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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

SCHERZE DES LEBENS 
Der geheilte E ß e k n a c k s . . . 
Von Ka r f Meit n e r - He c6 e r t 
\ \ / ie das manchmal Ist: ein kleiner Eheknacks. Mit ein biß- 
VV chen Liebe leicht einzurenken. Aber wenn ein Dritter im 
Spiel steht .... Wer auf eine pikante Geschichte rechnet, der hat 
Rudi Rösner nie gekannt! 
Rudi Rösner, der war so einer, der von verbotenen Büchern spricht 
und sie nie gelesen 
hat, der von Kirsch 
lippen schwärmt, die 
er nie geküßt hat, der 
mit Schlachtendonner 
prahlt und nie Soldat 
war, der vom Diplo 
matenschreibtisch fa 
selt und als Lehrling 
in einem Bankhaus oder 
Zigarrenladen endet. 
Rudi Rösner endete, 
als er glücklich durchs 
Abitur gerasselt, im 
Exportkontor seines 
Papas, und machte 
Karriere; Prokurist, 
Mitchef, Alleininhaber. 
Rudi Rösners Mama 
hatte inzwischen ein 
fernverwandtes Gäns 
chen — Provinz! — 
aber reich I — als ein 
zig richtige Frau für 
Rudi entdeckt. Heirat. 
Der Traum von verbo 
tenen Büchern, Kirsch 
lippen , Schlachten - 
donner, Diplomaten 
schreibtischwar ausgeträumt. Rudi Rösner und Röschen Rösner lebten 
eine Turteltaubenehe. Und doch kam der kleine Eheknacks. 
Wie das manchmal ist: Rudi erklärte eines Tages die Hausordnung 
sei zu spießig, das Essen zu bürgerlich. Röschen sei zu „unmodern“. 
Zu rundlich in den Formen, zu unelegant in der Garderobe. Und als 
Röschen „modern“ werden wollte, erklärte sie Rudi schlankweg für 
eine Karikatur. Die Folge: bei Röschen rotgeweinte Augen, bei 
Rudi Indenklubgehen. 
Der Klub hieß Margot. Margot war gertig, rassig, schlank, biegsam, 
hypermodern. Ihre Garderobe: letzter Schrei. Man versteht. Röschen 
konnte mit Margot nicht konkurrieren. Ein guter Freund, der Margot 
gerne los sein wollte, hatte Rudi 
und Margot bekannt gemacht, und 
Rudi, den es mächtig schmeichelte, 
auch einmal Mäcen zu spielen, 
hatte sich ins Schlepptau ver 
wickeln lassen. Mäcen? Ja! Mar 
got nannte sich: Filmkünstlerin. 
War es aber nicht. Hatte noch 
keine Pose für eine Weißwand 
aufnahme stellen dürfen. Doch sie 
filmkünsteltc in großartigerWeise 
mit Augenaufschlag und Hände 
druck, wenn Rudi ihr einen Scheck 
ausschrieb. Ist das nicht ge 
nug? — 
Das neugierigeTelephonfräulein 
hatte Gelegenheit, zwei Gespräche 
zu belauschen. 
Margot an Rudi: „... also pünkt 
lich ein Uhr! Treffpunkt Elite 
restaurant. Gemeinsames Diner! 
Rudi an Rösdien; • i a -> 
geschäftlich! Ich komme nicht zu 
Tisch. Warten? Nein! . . .“ 
Rudi war Kavalier. Er kaufte 
Schneeglöckchen 
Und doch ist es keine pikante 
Geschichte, im Gegenteil: höchst 
moralisch ist der Schluß. 
Margot versetzte Rudi. Rudi 
wartete. Wartete. Wurde ärgerlich, 
fuchsteufelswild, und stiefelte nach 
Hause. 
I“ 
Rudi schnaubte sich ins buntgekantete 
Ebee-naarkur 
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Frau Elise Doch g;SI: 
Berlin-Chan.)« Hanlstrafle 138 
„Da!“ Er überreichte Röschen die Schneeglöckchen. 
Und Röschen? Sie flog Rudi an den Ha's, küßte ihn tausend- 
undeinmal und rief unter Lachen und Tränen: „Du, Bester! 
