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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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klopfendem Herzen 
die Spatenstiche, um 
nicht einzuschlafen. 
Ohne Fleiß kein Preis, 
und Arbeit schändet 
nicht. Ich bin nicht 
so hochnäsig wie meine 
Frau, die nur zum 
Erntefest kommt; ich 
liebe meine Scholle, 
die mich so restlos 
glücklich und so er 
quickend müde macht. 
Wenn ich auch abends 
wie ein Mehlsack in 
mein Bett falle und 
morgens nicht auf 
stehen kann, so habe 
ich doch erstens den 
Vorteil, daß ich mit 
meiner Frau nicht zu 
reden brauche, und 
zweitens die Hoffnung 
auf die köstlichsten 
Delikatessen, sofern ... 
sie geraten sollten. 
Was Mutter Erde be 
schert, .... ist mehr 
alstausend Küsse wert! 
Mansagtgewöhnlich, 
Liebe macht erfinde 
risch; ich erlaube mir das Postskriptum: Gartenarbeit 
macht erfinderisch. Und das mit Recht; ich bin ein 
heller Kopf geworden. So 
habe ich mir zum Beispiel 
auf meinem Balkon eine 
Filiale und Versuchsstation 
errichtet und mache mit 
richtigem* frischen Dung die 
schönsten Experimente. Mein 
Hauswirt hat mir dafür zwar 
gekündigt, doch hoffe ich, 
ihn mit Hilfe einer Hand 
voll frischer Schoten wieder 
umzustimmen. Marconi hat 
die drahtlose Telegraphie 
auch nicht aus der Luft gegriffen, und ebensowenig 
kann ich Spinat mit Eau de Cologne zur Blüte bringen. 
JTloito: 
Was J^errn von Chik 
panieren kann! 
tfranj fagt: das Oberhemd tit$t 
heut tip top!— <Jff j'a auch von 
Edm.Wün£ch 
Jherren - Q usttattungerw 
heipzi'gerfir. 101-10Z 
Dümmer wird man 
auf keinen Fall, wenn 
man in die Seele der 
Natur hineinschaut. 
Ich weiß jetzt wenig 
stens, daß man dem 
Hahn keine Porzel 
laneier unterzulegen 
braucht und daß man 
die Karnickel zusam 
mensperren muß,wenn 
man im Herbst Hasen 
braten essen will. 
Ich kann die Reseda 
vom Rosenkohl unter 
scheiden und werde 
mich schwer hüten, 
Kümmel und Mai 
glöckchen auf einem 
Beet zu säen. Wenn 
meine Familie auch 
behauptet, daß ich 
ein Proletarier ge 
worden wäre, so will 
ich mich doch lieber 
in Hemdsärmeln satt 
essen und auf den 
Titel eines Kavaliers 
verzichten, als mit 
breiter Hutkrempe 
und zu kurzen Hosen 
über den Kurfürstendamm zu laufen und nicht einmal 
zu wissen, mit was für Bäumen er bepflanzt ist. 
Natur, Natur, du bist 
das Glück, 
Drum kehr! ich gern zu 
dir zurück 
Und möcht’ an deinem 
Busen rasten 
So wie der Ochs am 
Futterkasten, 
So wie die Kuh auf ihrer 
Wiese, 
Wie Adam einst im 
„Paradiese!“ 
dhloßifouw 
Cjcnerulftcpct Berlin X 39 Xindcwerftr. 24- 
Der Jal( Jotstihoff 
Neuheit 1 
Neuheit! 
Kriminal-Roman von Hurt Marti!) 
Preis vornehm gebunden 10.— M. 
Dieser Roman der Operndiva Marga Toistikoff ist 
ein Kabinettstück rcifsiei Erzählung skunst Der Effekt 
liegt in der Realität der Vorgänge, in der Natürlich 
keit der Gest, hen und in dem unvergleichlich 
preketden, hochdramaiisciun Aufbau der Hai d- 
lung, die alle Leser in atemloser fcpannung hält 
v Z Il“d ? N e achn"v UTläQ ÄUFOFÜ W.l^hU b.’D.edvn 
DefeHtive-Ausltunffei JerSieger" 
A. Trepplln 
BERLIN SW 48, Bßsselslrasse 3 
Telephon: Moritzolatz 14092 
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