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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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entsprechen. DieKünster, die alle diese lachenden Muster 
schaffen, brechen durch ihre lebendigen Formen und 
Farben die banale Alltäglichkeit, die uns, genau wie bei 
Straßenkleidern und 
Hüten, auf die Dau 
er mißfällt. 
Wenn man den 
Raum betritt, der 
ausschließlich von 
der Frau des Hauses 
bewohnt wird, weiß 
man sofort, wes 
Geistes Kind seine 
Besitzerin ist. In 
einem Kimono aus 
fraisefarbenemSamt, 
der in weichen Fal 
ten an dem Körper 
herabfließt, auf dem 
Sofa liegend, ver 
rät sie schon durch 
die Art der Be 
grüßung, durch den 
Duft, der sie umgibt, 
das Buch, das ihr 
zunächst liegt, die Blumen, die in den Vasen stehen, 
die Möbelstücke, deren sie sich bedient, daß sie nicht 
das als Nebensächlichkeit betrachtet, was oft den Haupt 
reiz des Lebens ansmacht. An ihrer Umgebung sollt 
ihr sie erkennen! 
Durch die allgemeineTeuerung sind die Bedürfnisse mit 
der Zeit 
heute das frische Grün, das der Frühling auf die 
Sträucher gesteckt hat, die weichen, flaumigen Kätz 
chen, die er für uns aus seinem knospenreichen Blumen 
sack hervorholte, 
die gelben Leber 
blümchen, die bun 
ten Anemonen. Und 
zwischen ihnen allen 
stehen die hold 
selig lächelnden, et 
was steifen Damen, 
die Teepuppen, auf 
den Tischen und 
heißen den Eintre 
tenden ein wenig 
ungelenk, aber doch 
höflich willkommen. 
Neben dem Py 
jama ist es beson 
ders das weiche Ge 
wand aus Satin- 
Panne, das den Vor 
zug genießt, zum 
Hauskleide erhoben 
zu werden. Spitzen 
spielen hier die Hauptrolle, denn abgesehen davon, 
daß Spitzen überhaupt sehr modern sind, gibt es im 
Rahmen der vier Wände für eine Frau keinen kleid 
sameren Schmuck als sie. Oft fallen sie, den Ärmel 
bildend, bis zum Rocksaum herab, oft formen sie eine 
Art Überkleid, das über den Fond aus Seide geworfen 
wird. 
„Empfangs"pyjama aus rosa Chiffon mit 
Sifßerverscßnürung und Sifßerßesatz. 
Bei wel 
cher Gele 
genheit eine 
Frau einen 
Pyjama und 
wann sie ei 
nen Kimono 
tragen darf, 
darüber las 
sen sich keine 
Modemaxi 
men aufstel 
len. 
„Die Frau 
erfüllt eine 
Pflicht, wenn 
sie sich 
schmückt“, 
sagt Renan. 
Undeinedop- 
pelte, wenn 
sie sich in 
ihrem Heim 
schmückt! 
Trude John. 
etwas her 
unterge 
schraubt 
worden, 
und dasist 
gut. Wenn 
wir früher 
unsereVa- 
sen mit 
den kost 
barsten 
Orchideen 
schmück 
ten, wenn 
wirdiesel- 
tensten 
Blumen 
geradegut 
genugfan 
den, um 
unsere 
Schalen 
damit zu 
füllen, so 
genügtuns 
MorgendesbaßilTc aus weißem Krepp mit rosa 
Bandei)ffissung.
        
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