Du, Liebster! Unsern Hochzeitstag, du hast ihn doch nicht ver 
gessen . . , 
Ja...— — J a 
Batisttüchlein. „Es will Frühling werden 
Die Stecknadel 
Vor langen Jahren 
fand ein kleine', etwa 
zehn Jahre zählender 
Junge, der ärmliche, 
fast zerlumpte Kleider 
trug, in der Linden 
passage zu Berlin eine 
Stecknadel. Er bückte 
sich, hob die Nadel 
auf und befestigte sie 
an dem Kragen seiner 
defekten Joppe. 
Ein alter, weißbär 
tiger Herr, der Zylin 
der und kostbaren Zo 
belpelz trug, beob 
achtete zufällig den 
Kleinen. 
„ln dem Bengel 
steckt etwas!“, mur 
melte er, „er hat An 
lagen zur Sparsam 
keit und Wirtschaft 
lichkeit. Ich will mich 
seiner annehmen, scheint ein ordentlicher Kerl zu werden!“ — 
So geschah es. Der Junge stieg in dem großen Kaufmanns 
hause, das sich im Laufe der Jahre immer weiter ausdehnte und 
schließlich eine Weltfirma mit Zweiggeschäften in allen Haupt- 
und Handelsstädten der alten und neuen Welt wurde, vom ein 
fachen Laufjungen zum Mitinhaber des Geschäftes empor, und 
heiratete schließlich die Tochter seines Gönners und Förde 
rers. — — 
Kurz vor Ausbruch des Weltkrieges erhielt ein alter, im Ruhe 
stände lebender Lehrer einer Berliner Gemeindeschule den Besuch eines 
hochgewachsnen, vornehm gekleideten Herrn im mittlerem Lebensalter. 
„Ich bin Ihr alter Schüler!“, sag 
te der vornehme Besucher zu dem 
ergrauten Lehrer, der seine Über 
raschung nur schwer verbergen 
konnte. — Schließlich erinnerte 
sich der alte Schulmeister noch 
dunkel seines ehemaligen, ärm 
lichen Schülers, dessen Mutter, 
eine arme Wäscherin, einst mit 
schweren Nahrungssorgen zu 
kämpfen hatte. Beim Abschied 
hintcrließ der vornehme Gast 
mit herzlichen Worten seinem 
alten Elementarlehrer eine Platz 
anweisung über fünfzigtausend 
Mark. 
„Aber wodurch hab ich alter 
Mann solch unerhörtes großes 
Geschenk verdient?“, fragte der 
Greis, „ich habe Sie doch nicht 
auf den Weg des Glückes und 
Erfolges gebracht!“ 
„Das haben Sie doch“, erwiderte 
der vermögende Kaufherr. „Ich fand 
eine Stecknadel an einem nebligen 
Dezembermorgen in der Linden- 
Passage. Und diese Nadel wollte 
ich Ihnen unter Ihren Katheder 
stuhl stecken, weil Sie mich einige 
Tage zuvor wegen einer Nach 
lässigkeit verprügelt hatten!“ 
Hans Runge, Braunschweig 
stärkt Körper und Wcrwcn 
B iocitin steigert die Kraft und die Lei» 
stungsfähigkeit des Gesunden und bildet 
für den Kranken und Geschwächten ein un« 
schätzbares Hilfsmittel zur Wiedererlangung 
verlorener Körper» und Nervenkräfte. Vor 
allem aber ist es das große Heer der 
Nervösen, denen Biocitin Kräftigung 
und Auffrischung des gesamten Ner» 
vensystems bringt. Zur Erhöhung der 
Leistungsfähigkeit ist Biocitin un» 
entbehrlich. Biocitin ist in der früheren 
bewährten Güte mit 10 Prozent physiologisch 
reinem Lecithin nach Prof. Dr. Habermanns 
Verfahren in Apotheken und Drogerien wie» 
der erhältlich. Ein Geschmacksmuster Bio» 
citin sowie eine Broschüre sendet auf Wunsch 
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BIOCITlN»FABRIK, BERLIN S61/BI. 
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