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Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

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ein Weib, um das sich die bunten Schlangen hitziger 
Phantasien winden. 
Auf der Tauentzienstraße ging sie in ein Geschäft, 
während der dicke Herr draußen wartend auf und ab 
ging. Klinke tat das gleiche, dabei überlegend, wie er 
sie kennen lernte, ohne Anstoß zu 
erregen. 
Mitten in seine Reflexionen schob 
sich da ein alter Bekannter, dessen 
Erscheinen Klinke im Augenblick 
sehr störend empfand. 
„N’Tag, Klinke“, sagte der freund 
lich. „Guten Tag“ erwiderte Klinke 
bedeutend kühler. „Nanu, so ver 
schnupft“ meinte der Andere. „Lieber 
Freund“ sprach . Klinke nicht ohne 
Tiefsinn. „Wir sind Sklaven unserer 
Stimmungen!“ 
Der gute Bekannte fühlte sich 
nicht berufen, Erörterungen an diesen 
philosophischen Ausspruch zu knüpfen. Da Klinke 
während der ganzen Zeit, da er sprach, den wartenden 
dicken Herrn fixierte, fragte er: 
„Sagen Sie doch, lieber Klinke, was interessiert sie 
an dem Getreidehändler Fröhlich? Ich kann an dem 
Mann nichts Sehenswertes 
„Nein, bei meiner Ehre!“ Klinke hob die Schwur 
finger. Darauf der gute Bekannte etwas ironisch: „Da 
es sich um eine reine Liebe handelt, wage ich keinen 
Einwand mehr,“ Klinke erhob biltend die Hand des 
Andern. „Lieber Freund, wie bekomme ich die Tochter? 
Sie würden sich meine ewige Dank 
barkeit erringen, wenn Sie . . .“ 
„Obgleich ich an ewige Dankbar 
keit nicht glaube, will ich Ihnen einen 
Wink geben. Alle Welt weiß, daß 
die Ehevermittlerin Hornbein für die 
Tochter Fröhlichs einen Prinzgemahl 
sucht. Gehen Sie hin, Sie werden 
mit offenen Armen aufgenommen 
werden.“ 
„Ein unwürdiger Weg“ knurrte 
Klinke, „jedoch der einzige!“ 
„Hals und Beinbruch“ sagte der 
Bekannte lachend, drückte Klinke 
kondulierend die Hand und ging fort. 
Klinke begleitete Herrn Fröhlich und das entzückende 
Wesen, das bald darauf erschien, nach Hause. Er be 
fleißigte sich eines Mindestabstandes von 10 Schritten. 
In Gedanken allerdings erreichte er weit größere Nähen. 
Juwelen, Schmuck- und Pelzsachen 
finden.“ 
Klinke wurde ganz auf 
geregt. 
„Wie Sie kennen den 
dicken Herrn dort?“ 
„Wie ich sagte, es ist 
der Getreidehändler Fröh 
lich!“ . . . 
Klinke übersprudelte 
sich. „Er hat doch eine 
reizende . . . eine süße 
Tochter . • . die ihm übri 
gens ganz unähnlich ist, 
nicht wahr?“ 
„Stimmt! Daß sie süß 
ist, trifft insofern zu, als 
man einer 3 / 4 Million Mit 
gift eine gewisse ver 
zuckernde Wirkung nicht 
absprechen kann.“ 
„Und sie hat noch 
keinen Mann?“ 
„Sie kennen ja die Tochter, wie ich sehe“ antwortete 
der gute Bekannte, „sehen Sie sich dazu die Familie 
an mit allem Drum und Dran. Auch des couragiertesten 
Mitgiftjägers Wagemut ist nicht unendlich.“ Da warf 
Versicherung von 
gegen alle Gefahren 
Inklusive Verlieren, gänzliches oder tell- 
weises Abhandenkommen, Feuer, Diebstahl, 
Beraubung, Überhaupt gegen jedes Risiko, 
Innerhalb wie außerhalb der eohnung, auch 
bei .Spazier- und Geschäftsgängen, Fahrten, 
Theater, Konzert-Restaurant-Besuchen etc. 
einschließlich Reisen zu Wasser und zu 
Lande bei kulantester Schadensregulierung, 
übernimmt 
Deutsche Transport-Ilersiclierungs-Oesellsclialt 
Abteilung der Frankfurter Allgemeinen Versicherungs-Ges. 
BERLIN W8, Charlottenstr. 29-30 
Fernsprecher: Amt Zentrum 5838 u. 4474 
Vertreter allerorts gesucht 
Am nächsten Morgen 
saß er Frau Hornbein 
gegenüber. 
„Gnädige Frau“, sagte 
er, „Sie irren sich, ich 
suche keine Frau für mich, 
sondern habe sie bereits 
gefunden.“ 
„Dann, mein Herr!“ 
erwiderte die korpulente 
Dame, „verstehe ich nicht, 
warum Sie mich aufge 
sucht haben.“ 
„Es blieb mir kein 
anderer Weg, da Sie für 
das junge Mädchen einen 
Gatten zu suchen beauf 
tragt sind.“ 
„Ah, ich verstehe, wer 
ist es denn?“ 
„Es ist die Tochter 
eines Herrn Fröhlich!“ 
„Sie wollen Sie heiraten . . . Wirklich?“, fragte die 
Hornbein überrascht. „Es ist mein heißester Wunsch,“ 
sagte Klinke schlicht. Da trat Frau Hornbein impulsiv 
auf ihn zu, drückte ihm erfreut die Hand, und sprach; 
„Ich verschaffe sie Ihnen. Sie sollen glücklich werden.“ 
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sich Klinke in die Brust. „Mich schreckt die Familie 
nicht ab. Die Tochter will ich, nicht den grotesken Papa. 
Die Liebe überwindet die peinlichsten Zugaben.“ 
„Klinke“, rief der Andere, „Ihnen muß es verdammt 
schlecht gehen. Die 3 / 4 Million hat sie hypnotisiert.“ 
„Gnädige Frau“, bat Klinke, „bitte mit möglichster 
Beschleunigung.“ 
„Ich sehe,“ sagte die Hornbein, „Sie sind ein edler 
Mensch. Kommen Sie morgen um dieselbe Zeit hier 
her. Sie ist ein Goldfisch, Herr Klinke. So etwas
        
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