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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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KUNST UND KEGELN 
Von G e o r g Schade. 
HCQill 
G ute Nacht, Lieschen! 
Schlafe wohl“, sagte der 
Gottlieb Bolten, Gemeinde- 
sekretär a. D., zu seiner kleinen, 
rundlichen jungen Frau, beugte 
sich nieder und drückte einen 
schmatzenden Kuß auf den 
vollen, weißen Hals, der aus 
dem Blusenausschnitt ver 
führerisch hervorleuchtete. Da 
bei glitten seine Augen über 
die Schulter weg zur vordem 
Erhebung, die sich verheißungs 
voll prall unter dem dünnen 
Stoff abzeichnete ... In seinen Augen glühte es auf. 
Da verkündete die kleine Schwarzwälder Uhr mit 
hellen, klingenden Schlägen 
die neunte Stunde. Alle 
Wetter, schon so spät! — 
Nein, es ging nicht. Heute 
war Preiskegeln. Da durfte 
er nicht fehlen. Hm . . . 
Schade! — Seine knochige 
Hand tätschelte einen Mo 
ment das runde Grübchen 
kinn seiner Frau und glitt 
dabei wie zufällig ein wenig 
tiefer. — „Bis zwölf bin ich 
wieder hier“, sagte er und 
kniff das eine Auge ver 
heißungsvoll zusammen. 
Ein kleiner Seufzer entglitt 
seinen Lippen, dann wandte 
er sich eilig der Tür zu 
und verließ das Zimmer. 
Frau Lieschen hauchte 
ein kaum verständliches: 
„Gute Nacht, Gottlieb“, 
und stichelte ohne aufzu 
sehen weiter. Sie maulte. 
Heute wäre sie gern ins 
Theater gegangen, aber 
Preiskegeln versäumte Gott 
lieb ja nie. — 
Gottlieb Bolten durch 
schritt den Hausflur, trat 
auf die Straße und verschloß sorgfältig die Haustür. 
Befriedigt schob er den Schlüssel in die Tasche. So, 
nun konnte nichts passieren. Gottlieb pflegte seine 
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Gattin immer einzuschließen, 
wenn er zu seinen Kegel 
abenden ging. Es waren dies 
die einzigen Abende, an denen 
er sein Lieschen allien ließ. 
Einmal in der Woche allein 
kegeln, Mittwochs mit Lieschen 
ins Kino und Sonntags mit 
ihr ins Theater. Das waren 
alle Erholungen, die Gottlieb 
Bolten sich gönnte. Er 
schwärmte nämlich für die 
Kunst wie Lieschen. Kunst 
und Kegeln; darüber ging ihm 
nichts. Der einmalige Besuch des nahegelegenen 
„Volkstheaters“, einer Vorstadtbühne, und des benach 
barten „Metropol-Kinos“ 
waren aber nicht die einzigen 
Opfer, die Gottlieb der 
„Kunst“ brachte. Er pflegte 
auch immer ein Zimmer 
möbliert an ein Theater 
mitglied zu vermieten, denn 
man mußte doch die Kunst 
„unterstützen“ und — die 
kleine Mehreinnahme war 
nicht zu unterschätzen bei 
der geringen Pension. 
Streng hatte Bolten aber 
immer darauf gesehen, nur 
weibliche Theatermitglieder 
— möglichst die Komische 
Alte — ins Haus zu be 
kommen. Diese Vorliebe 
für die ältesten Kunst- 
jüngerinnen hatte ihm schon 
manchen derben Scherz 
seiner Kegelbrüder ein 
getragen und man halte 
Gottlieb mit seiner Eifer 
sucht auf Lieschen „auf 
gezogen“. Denn eifersüchtig 
war Gottlieb, das wußten 
alle Mitglieder des Klubs 
„Alle Neune“, obgleich 
Bolten es stets in Abrede 
zu stellen suchte. Diesmal nun war er — wahr 
scheinlich um zu beweisen, wie weltenfern ihm jede 
eifersüchtige Regung lag — von der Regel abgewichen 
und hatte 
einen jungen 
Schauspieler 
in sein Haus 
aufgenom 
men. Aller 
dings war die 
Komische 
Alte bei Be 
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son schon 
„vergeben“ 
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