Path:

Full text: Berliner Leben Issue 24.1921

2! 
zu beantworten. „Du hast sie 
gemalt, studiert, tanzen ge 
sehen, ihre Bewegungen be 
obachtet, kennst sie fast wie 
ich. Du hast als Maler einen 
sichereren Blick als ich. Ich will 
dein Urteil. Denn ich — Ja 
wohl, denk dir nur: sie ist es; 
sie ist die Tänzerin des Todes.“ 
Der Maler lachte laut auf. 
Da packte ihn der andere am 
Arm. „Lach nicht,“ schrie er 
heraus. „Sieh sie dir an!“ 
Der Wagen hielt vor dem 
Auroralichtspieltheater. 
Jerg stieg als erster aus, 
achselzuckend, aber doch ernst und etwas erregt. Wenn 
Brenner sich nicht täuschte? Aber wie war Marga d a- 
rauf verfallen? Und hätte sie derartiges getan, ohne 
daß er es erfuhr? Und wann? Nein, nein, das war 
ausgeschlossen. Aber wenn — 
Nun saßen die beiden neben einander im dunklen 
Raume. Der Film begann dort vor ihnen auf der 
Leinwand zu rollen. Jerg starrte unverwandt" 
Aha, da trat die Nackttänzerin mit dem ver 
mummten Kopf zum ersten Mal ins Bild. 
Jetzt begann sie zu tanzen. Donnerwetter, 
der Körper dieses Weibes sah dem Margas 
zum verwechseln gleich. Wahrhaftig, die 
Linien, die Bewegungen — das war alles ge 
nau — Jerg fühlte, wie ihm 
das Blut zu den Schläfen stieg 
und pochte. Er starrte, starrte 
alles andere ringsum verges 
send. 
Da — da wandte die Tänzerin 
voll ihre Rückseite im Tanze 
dem Beschauer zu. 
Dem Maler quollen fast die 
Augen aus den Höhlen; sein 
Blick wich nicht von dem Tief 
teil des Frauenrückens dort auf 
der Leinwand. Jetzt — jetzt 
würde er Klarheit und Gewiß 
heit erlangen; jetzt kam der 
Augenblick der Entscheidung. 
Ah! Ein tiefes Aufatmen. Jerg lehnte sich im Sitze 
zurück. Daß er nicht allein im Raume weilte, daß so 
und so viele andere Menschen es hören würden, unter 
ihnen auch sein Sitznachbar, Margas Gatte, — dessen 
war er sich in diesem Augenblick nicht bewußt, als er 
laut vor sich hin sprach: „Nee. Da fehlt ja ihr Leber 
fleck.“ 
„Richtig,“ sagte der Strohwitwer und at 
mete ebenfalls auf. — 
N. B. der Redaktion: Schluß obiger 
Skizze siehe in Scheidungsakten Hugo 
Ku 
nze. 
K i n o ~ Rondo 
Der Autor 
Wie er milde und tantiemelich lächelnd 
auf der schicksalsreichen Leinwand steht; 
zuährend sich der Vater der Geschichte 
längst verstorben still im Grabe dreht. 
Der Stammgast 
Niemals kann er satt sich sehn, 
je länger, desto besser! 
Er genießt das Flimmerband 
als Kilometerfresser. 
H e n n y Porten 
Deine Schönheit überfällt mich 
immer neu, wenn ich sie seh’; 
doch noch mehr füllt mich mit Wehmut 
die Gage und dein Porten — monnaie. 
Der Regisseur 
Die „wildbewegte“ Menge läßt 
dein Donnerwort parieren; 
und du wirst noch ganz zweifellos 
zum Zelluloidnant avancieren. 
Rollenverteilung 
Männlich: Tragisch 
oder komisch; 
Weiblich: Besser 
anatomisch. 
Der Liebling 
Kunst und Natur ist Eines nur, 
du Ritter ohne Fehle: 
Die Augen sind nach Maß gemacht 
und dein Frack hat Seele. p,cfi.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.