Path:

Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

4 
Photos: Scnnedke. 
Baronin Litton Maxwelt 
Willstire wurde Schauspielerin. 
Die Baronessen Muriel und Adelaide Oattes 
verdienen ihren Leßensunterhafr als Titm- 
schau Spielerinnen. 
so rauschenden Erfolg, daß ihr 
fernerer Lebensweg, wenigstens was 
die pekuniäre Seite anbetrifft, ge 
sichert sein dürfte. 
Auf einem praktischeren Gebiete 
betätigt sich die frühere Multi- 
rnillionärin, Mrs. Charles Oelrichs, 
die eine von den »Vierhundert« war 
und heute mit dem Rest eines durch 
falsche Spekulationen verlorengegan 
genen Vermögens auf dem Broadway in Neuyork ein 
Parfümeriegeschäft eröffnet hat. Da steht die einst so be 
güterte Dame hinter dem Ladentisch, der mit kostbaren ge 
schliffenen Kristallflacons und Puderbüchsen bedeckt ist, und 
bietet Bekannten und Unbekannten köstliche und kostbare Düfte 
feil, die in guten Tagen auch sie umschmeichelt haben. Sie 
hat die Genugtuung, daß sie glänzende Geschäfte macht 
und daß der Neugierdeerfolg mit einem materiellen Hand in 
Hand geht. 
Waghalsig, wie die Polen nun einmal sind, hat sich die 
junge, hübsche, aus dem Heimatlande vertriebene Manja 
Koschewska einen etwas »luftigen« Beruf erwählt, um ihr 
Leben, das sich früher auf herrlichen Gütern abspielte, heute 
auf dem Gerüst zu fristen. Sie ist Reklamemalerin geworden 
und bepinselt Mauern und Häuscrwände mit Anpreisungen über 
die unvergleichlichen Leistungen ihrer Leidensgenossinnen, 
der jungen Baronessen Muriel und Adelaide Oakes, denen 
ihre hübschen Gesichter im Unglück zu Hilfe kamen, um 
beliebte Filmschnuspielerinnen zu werden und ihren 
Unterhalt damit zu verdienen. 
Gräfin Ula Bedall hätte es sich wohl auch nicht 
träumen lassen, daß sie ihr Schloß in Mexiko ver 
lassen und als Balletteuse mit »Nicky« ihr Leben 
würde fristen müssen. »Nicky« ist ein »Stinktier«, 
dem allerdings, wie man behauptet, die den unan 
genehmen Geruch verbreitende Drüse herausgenommen 
worden ist. Ob mit, ob ohne »Stinkdrüsc« — 
»Nicky« ist für seine Herrin ein großer Erfolg ge 
worden, und wodurch man berühmt wird, ist 
schließlich egal, wenn man es nur wird! 
Alle die hochgeborenen Lebensschülerinnen, von 
denen wir hier ge 
sprochen haben, be 
gaben sich zum »Wie 
deraufbau ihres zer 
störten Daseins in das 
Land der unbegrenz 
ten Möglichkeiten, von 
dem sie — vielleicht 
begrenzte —, aber im 
merhin doch Möglich 
keiten für eine fernere 
angemessene Lebens 
führung erhoffen. Es 
wird von ihrem Mut und 
ihrem Talente abhan- 
gen, ob sie die schönen 
Tage von einst verges 
sen oder zurückzurufen 
imstande sein werden! 
Gräfin Marie Kalina, die eine russische Teestufe eröffnete, 
mit ihrem Sohn Kevilt.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.