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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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nähme zweier, die an Schweden fielen, sämtliche Preise. 
So erwiesen sie sich dann auch in Berlin als erheb 
lich besser. Wir werden hier noch manches lernen 
müssen. 
denn am Ostermontag auch die Olympia-Bahn dicht 
gedrängt voll, und Lewanow, der den Großen Olympia- 
Preis, ein Dauerrennen über 80 km in zwei Läufen, 
gewann, konnte nach seinem Siege, mit Kranz und 
Schleife geschmückt, in Begleitung seines Schrittmachers Eine dritte internationale Begegnung brachte der 
Geppert die Ehrenrunde fahren und den neuerdings so volkstümlich gewordene 
Beifall der Tausende entgegen Boxsport mit dem Kampf un- 
nehmen. Wittig, Bauer und seres Schwergewichtsmei- 
Saldow waren die an- Hans Breiten- 
deren Matadoren, wäh 
rend der frühere 
Europa - Meister 
Stellbrink nur 
noch ein Schat 
ten der einsti 
gen Größe ist. 
Rütt und Lorenz 
fehlten; sie wei 
len noch immer 
im Lande der so- 
genanten Freiheit, 
in dem die Freuden 
des Lebens durch das 
uns arme geknechte Barba 
ren geradezu lächerlich anmutende 
Alkoholverbot ja stark herabgemindert 
werden. Wie verlautet, werden sie drüben noch ein 
paar weitere Sechstagerennen bestreiten und dann 
dollarbepackt, mit fremden Schätzen reich beladen, wie 
einst die alten Griechen von Troja zu den heimischen 
Gestaden zurückkehren. 
Internationale Sportbeziehungen wurden auch in den 
Ostertagen aufrechterhalten. Eine holländische und eine 
dänische Fußballmannschaft spielten in Berlin und 
wurden beide geschlagen, die Holländer von Preußen 
mit 2:1 und von Norden-Nord-West mit 1:0, die 
Dänen von Hertha mit 3 : 1. Beide Länder hatten nicht 
ihre Besten entsandt, sonst wären die Spiele wahr 
scheinlich anders ausgefallen, denn sowohl im Lande 
des vollfetten Edamers als auch in dem der Gulasch 
barone wird gutes Fußball gespielt. Das haben sogar 
die Engländer schon wiederholt zu ihrem Leidwesen 
erfahren müssen. 
Auch im Arnateurringkampf gab es eine internationale 
Begegnung. Finnische Ringer maßen sich am Karfreitag 
mit deutschen und zeigten ihre große Ueberlegenheit. 
Der finnische Sport 
typ ist weltberühmt. 
Kolehmainen.derMa- 
rathonsieger bei den 
Olympischen Spielen 
1920 und beste Läu 
fer aller Zeiten, neben 
ihm hervorragende 
Speerwerfer wie 
Myrrha, Diskuswer 
fer wie Taipale und 
Nikiander haben den 
Finnländer den be 
sten Sportsleuten der 
Welt ebenbürtig an 
die Seite gestellt. Bei 
den vor jährigen Welt 
meisterschaftskämp 
fen in Antwerpen ge 
wannen die Finnen 
im Ringen mit Aus 
sträter gegen den 
riesigen Engländer 
Tom Cowler. Der 
Kampf war — 
dies sei voraus 
geschickt — un 
gleich. 
Der Engländer, 
14cm größer und 
36 Pfund schwe 
rer als sein Geg 
ner, siegte über 
legen durch Knock 
out in der zweiten Runde. 
cn . Der tapfere Deutsche erlag 
U Clerron in ihrem „Szawe“-W fl 8 dem überwältigenden Gewicht 
seines Gegners, obwohl er mit bewun 
dernswerter Bravour in den Kampf ging. Breiten- 
sträter ist noch zu jung und zu leicht, um schon jetzt 
mit derartigen „Kanonen“ zusammengebracht werden 
zu können. Und Tom Cowler ist eine solche Kanone; 
er hat sich mit den Besten der Welt gemessen und 
manch einen von ihnen besiegt. In England will nie 
mand mit ihm in den Ring gehen. Breitensträter war 
weniger ängstlich und klug und mußte daher die Bitter 
nisse einer Knockout-Niederlage kennen lernen. 
Als der siegreiche Tom Cowler den Sportpalast in 
der Potsdamer Straße, in dem der Kampf vor einer 
nach Tausenden zählenden Zuschauermenge stattge 
funden hatte, verließ, stockte für zehn Minuten der ge 
samte Verkehr. Dichtgedrängt über Bürgersteig und 
Fahrdamm stand die neugierige Menge; Straßenbahn 
wagen stauten sich, und selbst die bewährte Sipo ver 
mochte keine Ordnung zu schaffen. Der riesige Eng 
länder rettete sich schließlich in irgend ein Gefährt und 
entzog sich weiteren Ovationen. 
Aber noch bis in die Nacht hinein standen Gruppen 
diskutierender Men 
schen vor dem Sport 
palast und stritten 
darüber, ob Breiten 
sträter durch einen 
Haken oder Schwin 
ger, einen Rechts 
oder Linkshänder be 
siegt worden sei. 
Kurz, es war ein Er 
eignis . . . 
Abseits von diesen 
großen Sportereig 
nissen erblüht mit der 
immer wärmeren 
Sonne auch der Auto 
sport zu neuem Le 
ben: auf allen Land 
straßen rasen die 
neuen Karosserien 
vorüber. Kurt Doerry. 
Cowler und Breitensträter.
        
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