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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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IM REICHE DER TÖNE 
on der Sonne des Glücks beschienen war bisher der künstlerische Lebensweg 
von C 1 a i r e Dux. Als ganz junges Mädel kam sie in die Schule von Adolph 
Deppe, in der sie die Grundlage für ihr durch und durch solides Können 
legte, das sie später befähigte, nicht nur im Bühnen-, sondern auch im 
Konzertgesang gleich bedeutendes zu leisten. Ihr erstes Engagement 
führte sie an das Kölner Stadttheater, dem sie drei Jahre angehörte 
und wo sie sich die Gunst von Publikum und I resse in dem Maße 
erwarb, daß die Berliner Oper auf sie aufmerksam wm de und sie 
im Jahre 1911 an ihr Institut fesselte. Hier hat sie sich dann nach 
und nach voll ausleben können und ist zu einer Künstlerin von 
internationalem Ruf herangereift. Ihre Hauptrollen sind Mozart sehe 
Frauengestalten; und wer sie als »Gräfin« oder «Susanne« in 
»Figaro's Hochzeit“, als »Pamina« in der »Zauberflöte« diesem 
Prüfstein aller Jugendlich - Dramatischen — oder als »Zerline« 
im »Don Juan« gehört hat, wird unvergeßliche Eindrücke 
empfangen haben. Aber auch als »Eva« in den »Meistersingern« 
schuf sie eine liebreizende, auch gesanglich die Rolle erschöpfende 
Gestalt, und ihre »Mimi« in Puccinis »Boheme«, »Nedda« in 
»Bajazzi« und »Sophie« im »Rosenkavalier wurden viel bewun 
dert. Daß sie außerdem im Konzertsaal »ihren Mann steht«, 
beweist die ausgezeichnete Schule, durch die sie gegangen, denn 
gerade der Konzertgesang verlangt eine durchaus verfeinerte Kultur, 
bei der es eben nur auf Kantilene und Ausdruck ankommt, losgelöst 
von dem, das auf der Bühne vom rein Gesanglichen abzieht. Hier 
wird man sich der Süße ihrer 
Stimme,diedochderKraft nicht 
entbehrt, ebenso bewußt, wie 
der Fähigkeit, sie in allen 
Nuancen gleichmäßig aus 
strömen zu lassen, so daß 
das Ohr sich gern mit 
diesen Tönen sättigt, 
ln neuerer Zeit verließ 
Phot.: Sinder, 
H*t,; Seien Rer. 
Verlag; 
V. E. Mörlins. 
Valerie Doop. 
Claire Dux die Staatsoper 
und ging zur — Operette; 
wenigstens sang sie mit ausge 
sprochenem Erfolg im Metropol- Biraitt EttaeiT 
teaterdie Titelrolle in Emmerich 
Kalmanns »Hollandweibchen«. 
Von anderrn Schlage — durch und durch Temperament und 
Leidenschaft — ist Barbara Kemp, die unbestrittene erste 
dramatische Sängerin der Berliner Staatsoper. Von Breslau ging 
ihr Ruhm aus, nachdem sie bei Franz Zimmermann in Berlin ihre 
Gesangstudien beendet hatte. Aber erst in Berlin, wo sie alle 
ihrer Eigenart entsprechenden bedeutenden hochdramatischen 
Partien zu singen hatte, konnte sie sich ganz entfalten und ent 
wickelte ihre große Persönlichkeit, die sie zu dem machte, was 
die Kunstwelt an ihr bewundert. Ihr vorzüglich gebildeter Sopran 
hat großes Klangvolumen, trügt gut und ist der mannigfaltigsten 
dynamischen Nuancen fähig; dabei ist sie so musikalisch, daß bei 
ihrem Gesang auch nicht die leisesten Schwankungen Vorkommen, 
was namentlich bei musikalisch schwierigen modernen Rollen be 
sonders ins Gewicht fällt. Steht sie auf der Bühne, so ist man in 
ihrem Bann, und sogenannte leere Stellen kommen bei ihrer Dar 
stellung nicht vor. Ihre Wandlungsfähigkeit ist unbeschränkt, jede 
Rolle bedeutet für sie und den Genießenden einen neuen Menschen 
voll innerster Leidenschaft, lebensvoll und hinreißend im höchsten Sinne. 
Ihre »Carmen«, »Aida«, »Senta«, ihre »Salome«, (wobei sie den Schleier 
tanz selbst ausführt!), ihre »Mona Lisa« sind unerreichte Gestalten 
moderner Bühnenkunst, wie sie in allen Zeitläufen nur ganz selten Vor 
kommen; und wer die große F-Dur-Arie ihrer »Donna Anna« gehört hat, 
wird ihr auch die Palme, die die große Sängerin in ihr verdient, gern reichen. 
Ist die Tätigkeit dieser beiden Künstlerinnen vornehmlich der Bühne gewidmet.
        
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