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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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SPIELBÄDER 
I m Vollgefühl erfüllter 
Pflicht wandelte ich vor 
Jahren auf der großen Kur 
promenade in Marienbad 
und traf Roda Roda. „Den 
ken Sie,“ erzählte ich ihm 
strahlend, „ich habe schon 
sechs Pfund abgenommen!“ 
Antwort: „Sic Glücklicher! 
Wem?“ 
Wie immer traf er den 
Nage! an der empfind 
lichsten Stelle. Es gibt 
Bäder — und Marienbad, 
Karlsbad,Franzensbad sind 
unter ihnen an erster Stelle 
— bei deren Besuch man 
seine Gesundheit als Grund 
nur vorschützt. Das Ver- 
gnügenistdicHauptsache— 
und das bedeutet für Leut 
chen im gesetzteren Aller 
fast ausschließlich; das Jeu. 
Vor allem sind’sdie lieben 
Damen, die dem süßen 
Moloch hier huldigen. Die 
Bäder und der Morgenspa 
ziergang sind um zehn 
ührfrüherledigt; 
der Rest desTa- 
ges gehört der 
Handarbeit. 
(Oder glauben 
Sie, acht Stun 
den pokern und 
womöglich vier 
mal in der Stun 
de mit stehen 
den drei Assen 
gegen gekauften 
Bancksfraight 
runterfallen, sei 
ausschließlich 
ein Vergnügen?) 
So ein Poker- 
tischchen im 
Kaiserpark zu 
sehen, ist ein 
Anblick, der den 
Engeln Stärke 
gibt. Sechs Da 
men am Tisch, 
Blumenbäder 
Waschwassertabletten 
erquicken mit ihrem köstlichen Duft die 
Nerven, beleben die Hauttätigkeit und 
erregen ein allgemeines Wohlbehagen 
Hautal~ Fichtcnnadclbädcr 
Herz- und nervenstärkend 
Hautal-Fiditennadelbäder dienen zur Unterstützung 
von Kuren bei Rheuma, Gicht- und Nervenleiden 
Erhältlich in Apotheken, Drogerien und Parfümerien 
Physochemische Fabrik 
C. Alfred Fischer G. m. b. H., Berlin S 61 
SUSSM/miEE) 
elektrisch 
BEIDES VEREINIGT 
UNVEREINDL'VCSRHJHEUNO 
zwölf Zentner 
blicken auf dich 
herab. DiePuder- 
vmTOmA 
RÖmtiildtA-S’ 1 Berlin Leipzigersfr. 119/120 1 
quaste liegt neben der gol 
denen Tasche, und sehr oft 
wird sie von leicht zitternder 
Hand über das erhitzte Ge 
sicht geführt. Die Spatzen 
rund um den Tisch herum 
sind ängstlich und schüch 
tern: so einen Skandal 
wie da oben können zehn 
tausend von ihnen nicht 
produzieren. „Liebe Frau 
Neumann, Sie haben drei 
Karten in derHand behalten 
und drei aufgenommen, 
Sie sind raus aus dem 
Spiel“ (Frau Neumann 
mogelt nämlich. Die andern 
fünf natürlich auch, aber 
geschickter, Frau Neumann 
ist Anfängerin). „Frau 
Cohn, Sie haben nicht ge 
setzt.“ „Bitte sehr, der 
Zwanzigkronenschein hier 
ist von mir, aber Frau 
Rechberg setzt schon zum 
vierten Male nicht . . .“ 
„Frau Scholz, die dreißig 
Kronen, die ich noch be 
komme, können 
Sie Frau Neu 
mann geben.“ — 
„Ich sitze da 
mit dem Flush 
bis zum Buben, 
kauft sic die 
vierte Dame 
rein“ — und so 
fort den Vor 
mittag, Nachmit 
tag und Abend 
durch. Wenn 
man dann nach 
vier Wochen das 
Bad verläßt, hat 
man dringend 
eine Nachkur ' 
nötig. Zumal der 
hohe Herr Gatte 
seine Zeit auch 
nicht verloren 
hatte (er gab da 
für sein Geld) 
Potsdamer Straße 12.Ö 
HAMBURG 
Mönckebergsfr. O 
WEIMAR 
ERFURT 
Neuwerkslr. 7 
und in stillen 
Kasinos dem 
edlen Bak ge-
        
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