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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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RUMMEL 
Von Trank Güntßer 
nj Iiebe 
Familien 
anschluß. Er 
stens kommt 
dann der Kopf 
Weißkohl für 
den einzelnen 
billiger, zwei« 
tens ist es dann 
einfacher, das 
Hereinspaziert. . . 
Grammophon unschädlich zu V • 
machen, und drittens sind 
da schließlich immer irgend 
welche Töchter oder 
Cousinen. Mit diesen 
kann man dann — 
unter anderem — auf 
den Rummel gehen. 
Zwar traben Ur 
ahne, Großmutter, 
Mutter und Kind 
— äh, Verzeih 
hung! — also 
Urahne, Groß« 
mutter und 
Mutter nebst den männlichen Ge 
genstücken den ganzen Tag 
hinter dir her, von der Wiege 
bis zum Grabe, von der 
Rutschbahn bis halb zwölf, 
— aber wenn du ge« 
nügend Geld eingesteckt 
hast, um z=w«e=i«mal 
hintereinander Berg«und« 
Tal «Bahn zu fahren, wäh« 
rend die Familie unten 
wartet, dann — , dann stört 
dich das nachher schon nicht 
mehr so. — Wenn die Attraktionen 
zunächst flüchtig besichtigt sind, setzt man sich 
auf das Eisengeländer vor dem »Frühlingsrauschen« 
von Sinding — mit verstärktem SaIon=Ordiester — 
und packt die Stullen aus. Versteht sich; auch 
Cremetorte! Die du in einer Tüte getragen hast. 
Welche du nidit vorsichtig genug getragen hast. 
Weil du immerzu die Hände frei haben wolltest. 
Kurzum, ein Sprichwort sagt; »Wenn einem eine 
Tüte reißt, dann kann er was erzählen«, oder 
»wenn Hosen reden könnten!«. Und während 
du Frühlingsrauschen mit Tilsiter Käse genießt, 
wandelt an dir das Publikum vorbei: 
Ein Referendar mit Braut, der gekommen ist, 
um zu zeigen, daß er, ohne steckenzubleiben, 
um den »Eisernen See« herumkommt. Ein paar 
Badefische, die so alt sind wie ihre Röcke kurz. 
Gents mit echt amerikanischen Anzügen 
von S. Adam, Friedrichstraße, im rechten 
Auge das Monokel, im linken den 
feurigen Blick Casanovas. <Oder 
den gestielten Blick nadi beleibten 
/ Brieftaschen.) Dann schwe 
reres Kaliber, das seine Über« 
zeugung auf den Armen 
sichtbar tätowiert trägt. 
Dienstmädchen, von ihrer 
Herrschaft freundlich 
Berg» und Taf-Bahn. 
gegrüßt und um die 
Toiletten beneidet,- 
Schüler, mit zwei 
Mark fünfzig 
1 o f 
t 
Auf dem Tanzrad.
        
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