen aus abstechendem Leder auf den Stulpen oder gar 
mit Stickerei. — A propos — finden Sie diese Phantasie 
handschuhe wirklich elegant? Unübertrefflich für modernes 
Geschmacksempfinden ist der Schlupf handschuh. Ich glaube, 
man wird nie einen Handschuh finden, der ihn an unge 
zwungener,selbstverständlicherEIeganz übertreffen wird. Er 
hat etwas »Interimistisches an sich, und das soll der Hand 
schuh meinem Empfinden nach haben. Unter keinen Um 
ständen darf er an eine Zwangsjacke gemahnen, die anzu 
legen eine umständliche Prozedur ist, er muß mit Leichtig 
keit, im Augenblick, an- und abgestreift werden können. 
Aus diesem Gedanken heraus entwickelte sich die Mode, 
sogar den zum knöpfen eingerichteten kurzen Handschuh 
offen zu tragen. Das zu tun sähe natürlich komisch 
aus, wenn der Handschuh knapp anläge. Die Form des 
kurzen Schlupfhandschuhes paßt zu jeder Kleidform, nicht 
aber die Art der Ausführung. Alle gelaschten derben 
Handschuhe sind die eleganteste Beigabe des Kostüms 
oder wollenen Kittelkleides, des Leinen 
kleides, der sportlichen Adjustierung, 
Handschuhe aus zarterem Leder, die 
des Nachmittags- und Abendanzuges. 
Zu den weit ausfallenden, langen 
Ärmeln sehr verschiedener Gestalt wird 
eine Frau, die sich wirklich elegant 
anzieht, nie , einen andern als den 
Schlupfhandschuh tragen, natürlich in 
sehr mäßiger Länge. Zum kurzärmeligen 
oder ärmellosen Kleid gehört der den 
Ellbogen überragende Handschuh. 
In Paris versucht man eine Neuheit 
zu lancieren, und zwar den Zwei- 
knopf-Handschuh zum bloßen Arm. 
Es sdieint, daß Madame Lauvris, 
die Besitzerin des gleichnamigen großen 
Pariser Modesalons, sich für diese Mode 
einsetzt. 
Man sah sie kürzlich in der 
Loge im Theater mit ganz kurzen, 
schwarzen Handschuhen mit perfo 
riertem Rand, auf dem einen Finger 
trug sie auf dem Handschuh einen 
Riesenbrillanten.
        
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