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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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lücklichen Leuten, denen die Valutawogen 
nichts anhaben können, steht heute auch 
nichts mehr im Wege, in den Meereswogen von 
Biarritz, Trouville, Scheveningen, Ostende oder 
Palm Beach unterzutauchen, und da ein geschickter 
Franzose, Herr Sudre, vor kurzem das Problem der 
internationalen Verständigung vermittels einer 
Welthilfssprache, nämlich Nutzbarmachung der 
sieben musikalischen No- 
empor, aber die Base 
ist inzwischen schon 
längst mit einem 
andern verschwun 
den: „Na, was sagen 
Sie bloß?“ . .. 
Gibt es eine schö 
nere „Diele“, als den 
herrlichen, breiten 
Strand unsererNord- 
seebäder? Der Wind 
leitet als geschick 
tester aller Kapell 
meister eine Jazz- 
Band in Norderney 
und Sylt, bei deren 
Kreischen, Pfeifen, 
Zischen und Brausen 
einem Hören und 
Sehen vergehen, und 
die Meereswellen 
machen sich um das 
Einstudieren von Chimborazo — Exolic — One-Step 
und Calaluna — Scotish - Espanol — verdient. Die Bade 
karren sind noch immer die beliebtesten Flirtplätze, und 
die Damen bemühen sich in diesem Sommer, in ihren 
Badekostümen etwas „angezogener“ zu erscheinen, als sie 
es im Winter in ihren Ballkleidern waren. Schließlich 
hat ein zu freigebiges Ausstellen der Reize auch seine 
Bedenken, und Kostüme, die fürs Bad geschaffen werden, 
.sind doch nicht zum naß werden da! Da gibt es außer 
ordentlich hübsche, schwarzseidene Futterale mit Samt 
streifen, die über die Schultern laufen, einem feschen, 
schwarzen Allashut, schwarzseidenen Strümpfen, und einem 
Schwarzen Atla^käp, das mit einer großen Schleife über 
der Brust zusammcngehalten wird. Denn wie bei den 
Carpentier in Trouvide. 
ten, ausfindig gemacht 
hat, so wird Neptun in 
diesem Sommer wahr 
scheinlich oft Gelegen 
heit haben, seine drei 
zinkige Riesengabel 
segnend über einen 
„misifa“ („Verlobten“) 
und einer „misifaa“ (das 
weibliche Geschlecht 
wird in der neuen Spra 
che durch Verdoppelung Japanisches Badefeßen. 
des letzten Vokals zum 
Ausdruck gebracht!) zu halten, und wenn „er“ auch im Anfang 
mit verschiedenen „sols“ („Wenns“) Einwendungen zu machen 
versucht hat, so trug sie mit ihrem „si, si, si“ („ja, ja, ja)“ doch 
schließlich den Sieg davon. 
„Vordem Himmelund den Weibern muß man sich nicht ducken“, 
singt der Vetter aus Heringsdorf oder Swinemünde und duckt 
sich vor der Riesenwelle doch gerade in dem Augenblick, da 
die reizendste aller Sirenen im lilafarbenen Batisthemdchen mit 
lila seidenen Streifen und besticktem Mieder die kreuzweize 
vei schnürten Sandalen mit den lila seidenen Wadenstrümpfen 
darüber ins Wasser setzt. Prustend arbeitet sich der Vetter 
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„ Heringsdorf. “ 
Harding in Pafm Beach (Thorida) 
Straßen-, so ist das Käp auch bei den Bade 
kleidern diesmal die große Mode. 
Der Held vom schönen normännischen 
Trouvillcr Strande ist in diesem Jahre un 
bedingt der berühmte französische Boxer 
Georges Carpentier, vor dem alle Bewoh 
nerinnen der „Roches Noires“ in bewun 
dernder Anbetung im weißen Sande auf 
dem Rücken liegen und mit beiden Schultern 
den Boden berühren. Es ist ihnen ganz egal, 
ob Jim Prat — er heißt immer Prrratl — 
die „round“, die für Berufsleute drei und 
für andere Sterbliche vier Minuten dauert, 
für zu Ende erklärt und mit langsamer 
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