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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

Segeiregatta auf der Müggef. 
Phot.: G. Rießiche. 
und damit selbst die Riesenstadt New York in 
den Schatten stellt. Werfen wir einmal einen 
kurzen Rundblick auf die Sportgelegenheiten, 
die Berlin aufweist. Da ist an erster 
Stelle das Orunewald-Stadion zu nennen, 
das wir Viktor von Podbielski verdanken, 
der für den Bau dieser herrlichen Arena 
mit nie rastender Energie gewirkt hat 
und es schließlich noch erlebte, daß 
seine gewaltige Schöpfung in Gegen 
wart des Kaisers festlich eingeweiht 
wurde. Die Olympischen Spiele des 
Jahres 1916, die bekanntlich Deutsch 
land zur Veranstaltung übertragen 
worden waren, sollten hier vor sich 
gehen; der im Jahre 1914 ausbrechen- 
de Weltkrieg kam jedoch dazwischen 
und machte die bereits getroffenen 
umfangreichen Vorbereitungen vergeb 
lich. Aber einen großen, noch viel wichti 
geren Zweck erfüllt das Stadion doch, 
es dient der Jugend der Reichshauptstadt, 
den Turnern, Schwimmern, Sporfsleuten 
jeder Art als Kampfplatz für ihre großen 
peste und trägt so mit dazu bei, den Namen 
Berlins als Sportstadt ersten Ranges zu festigen. 
Art Pferderennlrahnen besitzt Berlin neben der 
herrlichen Orunewald - Rennbahn, in deren Ge 
lände das Stadion eingebettet ist, noch die Renn 
bahnen zu Hoppegarten, Karlshorst und 
Strausberg, an Trabrennbahnen diejenigen in 
Mariendorf und Ruhleben. ln Hoppegarten 
und Strausberg ist seit Beginn des Krieges 
der rennsportliche Betrieb 
eingestellt worden, da es der 
Eisenbahnbehörde infolge der 
großen Kohlennot nicht mög 
lich gewesen ist, die zu er 
wartenden gewaltigen Men 
schenmassen hinauszubefördern. 
Die Orunewald-Bahn und 
Karlshorst haben daher die 
Abhaltung der Hoppegartener 
und Strausberger Rennen mit 
übernehmen müssen, nicht zum 
Nachteil der Vereine, die auf 
diese Weise volle Häuser und 
große Einnahmen hatten. 
Von den Trabrennljahnen hat 
Ruhleben während des Krieges 
als Internierungslager für die 
Engländer gedient und ist erst 
im vorigen Jahre seiner ur 
sprünglichen Bestimmung wie 
der zugeführt worden. Es ist 
der Schauplatj der Traber- 
Derbys und erfreut sich großer 
Beliebtheit beim Publikum. 
Auf dem Gebiet des Rad 
rennsports sind die alten 
Bahnen in der Brückenallee, 
>n Halensee, am Kurförsten- 
Pfiot.; A. Gross. 
Trf. StoeBr, die Siegerin im DisRuswerjen 
Beim Trauen- undMädcBenturnfestin Berfin. 
Pfiot.: A. Gross. 
Auf der Ofympiaßafn: Der Unfair eines Aiotors tvird mit 
Sand geiöscBt. 
Phot.: A. Gross. 
Der siegreide Aditer von der Rudervereinigung 1887 Bei der Ruder - 
regatta in Grünau. 
dämm, in Friedenau und Steglifj durch die in 
Treptow und J^lötjensee (Olympia - Bahn) 
abgelöst worden. Besonders die kleine 
Treptower Bahn, die im Volksmunde als 
Nudeltopp“ bezeichnet wird — eine 
Anspielung auf ihre geringen Aus 
maße — ist außerordentlich populär 
und neuerdings an Renntagen stets 
ausverkauft, ein weiteres Zeichen da 
für, daß Sport und Wettkampf lieute 
ein Bedürfnis für die Massen sind. 
Alser auch an anderen Sport 
gelegenheiten fehlt es nicht. Fuß 
ballplätze, vielleicht fünfzig an der 
Zahl, Hockeyplätje, Leichtathletik- 
bahnen, Ruderklubs mit stattlichen 
Bootshäusern an Oberspree und 
Wannsee, zumindest hundert an Zahl, 
und eine stattliche Anzahl von Segel 
vereinen sorgen dafür, daß das Sport- 
bedürfnis unserer Jugend nicht un 
befriedigt bleibt. Ausgezeichnete Tennis 
anlagen, darunter an erster Stelle die 
inustergültige Anlage des Lawn-Tennis- 
1 urnier-Klubs (rot-weiß) im Orunewald, 
die neuerdings noch durch einenMeisterschatts- 
plafj vervollständigt worden ist, zahlreiche 
Gelegenheiten zum Schwimmen, die Versuchsanstalt 
für Handfeuerwaffen in Halensee zum Schießen, 
und schließlich der Platz des Golf-Klubs 
Berlin an der Spandauer Chaussee bieten 
auch den Freunden dieser Sportszweige 
Gelegenheit, sich zu betätigen. 
An sehr vielen Schulen be 
stehen seit Jahren Schülerruder 
vereine, deren Mitglieder an 
jedem Sonnabend und Sonn 
tag hinausfahren und auf den 
landschaftlich wunderschönen 
Havelseen oder an der Ober 
spree ihre Muskeln stählen. 
Aber auch die weibliche 
Jugend findet immer Freude 
an Turn- und Sportspielen. 
Hunderttausende jugend 
licher Sportslente stehen ali- 
sonntäglich bereit, sich in 
fröhlichem, freundschaftlichem 
Kampfe miteinander zu messen. 
Ihre Begeisterung ist der 
Pulsschlag frischen, hoffnungs 
vollen Lebens, jener Puls- 
schlag, dessen wir so dringend 
bedürfen, um uns körperlich 
wie geistig zu retten aus den 
trüben Niederungen der Ge 
genwart in eine frohe Zukunft. 
Eine solche Mission mit er 
füllen zu helfen, ist auch die 
Sportstadt Berlin berufen. 
Hanns Gotenius,
        
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