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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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Einen Ausschnitt wirklich eleganter Mode 
— ich kann nicht umhin, es den orakelnden 
Verkäuferinnen nachzutun und zu sagen, 
es war Pariser Mode — sah ich kürzlich 
gelegentlich einer Redute, in dem am 
Kurfürstendamm gelegenen Heim eines 
bekannten Berliner Gelehrten, von einem 
Kreis auserlesen hübscher, und zumteil 
auch sehr hochstehender Frauen demon 
strieren. Das sehr dunkel abgestimmtc 
Modebild mutete fast wie ein Protest an, 
gegen das von der breiten Allgemeinheit 
zur Schau getragene, es markierte gleich 
zeitig eine gewisse Distanz und war ein 
neuerliches Bekenntnis zu dem in einer 
gewissen Gesellschaftssphäre nun schon seit 
mehr denn zehn Jahren geltenden Dogmas 
der schwarzen r oder tiefdunklen Kleider, 
mit aufgesetzten hellen, manchmal jauch 
grellen Lichteffekten. Unter ^anderen 
Ioilettenbewies das einesolche aus schwar 
zer Charmeuse, an der mehrere 
Reihen eingekräuseltcr, nattierblauer 
Ripsbändchen eineArt vonnur hinten 
liegendem, breitem Gürtel bildeten, 
auf der Hüfte mit Rosetten ab 
schließend, von denen zahlreiche 
Bandenden herabfielen. An die ganz 
kurzen Ärmel des einfachen, lang- 
tailligen Leibchens fügten sich ganz 
weite Ärmel aus blauem Krepp- 
Georgette an. Eine andere schwarze Charmeusetoilette 
war mit weißem Krepp-Georgette derart zusammengestellt, 
daß aus Ihm eine Art Meßgewand en miniature gebildet 
war. Als Vervollständigung diente ein großer, schwarzer 
Seidenhut, dessen flache Krempe die Llaare eines Streifens 
Affenfell überragte. Die charmante Hausfrau trug eine 
Toilette aus blau-grün diangierendem Taft, denn das Haus 
kleid — welchen Grades es auch sei — darf sich 
unter allen Umständen etwas Farben 
freudigkeit gestatten. 
Und zwischen den seidenen oder 
aus Seide und Wolle kombinierten 
Nachmittagskleidern sind Kostüme 
durchaus angebracht, weil mit 
Verständnis und Eleganz getragen, 
also auch durch die richtigen Hüte 
komplettiert. Als sehr hübsch fiel 
mir auf ein großer schwärzet 
Pikothut, dessen Krempe mit 
einer grünen, geklebten Federn 
bordüre eingefaßt war, sowie ein 
schwarzer, stark in die Breite 
gezogener Hut, auf dessen 
äußersten Ecken zwei Rciher- 
locken thronten, und ein Chi 
nesenhütchen aus gebranntem, 
glaciertem altrosa Taft. 
Die Kostüme waren alle dunkel, 
ebensogut hätte aber einer der 
modernen Beigetöne in den 
Rahmen gepaßt, während ein 
beliebiges der modernen, leuch 
r 
Stilkleid aus großkarr/ertem Taft mit feinpfissiertew 
Unterkleid aus Krepp* Georgette. 
Neue Bluse mit ungegliedertem Gürte!aus demselßen 
Stoff wie der Bock. 
CM o d e II e aus dem hause C ft. D r e' c o II) 
tenden, karrierten oder buntgestreiften 
Kostüme sich fast wie ein unpassender 
Aprilscherz ausgenommen hätte. 
Ich möchte nicht etwa den Stab über 
die bunten Kostüme brechen — durchaus 
nicht, ich will nur sagen, daß sie nicht 
in den Rahmen eines eleganten Salons 
passen. Sie sind der Inbegriff des »out 
of doors-Anzuges«, das Hauptfeld ihrer 
Betätigung ist daher der Badeort, denn 
dort sind wir ja immer unterwegs. Manch 
mal ist nur der Rock buntgestreift, glatt 
oder plissiert und die Jacke ist uni, manch 
mal auch bestehen beide aus gemustertem 
Stoff. Je lebhafter und heller die Farben 
stellungen sind, umso weiter entfernen 
sich die Kostüme von großstädtischer 
Eleganz. 
Zu ihrer Komplettierung — die natür 
lich auch auf andere Kostüme anwendbar 
ist - brachte die Mode eine ebenso 
sinnvolle als hübsche Neuheit heraus. 
Sie besteht in Seidenblusen in der 
selben Farbe wie der Rock, oder 
etwas heller, denen nach Art der 
Jümper ein breiter, mit dem Rock 
harmonierender Gürtel angegliedert 
ist. Wenn dies ein neuer idealer 
»Kleiderfolg« ist, so gibt es auch 
einen neuen »Kostiirnersa^«. 
Kostümersatz? Ja. Wir wurden 
bekanntlich so groß im Erfinden von Ersa^, nur leider, 
leider, daß gerade dieser nicht auf heimatlichem Boden 
entstand. Wir hätten gar nichts dagegen, wollte er bei 
uns Paternitätsrechte geltend machen. Er stammt aus 
Paris, es gibt keinen Zweifel, obwohl er unstreitig etwas 
bastardhaftes an sich hat, unbeschadet dessen er sehr originell 
ist, denn bei den Kleidern gehts nicht wie bei den Hunden. 
Der Kostümersatz hat ein wenig vom Nach 
mittagskleid und ' ein wenig von dem 
des Vormittags an sich. So ein 
•ichtiges, einfaches Laufkleid stellt 
er nicht dar. Man denke sich 
ein Kittelkleid, oder einen durch 
eine Bluse besagter Ausführung 
komplettierten Rock, zu dem ein 
einfaches Cape oder eine schal- 
artige Umhülle gehört. Das 
Cape ist weiß, nur ein langes, 
rechteckiges Stück Stoff, das, 
doppelt liegend, an einer Ecke 
abgerundet wird. Meist ohne 
Futter und ohne Kragen, würde 
es unfehlbar sofort herabgleiten, 
hätte es nicht zwei Einschnitte 
zum Durchstecken der Arme. 
Ulkiger sind die Schalumhüllen. 
Ganz gerade Stoffstücke, mittels 
einiger Knöpfe auf der Achsel 
befestigt, mandunal schmal, 
manchmal von imposanter Breite. 
Sehen Sie zu, meineDamen, was Sie 
mit diesem Stoffstück anfangen!
        
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