Path:

Full text: Berliner Leben Issue 23.1920

18 
Und wie hübsch der Bengel dabei aussah! Einfach zum Verliebe 
ben. Kein Wunder, wenn dieses — dieses Mastvieh, diese Lona 
puterrote Wangen bekam und verliebt gurrte und kreischte ! 
Lisbeths Hände zitterten; in ihr meldete sich eine kochende Wut, 
und jetzt ging es sogar fühlbar wie ein Stich durch ihr Herz. 
Ganz plötzlich brach sie ein Gespräch mit einem anderen Herrn 
ab, entschuldigte sich kurz und erhob sich. Sie schritt an Erwin 
und Lona vorüber und warf dem jungen Manne heimlich einen 
blitzenden Blick zu. Erst schien es, daß er ihn nicht bemerkt 
hätte. Lisbeth, die sich an ein Fenster gestellt hatte und in den 
Saal blickte, biß sich bereits auf die Lippen und spielte mit den 
Fingernägeln. Aber da — gottlob, da erhob er sich, verabschiedete 
sich von — von dieser Fettgans und kam auf sie zu. 
„Wollen Sie mich sprechen, gnädige Frau?“ 
Ihr saß ein 
Würgen im Hal 
se; sie vermochte 
nur durch stum 
mes Nicken zu 
antworten. Und 
nun drängte sich 
auch noch eine 
Träne in ihr 
Auge. 
Er sah es. „Um 
Gotteswillen, Lis 
beth, was ist 
denn? Ist etwas 
geschehen?“ frag 
te er leise. 
Jetzt hätte Lis 
beth jubeln mö 
gen. Denn in seiner Stimme war so viel von liebender, zärtlich 
ster Besorgnis. 
„Erwin, willst du mir etwas schwören?“ fragte sie ganz, ganz leise. 
Er sah sie fragend an. 
„Bitte“, drängte sie, fast flehentlich. 
„Ich schwöre“, sagte er. 
Sie atmete tief auf. „Morgen wirst du einen Brief von mir 
erhalten, ln einem Anfall dummer Eifersucht habe ich ihn geschrie 
ben. Ungeöffnet, ungelesen gibst du ihn mir morgen nachmittag, 
wenn ich zu dir komme, zurück. Du hast geschworen. Nicht wahr?“ 
„Aber“, sagte er vorwurfsvoll und schüttelte den Kopf. 
„Nicht wahr?“ drängte sie wieder. 
Unseren verehrten Gästen, Freunden und Bekannten die ergebene 
Mitteilung, daß wir den Betrieb unseres Restaurants 
unter persönlicher Leitung wieder übernommen haben 
MUTZBAUER UND BÖTTGER 
FRÜHSTÜCK Pleno und a la carte / Große ABENDKARTE / 5 UHR-Tee Komplett 
In allen Räumen: Konzert 
Er nickte. 
„Dummes, Ge 
liebtes,“ flüsterte 
er leise und weich 
und glücklich. 
„Und es ist 
alles zwischen uns 
wie sonst?“ frag- 
e sie, und ihre 
bang glitzernden 
Augen suchten in 
den seinen dieTie- 
fe seines Herzens. 
„Wie sonst 
Solls immer blei 
ben, Lisbeth“, 
DEZEMBER-PROGRAMM: Alice Roman, Otto Klein. Ethel Card. 
Erich Kling. Roma Barre, Herbert Kais, Sigrid Hohenfels. Knut Olsen. 
Tanx • Gesang . Vorzügliche Küche und Weine - Beginn 7 Uhr 
sagte er innig. „Also morgen kommst du wieder?“ 
Ihre Blicke antworteten so verheißend, so leider.schaftstoll, daß 
er erbebte und leise stöhnte. 
„Geh jetzt wieder,“ bat sie. 
Er küßte ihr die Hand und verließ sie. 
Lisbeth ging zu ihrer Freundin Dora und verabschiedete sich von ihr. 
„Warum gehst du denn schon, Lisbeth?“ 
„Weil —Ich — Weißt du, Dora, in mir sieht es so aus, daß 
ich nicht unter Menschen bleiben will. Ich muß allein sein.“ 
„Ist etwas Besonderes geschehen, Lisbeth?“ 
„Besonderes? Eigentlich nicht. Es fst nur — ist nur alles 
wieder wie sonst.“
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.