Path:

Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

12 
sieht man schon ganz deut 
lich die Tendenz zum Län 
ger- und Weiterwerden. 
Die völlig entblößten 
Arme sind im Kasino mehr 
1 rümpf, als der bis zum 
Gürtel nackte Rücken, und 
das Federvieh, das sich — 
wenn auch wahrscheinlich 
nicht ganz bereitwillig — 
in den Dienst der Mode 
stellt, sind vor allem Mara 
bu, Strauß und Scheitel- 
affe. Man prophezeit auch 
U nsere Damenwelt ist 
in allergrößter Auf 
regung. So ist es 
wahr? Sie kommt wieder? 
Wer „sie“? Die Schleppe! 
Jawohl. Die Kleider werden 
länger und länger, so lang, 
daß man bald die Schuhe 
nicht mehr sehen wird, in 
denen schöne, mit Seide 
umsponnene Füße eine so 
lebhafte, leicht verständliche 
Sprache sprachen! Und 
wieder wird gegen die an- Pßot.i Sderl 
stoßerregenden Kleidungsstücke gewettert werden, Federschuhe, die sich im Kasino bisher allerdings noch 
wie das schon im 17. Jahrhundert der Fall war. „Es X nicht gezeigt haben, spitje, mit seltenen Vogelfedern 
ist nicht genug,“ wendete siet» da ein Zeitgenosse fff * BaX verzierte Hutbckleidungen, die der glitzernden 
in einem langen Sermon an die Damen, „daß (V-'Sjh Bf Anmut der Abendkleider den lebten Reiz ver- 
Ihr mit Euern weiten und breiten Kutten, mit ■ M "r leihen. 
Euern geflügelten, zerhackten, zerschnittenen .Bl Irgendeine naive J^erson, die, in einer 
und zerfetzten Kleiden» daherrauscht wie ein jf Kasinoecke si^end, verloren auf ein „Mon 
großmächtiges Schiff mit ausgespannten und m jSl homme" tanzendes Paar starrte, während sie 
vollen Segeln. Es muß auch hienach schlep- feinen Mohrenkopf nadi dem andern, eine 
pen ein großmächtiger Schweif. . . O köst- Cremesdinitte nach der andern in den Mund 
lieber Schweif, o herrlidier, schöner Besen, | | ^\ vl führte und die niemand etwas gefragt hatte, 
der du so fein fleißig kehrest die Gassen 1 ^dfrer* I denn man glaubte sie bereits ei-stickt, diese 
und so fleißig aufhebst den Schmutz!“ IV »MrHB L J Person belebte sid» wieder, um folgendes 
So weit sind wir nun noch nicht, auch ■ iß®*« ; pBkäjflpfL' M 2U sagen: 
nodi nicht bei den Erlassen, die sich auf » aK „Es ist eine Mode, die nidit lange dauern 
das Decollete bezogen und bei denen es in %■ ' Bot ■ SB J wird! Nicht, daß es an Schecks fehlte, um 
einer Nürnberger Verordnung heißt, „daß die \ diese Phantasien zu bezahlen, wohl aber an 
Weiber am Goller nicht tiefer als einen Quer- seltenen Vögeln!“ 
finger breit unter dem Knorrlein am Halse, ^ • jf Die arme, naive Person! Und die Hühner, 
hinten eine halbe £lle tiefer, ausgeschnitten sein ff wozu dienen sie denn? 6twa nur zum Eierlegen? 
sollen“, aber an den neuesten Kasinoroben, Und die Maler? Wozu haben wir denn die 
die die Damen in diesem Sommer in den GefcßmadvoKer Kaßnomantel aus Gala- Entmisten? Wenn sie uns unsere Federzukunft 
, „ , , _ . . . ,, Uro Hat aber einem Kleid aus Rofataft. cii i, ■ 
eleganten Bade- und Oebirgsorten einweihen. Der Kopffcßmud iß aus Siißerfpitze. nicht aut die bäume malten/! . . . 
Im 
Von Trude Jofm. 
Kafino 
Pßotos: R. Sen ne de. 
Scßwarzes PailletteRleid mit 
'■ilßergrauem Ußerwurf. 
Kleid aus weißem Seidentrißot. 
Kleid aus fdnvarzer fließender Seide.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.