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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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von 
betrat sie wieder, gefolgt 
Arbeitszimmer. 
»Ich werde mit Tel! vorangehen«, sagte sie. 
»Du kannst ja nachkommen.« Dabei wußte sie 
ihrer Stimme einen völlig ruhigen, gleichmäßigen 
Klang zu geben, ob» 
gleich sie innerlich vor 
Erregung bebte. Bobby 
nickte aus seiner 
Arbeit heraus kurz 
mit dem Kopfe, ohne 
aufzublicken. —• 
Auf der T reppe 
nahm Gerda den 
Hund kurz an die 
Leine, zog das 
Strumpfband aus der 
Tasche und gab Teil 
Witterung. 
Gerda war aufs 
äußerste gespannt. 
Das mußte interessant werden. Mit einem 
richtigen Polizeihund auf »Verbrecherjagd«. Jede 
Fiber in ähr war gespannt. — 
Teil blickte die Herrin einen Moment fragend 
an, schnupperte in die Luft, auf den Boden und 
setzte sich sogleich energisch in Bewegung. 
Rasch ging es die Straße entlang, um die 
nächste Ecke und quer über den Damm. Plötzlich 
blieb der Hund vor einem Hause stehen und 
machte alle Anstrengungen, durch die ver» 
schlossene Haustür zu gelangen. 
Gerda war enttäuscht. Hier wohnte doch 
Lilli, ihre beste Freundin! 
Offenbar hatte Teil sie 
falsch verstanden und beab» 
sichtigte einen freundschaft» 
liehen Besuch bei Lilli 
Dreßler, bei der es immer 
Leckerbissen, meist sogar 
selbstgebackenen Kuchen gab, 
den Teil sehr gern mochte. 
Zu dumm! 
Gerda gab dem Hunde 
aufs neue Witterung mit 
dem Strumpfbande. 
Teil begann sofort zu 
kläffen und an der Tür 
zu kratzen. Ganz wild 
wurde er. 
Da dämmerte in Gerda 
ein Verdacht auf. Sie wurde 
Teil, Bobbys blaß und rot. Rasch setzte sie die Klingel in 
Bewegung, und der Pförtner öffnete. Eilig schoß 
Teil die Treppe hinauf, die Herrin hinter sich her 
zerrend. Die Zofe öffnete und ließ Gerda mit Teil 
eintreten. 
Lilli Dreßler hatte 
Gerdas Stimme wohl 
g ehört und kam dem 
esuch lächelnd ent» 
gegen. Da stürzte sich 
Tel! auf sie und stellte 
sie ordnungsgemäß, 
so daß Gerda das Tier 
zurückreißen mußte. 
Lilli, die sich das 
seltsame Benehmen des 
Hundes nicht zu er» 
klären vermochte, sagte 
lachend: »Dein Teil 
ist drich zu schlau,- 
der merkt gleich, 
daß es frische Kuchen gibt. Nun komm nur, 
ich gebe dir Kuchchen.« Sie ließ Gerda ins 
Speisezimmer treten und ging eifrig plaudernd 
zu einem Serviertischchen, um von dort für »ihren 
Freund Teil Kuchchen« zu holen. 
Den Augenblick, da Lilli abgewandt stand, 
benutzte Gerda, um das Strumpfband an die 
Erde fallen zu lassen. Sofort stürzte Teil sich 
darauf. Als sich Lilli Dreßler umwandte, um dem 
Hunde Kuchen zu geben, stieß sie einen kleinen 
Schrei der Überraschung aus. 
»Aber, Teil, wo hast du denn mein Strumpf» 
band gefunden? Denke nur, 
liebste Gerda, seit zwei Ta» 
gen vermisse ich das Strumpf» 
band schon. Das Mädchen 
versicherte, sie habe alles 
genau abgesucht. Da sieht 
man wieder, die Dienst» 
boten! . . . Nun muß erst 
Teil kommen,- der fmdet's 
gleich. Das ist doch ein 
zu kluger Hund« . . , 
Bobby soll an dem Abend 
vergeblich im Konzert ge» 
wartet haben. ~ Und die 
nächsten Tage hat er sich 
den Kopf darüber zerbrochen, 
ob es nicht angebracht sei, 
ein Gesetz einzubringen, das 
die Verwendung von Polizei» 
hunden durch Private verbietet. 
'Zeichnungen von Godai
        
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