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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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Sommerkleid 
aus gestreiftem Seidenvoile mit 
weißem GfasBatist zu so m mengest eift. 
Glochenhut aus weißem Tagal mit 
RipsBand. 
(Modelt: Vereinigte Modehäuser 
Gersott - Prager, Hausdorjf.J 
es oben und an den Ärmel- 
chen mit einer Seidenblende 
eingefaßt ist. So braucht bei 
Wahrung der Dehors das 
Rückendecollete nicht auf 
gegeben zu werden, und der 
sommerlichen Luftigkeit wer 
den weitgehende Konzessio 
nen gemacht. Wahrlich eine 
neuerliche, doppelt erleich 
ternde Tat der Mode. 
Auch die Ärmel sind eini 
germaßen Beachtung wert, 
oder richtiger gesagt,siesind 
das Beachtenswerteste an 
den Taillen, und das ebenso 
wohl ob ihrer Kleinheit wie 
ob des Gegenteils. Hierkaum 
handbreit, knapp gehalten 
aus irgendeinem hauchdün 
nen Material, oder ein kaum 
wahrnehmbares Püffchen 
bildend, dort bis zu den 
Fingerspitzen herabreichend 
und kaum enger als ein 
Röckchen.anandererStelle in 
verschlungene Zipfel auslau 
fend oder in Gestalt weiter 
Kinderärmel gehalten, die 
noch weitere, breite Umschlä- 
ge aus weißem Krepp Geor 
gette begrenzen. All das 
stellt überall und immer 
große Anforderungen an die 
Grazie der Trägerin, ist aber insbesondere am gedeckten 
Tisch, zwischen Saucieren, Kompott- und Salattellerchen 
ein herber Prüfstein für die Manieren. 
Weil dem so ist, deshalb bin ich eine ausgesprochene 
Gegnerin all dieser aparten Armdekorationen, sobald 
sie das Terrain der hohen Eleganz verlassen. Daß schon 
die Invasion des halblangen oder noch kürzeren Ärmels 
des Guten zuviel ist, davon überführte mich unter an 
derem die vieltausendköpfige Menge an einem Sonn 
tagsrennen im Grunewald. Der Anblick all der tausend 
und aber tausend nackten, prallen, sonnegeröteten Arme 
war überwältigend! Er allein, ohne die Mithilfe der 
auf dem legendär eleganten grünen Rasen placierten, 
mit Kaffeekannen und Weinkübeln 
beladenen Tische, umgeben von 
rauchenden Frauen, hätte genügt, um 
den Eindruck einer Kirmes aus 
zulösen. 
Es ist eben fatal, daß der kurze 
Ärmel im Freien nach dem langen, den 
Arm in zwanglosen Falten umspielen 
den Lederhandschuh verlangt. Eben 
so wie sein Fehlen selbst das ele 
gante Kleid jeder Eleganz beraubt, 
so genügt sein Dasein in besonders 
guter Form, um einem einfachen 
Kleid zu doppeltem Ansehen zu 
verhelfen. 
Von der luftigen Sommerüber 
raschung in Gestalt der Organdin 
kleider ist schon so viel gesprochen 
worden, daß man meinen könnte, 
sie würden Hans in allen Gassen sein. 
Wo sich jedoch ein Funken Über 
legung mit Geschmack paart, weiß 
Rosa GfasBatist gefttidit mit weißen 
MilcBperlen und Plisseegarnitur. 
Breiter, 
schwarzer, vorn aufgeschlagener 7aft hu t 
mit Tlügefgarnitur. 
(Modelt: Ch. Drecolt. J 
Glocke aus schwarzem Samt mit Spitzenrand 
und Blumengarnitur. 
man, daß diese Kleider 
nur für hohe Luxuszwecke 
bestimmt sind, und wäre 
es nur deshalb, weil sie 
täglich nach dem Plätt 
eisen verlangen und dem 
Waschfaß durchaus feind 
lich gegenüberstehen. Der 
Reiz des Organdin — an 
ders gesagt Glasbatist — 
besteht in seiner eigen 
artigen Appretur, die beim 
Waschen verschwindet. 
Wird das Kleid dann ge 
stärkt, dann sieht es ab 
scheulich aus, wird es 
nicht gestärkt, dann fällt 
es weich, ebenso wie 
jedes Batistkleid. 
Das Organdinkleid ist 
also höchster Luxus, und 
zugleich höchste Apart 
heit, schon deshalb, weil 
es, wie ich aus Paris höre, 
selten weiß, vielmehr in 
diversen Pastelltönen für 
die französischen See 
bäder ausgeführt wird. 
Die weißen Kleider wer 
den in der Regel mit 
buntem Aufputz versehen, 
die bunten mit weißem, 
sei es in Gestalt von 
schmalen getollten Vo 
lants oder Spitzchen, oder in der eines ulkigen Zier 
rats, der derselben Epoche entnommen ist wie das vo- 
lantierte Mullkleid selber und sich in Form kleiner, 
spitziger aus Stoffblenden gebildeter Zacken oder großer 
Langetten präsentiert. 
Noch luxuriöser sind die aus Spitzen und Krepp 
Georgette oder Tüll kombinierten Kleider, sei es, daß 
sie weiß sind oder bunt, denn abermals sucht uns die 
lange vernachlässigte bunte Spitze heim. Man hört 
sehr viel von „spanischer Blonde“ reden, und fast 
wurde die Bezeichnung zum geflügelten Wort, das von 
Lippe zu Lippe eilt, obwohl die aller, allerwenigsten 
wissen, was sie sich darunter vorzustellen haben. Sic 
werden gestickte deutsche Tüll 
spitzen tragen und meinen, es seien 
spanische Blonden, obwohl die ein 
zige Ähnlichkeit zwischen den beiden 
darin besteht, daß ein für die echte 
Blonde typisches Detail der Zeich 
nung, eine große, runde Blume, 
vielfach nachempfunden wird. Doch 
das soll uns nicht weiter zu denken 
geben. Die gestickte Spitze ist 
ein sehr hübscher deutscher Mode 
artikel, der für die ausländische 
gewebte Spitze sehr guten Ersatz 
bietet. 
Zu all diesen duftigen Sommer 
toiletten gibt es originelle Sonnen 
schirme aus Seide und Chiffon mit 
kostbaren Spitzen und künstlichen 
Blumen verziert. Als Griff dienen 
Elfenbeinknöpfe, die mit bizarren ja 
panischen Schnitzereien versehen sind. 
Sämtliche HiitinodellevouGerson-Prager, Hausdorjf.
        
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