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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

DIE TRAU 
G eorges Sand sagte: „Le 
style c’est l’homme, la 
maison c’est la femme.“ 
Heute könnte man sagen: Die 
moderne Frau ist Stil und Haus 
zusammen. Denn sie paßt das 
Haus ihrem Stil und ihren Stil 
dem Hause an. 
„Um ihrer Frauen und Düfte 
willen“ scheint Mohammed die 
Welt geliebt zu haben, denn 
Düfte und Liebe stehen in inni 
gem Zusammenhang. Ein leichter 
Lavendelduft — das Modeparfüm 
des Augenblicks — liegt über dem 
Boudoir (das Wort kommt von 
„bouder“ = schmollen, weil sich 
die gekränkte Frau schon von 
alters her in ihren „Schmollwinkel“ 
zurückzuziehen pflegte), jener alt 
vertraute Wohlgeruch unserer 
Großmütter, der uns aus alten 
Kommodenfächern, gut verschlos- 
Duftiges Desßaßide' aus pastedßfauer Seide und 
Caßcfonspitzen. 
Photos: R. Senne che. 
IM HAUSE 
nach fortschreitender Veränderung 
in Trachten, Sitten und Gebräu 
chen. Alles, was uns umgibt, 
erfährt ja im Laufe der Zeit eine 
Veränderung. Ob diese Verän 
derungzugleich eineVerbesserung 
bedeutet, bleibt dahingestellt. 
Wenn die alten Damen mit den 
Brillen noch leben würden, sie 
würden wohl ziemlich erstaunt 
über die Gläser hinweg auf ihre 
moderne Nachfolgerin im Pyjama 
blicken! Die mutet ja auch et 
was haremsmäßig an, die schlanke, 
reizvolle Gestalt im originellen 
Voile-Pyjama mit türkischer Borte 
und gedrehter Schnur, die um die 
Taille geschlungen ist! Die ele 
gante Frau liebt es heutzutage nun 
einmal, im Hause die „Unaus 
sprechlichen“ anzuziehen, viel 
leicht weil sie fühlt, daß ihre Macht 
durch sie „unaussprechlich“ groß 
senen Kapseln und verschossenen, mit seidenen Blüm- wird. Denn es ist sicher, daß der Pyjama aus weicher, 
dien bestickten Riechkissen entgegenweht. Es haftet weißer Seide, aus buntem Krepp, aus Batik oder Voile 
diesem Duft etwas Trauliches, Feines an, schlanken Frauen wohl ansteht und ihnen 
etwas, das an die Vergangenheit von - größere Bewegungsfreiheit gibt, als 
Anno dazumal erinnert, etwas, es ’ n den Röcken der Fall ist. 
das alt und doch zugleich Die Sucht nach Luxus in der 
frisch und jung ist, und ' Heimkultur findet auch 
das vor unseren Augen in Hauskleidern aus 
ein Bild entstehen ^ E \ bf :*' grauem Samt mit 
läßt, auf dem die rosa Rosen Aus- 
Großmütter, die 
Brillen auf den 
Nasen, um den 
Teetisch saßen. 
Wovon die al 
ten Damen 
sprachen? 
Wovon heute 
alte Damen, 
die aber nicht 
mehr alt aus- 
sehenund keine 
Brillen mehr auf 
den Nasen tragen, 
auch noch sprechen, 
daß nämlich die Ver 
gangenheit viel besser 
gewesen sei als die Ge 
genwart und daß man von 
der Zukunft wohl auch nicht 
viel erhoffen dürfte. — Mode ist 
nichts weiter als das bewußte Bestreben 
druck, die 
Ruhebett 
dem Stil 
Boudoirs 
gepaßt 
den. 
dem 
oder 
des 
an- 
wer- 
Peignoir aus nugrünem Vefours- Cßijfon. 
Im großen 
Ganzen steht 
der Sinn der 
Frau im Hause 
augenblicklich 
im Zeichen leb 
hafter Farben, 
was mit der Natur 
um uns herum 
hübsch harmoniert. 
Es gibt heute Pyjamas 
und wallende Kleider,die 
in Stoff und Tonabstim 
mung den Wandbespannungen, 
Bezügen, Kissen, Vorhängen, Lam 
penschirmen, Tapeten und Teppichen 
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