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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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sollte das Zimmer nicht. 
Kurz und gut, als Fritz 
Düring, der Erste Heid 
und Liebhaber des Volks 
theaters, kam und um das 
Zimmer bat, sagte Gott 
lieb zu. Er kannte den 
jungen Mann schon, denn 
Fritz Düring hatte beim 
Stiftungsfest des Klubs 
„Alle Neune“ im Vorjahre 
rezitiert. Dann hatte man 
zusammen gekneipt, und 
in vorgerückter Stunde 
brachte Fritz Düring ein 
selbstverfaßtes Klublied 
zu Gehör, das mit dem 
schönen Verse schloß: 
Wo man kegfeit, 
ist man nie durchtrieben. 
Böse Menschen 
pflegfen nicht zu schieben. 
Man war allseitig begeistert. 
Gottlieb auch. Und an 
die schönen Verse dachte 
er, als er dem jungen 
Manne das Zimmer ver 
mietete. Außerdem — 
vom Kegeln war er stets 
um 12 Uhr zu Hause und 
Fritz Düring kam nie vor 
ein Uhr „vom Abend- 
brod“. — 
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Es 
war 
gegen 3 Uhr 
morgens. Fritz Düring hatte heute zum erstenmal den 
„Kean“ gespielt. Es war ein Erfolg gewesen. Das 
mußte begossen 
werden. Im „Spa 
tenbräu“, woDü- 
ring sein Abend 
brot zu verzehren 
pflegte, waren 
vieleFreunde und 
Theaterbesucher. 
Der schon auf 
der Bühne ge 
nossene Sekt, da 
zu das schwere 
„Spaten“, dann 
die nervöse Er 
regung derRolle, 
das alles hatte da 
zu beigetragen, 
daß sich Fritz 
Düring mit ziem 
lich unklaren Ge 
fühlen und Vor 
stellungen seinen 
heimischen Pena 
ten näherte. Der 
Hausschlüssel 
wollte heute gar 
nicht passen, und 
da ein Unglück 
bekanntlich nie 
allein kommt, be 
merkte er auch 
noch zu seinem 
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Ärger, daß er keine Streich 
hölzer bei sich hatte. So 
tappte er denn wie ein 
schwerbeladenerHeuwagen 
schwankend durch den 
dunkeln Hausflur und öff 
nete endlich seine Zimmer 
tür. 
Es war sein Bestreben, 
seinen Einzug so still als 
möglich zu halten, was ihn 
aber nicht hinderte, in der 
Dunkelheit zwei Stühle 
umzuwerfen. Jedesmal 
wenn solch ein donner 
artiges Gepolter ertönte, 
blieb er mäuschenstill 
stehen und lauschte, ob 
sich in dem Schlafzimmer 
der Wirtsleute, das dicht 
neben seinem Zimmer lag, 
nicht ein Zeichen des Un 
willens vernehmen ließe; 
alles blieb zu seiner Freude 
still. 
Da sich Streichhölzer 
durchaus nicht finden lassen 
wollten, entschloß ersieh un 
ter Brummen und Knurren, 
das ersehnte Bett im Dun 
keln aufzusuchen. Schnell 
waren die Kleider herunter 
gerissen und flogen in 
eine Ecke; dann tappte er 
sich zum Bett, fühlte die 
wohlige Umarmung der weichen Kissen und war schon 
nach wenigen Minuten sanft entschlummert. 
Plötzlich aber 
wurde Fritz Dü 
ring sehr unsanft 
aus seinen Träu 
men gerissen. Er 
fühlte sich an der 
rechten Schulter 
wie von eisernen 
Klammern um 
schlossen und ge 
zwickt, und der 
Traumgott wollte 
ihm deshalb eben 
ein Bild von 
einem Marter 
pfahl vorgaukeln, 
an dem er mit 
glühenden Zan 
gen gezwickt 
werden sollte, da 
ermunterte er sich 
ganz und starrte 
entsetzt in ein 
wutverzerrtes 
Gesicht, über 
dem eine Nacht 
mütze mit lustig 
hin und her 
wackelnder Qua 
ste thronte. Da 
war der Henker 
mit der glühen- 
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