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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

Emmi 
Denner 
in 
Wiesbaden. 
und mit noch fabelhafteren 
Toiletten seihst auf die ver 
wöhntesten Frauen einen re 
volutionierenden Eindruck 
machen. Du kommst in 
Berlin an, wechselst, wie sich 
das schickt, dein Jägerhemd 
und stürzest ins Theater, um 
— sagen wir mal Frau Du- 
rieux oder die Eysoldt oder 
Wcgener oder sonst eine 
Kanone über die Bretter 
schreiten zu sehen. Du traust 
deinen Augen nicht: auf dem 
Zettel steht statt Durieux, 
Fräulein Schott-Müller aus 
Kottbus als Gast, statt We- 
gener Herr Klein-Schulze aus 
Aschcrsleben als Gast, und 
in der Operette findest du 
statt Alice Hechy Fräulein 
Viktoria Zigama vom Staats- 
theater in Heu-Tomischl. 
Weinend gehst du nach Hause 
THEATER 
HAT RUH 
Pßot 
Rem/ 
A rmer Provinzler.der 
L du dich auf die 
teure Eisenbahn gesetzt 
hast, um in den Sommer 
monaten in Berlin Kunst 
zu kneipen! Du hast 
so viel gehört und in 
deinem Blättchen gele 
sen vom Deutschen The 
ater und I.essingtheatcr 
und vom Großen Schau 
spielhaus, auf der ande 
ren Seite von den vielen amüsanten 
Operetten, und dein illustriertes Blatt 
hat dir im Bilde die Künstler gezeigt, 
die die fabelhaften Gagen beziehen 
Im Hernst. 
Wartet nur 
und beschließt, die Brust voll Groll gegen den bösen Theater 
direktor, nie wiedar im Sommer zum Kunstgenüsse nach Berlin 
zu reisen. Was bist du für ein Unmensch! Weißt du, was es 
für einen Menschen von Geist, von Temperament, von Talent — 
und das sind letzten Endes unsere kleinen und größeren 
Größen auf den Brettern alle — weißt du, was es 
bedeutet, den Winterund einenTeil des 
Sommers hindurch vor 
mittags fünf Stunden zu 
proben und abends zu 
spielen? Es sieht sich 
so lustig an, dieses The 
atergewerbe, und es wird 
so viel Geld dabei verdient, nicht ge 
rade beim Theater, sondern beim allein 
seligmachenden Film, aber heute ist 
ja das Iheater, von der Finanz 
seite aus gesehen, für unsere 
Sterne fast nur die Brücke aus 
den Statistenniederungen zum 
goldenen Filmdorado. Aber 
was es an Kräften frißt, wie 
viele blühende Frauenjugend, 
wieviel strotzende Mannes 
kraft in einem einzigen Jahre 
dabei zum Teufel geht, das 
wissen die wenigsten. Nie 
mand, vielleicht mit einziger 
Ausnahme eines großen Bör 
sianers, bedarf der Erholung, 
der völligen Ausspannung so 
dringend, wie die Leutchen 
vom Theater. Gönne ihnen 
die Ruhe am Meere, mein lie 
ber Provinzler, neide ihnen 
die wenigen Wochen im Ge 
birge und auf dem Land nicht, 
und wenn du sie wirklich, nur 
sie, sehen willst, dann komme 
im Herbst. utgo. 
Emmi 
Sturm 
weift in 
Zoppot. 
Lander so 
Laßiscß. 
8 
Mifcfe VPörner auj einer Autotour.
        
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