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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

Charakterköpfe 
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festlegen, daß das Charakteristischste dieses Gesichtes seine Tausend- 
fältigkeit, also eigentlich seine Charakterlosigkeit ist. 
Das läßt sich von ihrer berühmten Kollegin Pola Negri nicht 
behaupten. Ihr Antlitz ist und wird immer sein die Inkarnation 
« des Weiblich-Triebhaften; es wird ihr dauernd unmöglich sein, 
im Film andere Probleme als irgendwie sexuelle zu ver 
körpern. Die slawische Breitheit ihres Schädelbaus verbunden 
mit der süßen Katzenhaftigkeit ihrer Augen und ihres 
\ Mundes lassen sie als das Symbol ewigbewegter Geschlecht 
er lichkeit erscheinen. 
\ Man könnte meinen, daß neun Zehntel aller Frauen, 
V die sich mit dem Film zu tun machen, dieses Aus- 
\ selten als höchstes Ideal anstrebten. Aber seltsam: 
da tauchte vor nicht langer Zeit eine Frau im 
, \V Film auf mit einem Denkergesicht. Die Schreib- 
' maschine stotterte heftig bei den so nahe an- 
■ v \ einandergeschobenen Worten Frau, Film und 
' s ^ )k Am Denken — aber es hilft ihr nichts, es ist 
V ' Tatsache. Iva Raffay hat tatsächlich über 
' ihren Beruf nachgedacht, wohl als einzige 
' Frau im Film, und ist aus der Konsequenz 
‘ i dieses Denkens dazu gekommen, die 
■fc. ■ ’V; '■ schauspielerische Betätigung aufzugeben 
jg -‘VvV; ■■ VSl und Regisseurin zu werden. Als solche 
^3Tv..' ■ v't leistet sie so Beträchtliches, daß ein 
leises Stöhnen der Konkurrenzangst 
‘ V ' unter den männlichen Herren Kolle- 
Xt ' g en immer deutlicher hörbar 
p X, wird. Ihr bedeutendster Film, 
J. / y der auch im Ausland großen 
T y f \ Anklang fand, ist „Der 
\ Hirt von Maria-Schnee.“ 
"*■* " i \ Neuerdings arbeitet sie 
' , g •:>, an einem Filmschau- 
jf \ spiel, das sich „Das 
Jp Liebesmahl der drei 
"X \ Kardinale“ betitelt 
/ - ,/ und 
eine wesent 
lich neue Rich 
tung auf dem 
Gebiete der 
Lichtbild 
kunst dar 
stellt. — 
Ich fin 
de, daß 
Lubitsch
        
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