Path:

Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

Glauben sicher, ich sei so eine . . (stampft mit dem 
Pul? auf, vergräbt ihren Kopf in den Kissen; nach 
einer Weile) es geschieht mir schon rechi . . . (sie 
schluchzt). 
Der Herr (einschmeichelnd): Aber Evchen, ich 
zweifle doch keinen Augenblick daran, dal? Sie ein 
liebes unschuldiges Mädel sind dal? nur zu mir 
kam, um mit mir Musik zu treiben, himmlische Musik — 
gelt, Evchen — und leicht, weiß Gott, haben Sie es 
mir nicht gemacht! 
Das unschuldige Mädel (schüttelt ungläubig den 
Kopf. 
Der Herr (erhebt sich leise, geht von der anderen 
Seite um den Tisch zum Kopfende des Diwans, 
streicht zart über ihr Haar): Evchen, wollen Sie — 
Klavierspielen? (Er will die Mappe herbeiholen.) 
Das unschuldige Mädel (hält ihn auf): Nein — 
nein! Ich kann jcfet nicht spielen, und dann — ich 
schäme mich auch, Sie lachen mich sicher aus — — 
(ablenkend) — — — sagen Sie mal, die schönen 
Bilder an den Wänden sind das alles Photographien 
von Ihren — — Freundinnen? 
Der Herr (sinnend): Es waren einmal meine 
Freundinnen junge Mädchen — unschuldige — 
verdorbene — sinnliche — und habgierige — sogar 
eine verheiratete Frau, es ist lange her — — sie 
haben mich alle verlassen — 
Das unschuldige Mädel (wißbegierig): Ist es nicht 
auf die Dauer langweilig, immer neue Frauen zu ver 
führen (verschämt) und schließlich ist es für 
den Mann immer das gleiche — — 
Der Herr (noch immer tief in Gedanken); Im 
Gegenteil, Evchen (sich besinnend) daß heißt, so 
lange es nicht die richtige Frau ist, schon; bis dahin 
bildet halt jedes Erlebnis nur ein kleines, an sich ganz 
unscheinbares Sternchen für das farbenprächtige Mo- 
soikbild des „großen Lebensglückes“ — 
Das unschuldige Mädel (näher rückend); Wie 
müßte denn die Frau aussehen, die Sie so glücklich 
machen könnte? 
Der Herr (lächelnd): So wie Sie — kleine Eva! 
Das unschuldige Mädel (züchtig): Ich bin noch 
so jung . . . 
Der Herr (neigt sich über das unschuldige Mädel, 
will cs küssen; 
sie wendet ihren 
Kopf ab, hält den 
Herrn mit beiden 
Händen krampf 
haft von sich ab; 
sie ringen eine 
kurze Weile — 
endlich gibt er 
sie frei). 
Das unschul 
dige Mädel (vor 
dem Spiegel ihr 
Haar ordnend — 
noch ganz außer Atem): Wie ich Sie hasse — Sie 
böser — hinterlistiger — — — 
Der Herr (eilt aufsie zu): Eveline — ich vergaß mich ! 
Verzeihen Sic mir noch einmal (er zieht sie an sich), 
Das unschuldige Mädel (sinnlich): Sie glaubten 
wohl, ich sei so leicht zu verführen . . ? 
Der Herr (überrascht): Eva! Warum quälst Du 
mich so — 
Das unschuldige Mädel (entwindet sich ihm von 
neuem): Mein Herr, Sie vergessen, wen Sie vor sich 
haben! Im übrigen muß ich jet?t gehen (sie reicht 
ihm ihren Mantel). 
Der Herr (enttäuscht — sehr kühl); Wie Sie be 
fehlen! (Er hilft ihr in den Mantel). 
Das unschuldige Mädel (vorwurfsvoll); Nicht ein 
mal Klavier spielen haben Sic mich lassen!- Wie 
hinterlistig diese Männer sind!! 
Der Herr (versöhnlich); So lassen Sie wenigstens 
Ihre Mappe hier was haben Sie eigentlich zum 
Spielen mitgebracht? (Will die Mappe öffnen). 
Das unschuldige Mädel (entreißt ihm die Mappe): 
Nicht doch —! Ich komme ja doch nicht wieder! 
Der Herr (sucht die Mappe wieder an sich zu brin 
gen): So behalte ich eben die schöne Mappe als Pfand. 
Das unschuldige Mädel: Unterstehen Sie sich! — 
Sie können übrigens doch nichts damit anfangen t 
(Lacht hell auf.) 
Der Herr (träumerisch): Ich werde Ihre Lieder 
0 
spielen und an Sie denken 
Das unschuldige Mädel: (sich aufs parlamentiercn 
verlegend): Seien Sie doch bitte vernünftig und geben 
Sie mir meine „Musik“! 
Der Herr; Wenn Sie mir versprechen, lieb zu sein 
und bei mir zu bleiben! 
Das unschuldige Mädel (lockend): Vielleicht , . 
Der Herr (greift nach der Mappe). 
Das unschuldige Mädel (läßt die Mappe plöfclich 
fallen, wirft sich dem Herrn an den Hals); Du! Du! Ich 
bleibe — —! 
Der Herr (zärtlich): Willst du mir jet?t nicht ver 
raten, was so geheimnisvolles in deiner Musikmappe 
ist??! 
D.u.M.: Was 
meinst du wohl? 
Der Herr(un- 
sicher; Noten 
? 
Das unschul 
digeMädel (lacht 
hell auf); Aber 
Schat? — mein 
Nachthemd 
doch — für alle 
Fälle!! (Sie löst 
ihr Haar), 
22 
/V
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.