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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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Pfiot.: A. Binder. 
Die Reise um die Welt mit zwei 
Koffern und einer Reisetasche, wie 
nach amerikanischen Journalen 
unlängst ein bekannter Sportsmann 
und Globetrotter unternahm, erschien 
bislang unmöglich. Aber der Beweis 
ist da — es ist möglich, selbst 
wenn die Reise ein volles Jahr in 
Anspruch nehmen würde. 
Natürlich müssen die Reisebehäller 
entsprechend groß sein, ferner will 
ich auch noch erwähnen, daß der 
Weltreisende sich vor Antritt einer 
Reise darüber klar sein muß, daß er 
sich unterwegs nicht so kleiden wird, 
wie er es zu Hause im gewöhnlichen 
Leben tun wird. 
Zunächst muß man darauf achten, 
daß die Koffer dauerhaft gearbeitet 
und mit Zink ausgeschlagen sind, 
damit sie recht viel aushalten können, 
bevor sie in Stücke gehen. Sie 
müssen den Angriffen der weißen Ameise des Ostens 
standhalten, die in dieser Beziehung ein sehr gefähr 
liches Insekt ist, und die sich nicht so leicht vertreiben 
läßt, wenn sie auch nur die geringste Aussicht auf ein 
solennes Mahl hat, für das sie mit Vorliebe die wert 
vollsten Garderobenstücke des Reisekoffers zu wählen 
beliebt. Durch einen gewöhnlichen Koffer würde diese 
Ameise in kürzester Zeit hindurchkommen, gegenüber 
dem Zink ist sie machtlos. Außerdem bewahrt das 
Zink den Inhalt des Koffers auch vor anderen feind 
lichen Einflüssen und trägt zu seiner Stabilität bei. 
Die Koffer für Überseereisen müssen auch die Fälle 
von den Schultern indischer Kulis aushalten und die 
Fußtritte russischer Lastträger. Gewöhnlich dauert es 
längere Zeit, bevor man sich heute zu einer zwölf 
monatigen Reise um die Welt entschließt; keinesfalls 
wird man sie, einer momentanen Eingebung folgend, 
auf das Geratewohl unternehmen, mag man nun zum 
Vergnügen reisen oder beruflich dazu gezwungen sein. 
Man geht gewöhnlich mehrere 
Monate mit dem Plan um, ehe 
man die Reise antritt. Nehmen 
wir nun an, daß die Reise im 
Frühjahr angetreten werden soll, 
so wird sich der Reisende doch 
auf jede Witterung vorbereiten 
müssen. Er wird ebenso für 
das milde Klima von Gibraltar 
und Malta wie für die Glutwellen 
des mittleren Teils des Mittel 
ländischen Meeres eingerichtet 
sein müssen. Er muß auch ge 
faßt sein auf das tropische Klima 
von Colombo, Singapore und 
Hongkong, wie auf die durch 
dringende Kälte von Montreal 
und den häufigen und über 
gangslosen Klimawechsel von 
St. Francisco und New York. 
Doch nun zurückzu den beiden 
Koffern und der Handtasche und 
zu der Frage nach ihrem Inhalt. Zu einer solchen Reise 
würde man vor allen Dingen ein Dutzend weißleinene 
Anzüge gebrauchen. Die Jacketts dieser Anzüge wer 
den nicht in der gewöhnlichen Weise auf Fasson ge 
arbeitet, sondern sie sind oben geschlossen und haben 
einen Litewkakragen, so daß man weder Kragen, 
Krawatte noch Weste zu tragen braucht. Wenn man 
eine Reise nicht so einrichten kann, daß man hier und 
da einen längeren Aufenthalt von wenigstens einer 
Woche nimmt, so müßte man naturgemäß von diesen 
Anzügen viel mehr mitnehmen, denn die Wäsche, die 
man an Bord bekommt, ist recht ungenügend. Man 
muß daher die verschiedenen Aufenthaltsorte dazu 
benutzen, um diese Teile der Garderobe wieder instand 
setzen zu lassen. Der Rest der Ausrüstung besteht 
aus folgenden Stücken: zunächst aus dem unent 
behrlichen blauen Schiffsanzug mit weißer Hose, in 
dem man die Reise antritt und einigen weiteren der 
gleichen Art, damit man für die Strapazen der ganzen 
Der ideale Reisentantef. 
crdioderne 
Globetrotter
        
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