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Full text: Berliner Leben Issue 23.1920

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meiner neuen Lebensart zu 
kosten geben. Sage mir lieber; 
Wohin willst du? ‘ 
„Ich, nach Oherwiesen- 
tal im Erzgebirge. Sport 
treiben 1“ 
„Zu welchem Zweck? Ist 
das nicht gefährlich?“ 
„Gott, ein bißchen, aber — 
einesteils schafft der Winter 
sport die während der faulen 
Zeit angespeicherten Fett 
schichten vom Leibe und an- 
dernteils erwirbt man sich durch 
Ausübung eines gefährlichen 
Sports etwas Heldentum, das 
unserem zivilistischen Dasein 
nichts schadet.“ 
Das war etwas für Tümpel- 
müller. Die Worte Entfettung 
und Heldentum und Ansehen 
wirkten auf ihn wie spanischer 
Pfeffer auf Schlagsahne. 
„Höre, Meyerbeer, ich tue 
mif!“ schrie er begeistert. 
„Was tust du mit?“ 
„Sport treiben, — — ich 
fahre mit “ 
„Aber das ist ja großartig! 
Du scheinst in der Tat wirk 
lich ernst zu machen mit der 
Revision deiner ehelichen Ver 
hältnisse. Aber hast du denn 
den Erlaubnisschein von deiner 
geliebten Euphrosine schon in der Tasche?“ 
„Die wird nicht gefragt.“ 
„Jung'c, Junge, du riskierst den Hals!“ 
„Das wollen wir sehen. Ich will sie mir zähmen, sie soll werden 
wie ein ausgestopfter Tiger so fromm. Übrigens, was hast du 
für Klötzer auf dem Rücken?“ 
'„Das sind Schi.“ 
„Schi??? — — Was für Schi? Haus- oder Gummischi?“ 
„Faule Witze!! Schneeschi.“ 
„Was macht man damit? Setzt man sich darauf?“ 
„Nee, aber das wirst du bald lernen. Also los.“ 
Und Herr Theobald Tümpelmüller ging in der Tat mit zum 
Bahnhof, ohne Erlaubnis, ohne Abschied, ohne jede Vorbereitung. 
Und drei Stunden später kam er mit Herrn Notar Meyerbeer in 
Oberwiesental an. Freilich, je weiter die Entfernung zwischen 
Trottelstädt und ihm wurde, desto mehr verflachte seine helden 
mütige Stimmung, und wenn er sich nicht vor Meyerbeer geniert 
hätte, wäre er mit dem nächsten Zuge reuevoll wieder heimgefahren. 
Aber der Notar, der seinen Rückfall merkte, stärkte ihm das Rück 
grat, malte ihm die lieblichsten Bilder aus, wie er als Sieger heim 
kehren würde, wie er in Zukunft auf immer das Szepter in den 
Händen halten würde. Da telegraphierte er seiner Gattin lakonisch: 
Bin, Sport zu treiben, in Oberwiesen tal, fahre Ski, logiere im Sporthotel, 
Eine Stunde später kam 
prompt telegraphisch die Ant 
wort. „Will dir Sport treiben 
schon austreiben! Klage wegen 
böswilligen Verlassens der Ehe 
frau auf Scheidung.“ Herr 
Tümpelmüller hatte sich aus 
dem Hotel ein Paar Skier ge 
liehen und stand nun, die Lang 
hölzer in der Hand, im Vesti 
bül und studierte das Tele 
gramm. — Da kam Beermeyer. 
„Na, schon ein Liebesbrief da 
von deiner geliebten Silber 
pappel?“ 
„Eine Depesche. — — Sie 
will sich scheiden lassen.“ 
„Na endlich! Mensch, und 
da schreist du nicht schon mit 
achtzig Pferdekräften nach 
Sekt?!“ 
„Nee, nee, mach’ keine 
schlechten Witze, Meyerbcer 
Die Sache ist mir peinlich, sehr 
peinlich. Es ist doch viel 
leicht besser, ich — — —“ 
„Führe nach Hause, um dir 
die Schillerbüste an den Schädel 
werfen zu lassen. Junge, 
wo sind deine guten Vorsätze? 
Ist das die Frucht deiner Lek 
türe : Wie werde ich energisch ? 
von der du mir auf der Reise 
erzähltest.“ 
„Ja, aber — — ja — — weißt du, Theorie und Praxis sind 
eben zwei grundverschiedene Sachen, das verstehst du nicht.“ 
„Hm, mag schon sein. Also fahre du heim, riskiere ’nen Schädel 
bruch und laß dich verhöhnen von deinem Fliegenpilz und von dem 
gesamten Stammtisch.“ 
Aber alles das schien die reuevolle Rückkehrsidee Tümpclmüllers 
nicht wanken zu machen. Da griff der schlaue Beermeyer zu einem 
anderen Mittel. — — „Na, so komme gut heim, grüße mir deine 
füße Dattelpalme, und ich will Frau von Henningsen sagen, daß 
du würdevoll in die Arme deiner geliebten Euphrosine zurück- 
gekehrst bist und für sie nicht zu haben.“ Das zog. Der dicke 
Tümpelmüller stutzte. „Frau von Henningsen? Wer ist das?“ 
„Mann, die kennst du noch nicht? Und seit sie dich sah vor einer 
halben Stunde, betet sie dich an, atmet nur für dich und brennt 
darauf, mit dir durch die Berge zu skiern.“ 
„Ja, aber wer ist es denn? Wie sieht sie denn aus?“ 
„Bst — -— bst — — da kommt sie gerade, laß dir nichts 
merken!“ 
Eine elegante Dame im Sportdress schritt vorüber und nickte 
Beermeyer zu. Der bat sie, ihn Herrn Rentier Tümpelmüller aus 
Trottelstädt vorstellen zu dürfen. — ; Lächelnd reichte die Schöne 
dem erglühenden Tümpelmüller die Hand, und dieser bemühte sich 
asuf c/uder 
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